Darum gehts
- Donald Trump behauptet, Feuerwehr habe ihn nach 9/11 aus Gebäude gerettet
- Fakt: Trump war laut früheren Berichten elf Kilometer entfernt im Trump Tower
- 2001 gab es Evakuierungen, aber keine Beweise für Trumps Rettung
Am Freitag jähren sich die wohl schrecklichsten Terroranschläge der Geschichte zum 25. Mal. Am 11. September 2001 flogen Passagierflugzeuge unter anderem in die beiden Türme des World Trade Centers in New York. Mittendrin: US-Präsident Donald Trump (80) – auf jeden Fall, wenn man seinen wirren Geschichten zu seinen Erfahrungen an jenem Tag Glauben schenkt.
An einer Veranstaltung zu Ehren der Ersthelfer erzählte Trump am Dienstag eine neue Version seiner Erlebnisse. «Gleich nachdem das passiert war», sei er in das One-Liberty-Plaza-Gebäude, das um die Ecke der Twin Towers stand und früher noch «U.S. Steel Building» hiess, gegangen. Dort hätten ihn dann Feuerwehrleute herausgetragen, als man fürchtete, das Hochhaus würde einstürzen. CNN hat die Erzählungen des US-Präsidenten einem Faktencheck unterzogen.
«Sie hoben mich hoch und rannten mit mir los»
Dass der damals 55-Jährige sich tatsächlich in der Nähe der beiden Türme befand, wurde bereits vor zehn Jahren widerlegt. In einem Interview mit dem Magazin «Politico» erklärte ein ehemaliger leitender Angestellter der Trump Organization, der amtierende Präsident habe am 11. September «nichts Aussergewöhnliches» getan – er soll in elf Kilometern Entfernung seinem täglichen Geschäft im Trump Tower nachgegangen sein.
Obwohl er also gar nicht dort gewesen sein kann, erzählte Trump am Dienstag weiter, Feuerwehrleute hätten ihn aus dem «knarrenden» One-Liberty-Plaza-Gebäude gerettet. «Das Gebäude knarrte, es knarrte wirklich, und wir dachten, es würde einstürzen», so der US-Präsident.
«Wir dachten, es würde direkt auf uns herabstürzen, und zwei Feuerwehrmänner – grosse, kräftige Kerle – und ich bin nicht gerade der Kleinste auf der Welt – packten mich unter den Armen und sagten: ‹Wir müssen hier raus.› Und sie hoben mich buchstäblich hoch. Das ist nicht einfach. Ich bin kräftig gebaut», erzählte er weiter. «Sie hoben mich hoch und rannten mit mir los. Ich sagte: ‹Leute, ich kann selbst laufen.› Aber sie waren unglaublich.»
Trump verstrickt sich immer mehr
Nur kurz nach der Rede, am Dienstagabend, erklärte Trump dann aber, seine Rettung durch die Feuerwehrleute sei nicht am 11. September selbst passiert, sondern «einige Tage» später. «Ich war dort, natürlich nicht am selben Tag wie das Attentat, aber kurz danach.»
Das passt nicht nur nicht zu dem, was er nur einige Stunden zuvor erzählt hatte, sondern auch nicht zu einer Version der Geschichte aus dem Jahr 2016. Damals erzählte Trump, er sei überhaupt gar nicht aus einem Gebäude getragen worden, dem der Einsturz drohte, ein gefährdetes Hochhaus sei jedoch «nicht so weit von mir entfernt» gewesen.
Trump gab zwei Tage nach Attentat Interview
Klar ist: Durch die Nähe zu den eingestürzten Twin Towers kam es unter anderem im One-Liberty-Plaza-Gebäude in den Folgetagen des Anschlags mehrmals zu Evakuierungen wegen Einsturzgefahr. Davon erzählte auch Trump in einem Interview mit NBC am 13. September 2001. «Alle paar Minuten ertönte ein Pfiff, und alle rennen los», erklärte er am Ground Zero.
«Hier stehen rundherum all diese Gebäude, die in einem derart brüchigen Zustand sind, dass die Leute einfach nicht wissen, was los ist. Und so müssen sie einfach losrennen, und dann kommen sie zurück und arbeiten unter 50-stöckigen Gebäuden, von denen man nicht weiss, ob sie einstürzen werden.»
Was möglich wäre, ist, dass Trump in einem solchen Moment sich aus einem umstehenden Gebäude evakuieren musste – dafür gibt es jedoch keine Beweise. Auch erwähnte Trump während des NBC-Interviews nichts von einer persönlichen Verwicklung in einen solchen Moment – was höchst untypisch wäre.