Darum gehts
- US-Eliteeinheiten retten Waffen-Lieutenant aus iranischem Gebirge
- Lieutenant überlebt 36 Stunden verletzt, nur mit Pistole bewaffnet
- «Sere»-Training: Überleben, Ausweichen, Widerstand, Flucht für Soldaten
«Eine der waghalsigsten Such- und Rettungsaktionen in der Geschichte der USA» ging in der Nacht auf Sonntag zu Ende. In einer spektakulären Mission retteten US-Eliteeinheiten, darunter das legendäre Seal Team Six – sie töteten einst Osama Bin Laden (1957–2011) –, einen amerikanischen Waffen-Lieutnant aus dem iranischen Gebirge.
Am Karfreitagmorgen stürzte in der Nähe von Isfahan eine F-15 ab. Der Pilot des Kampfjets konnte schnell gefunden werden. 36 Stunden lang versteckte sich der laut US-Präsident Donald Trump (79) «schwer verletzte» zweite Insasse, ein Waffen-Lieutenant, im Zagros-Gebirge. 2000 Meter über Meer, allein und nur mit einer Pistole bewaffnet, verharrte er dort. Doch wie werden amerikanische Einheiten darauf vorbereitet, in solchen Situationen hinter feindlichen Linien zu überleben?
Das US-Militär verfolgt dafür speziell in Trainings der Luftwaffe die intensive Strategie «Sere». Die Abkürzung steht für «Survival, Evasion, Resistance and Escape», was auf Deutsch so viel bedeutet wie «Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht». Das steckt dahinter.
Survival
Am wichtigsten: Wer hinter feindlichen Linien gefangen ist, muss überleben. Besonders zentral sind dabei Stressregulierung und die Minimierung des Kalorienverbrauchs. Geübt wird für solche Situationen mit Real-Life-Szenarien – so werden angehende US-Piloten und -Pilotinnen in Wüsten oder arktischer Kälte instruiert, wie man Feuer macht, Unterkünfte baut, Essen aus Kaktuspflanzen oder Käfern zubereitet, sich unter Wasser befreit, mit Fallschirmen landet und sich selbst verarztet.
Evasion
Was um jeden Preis vermieden werden soll, ist, in die Hände des Feindes zu geraten. «Überleben geht Hand in Hand mit der Vermeidung einer Gefangennahme», erklärt Jason Smith, pensionierter Master Sergeant der Spezialeinheiten der US-Armee, gegenüber dem «Wall Street Journal».
Jeder Einsatzplan beinhaltet somit auch Notfallmassnahmen, die zwischen den Kampfjet-Besatzungen und der Heimatbasis vereinbart werden – darunter auch eine Ausweichstrategie. So könne sich ein verlorener Soldat oder eine verlorene Soldatin «in die bestmögliche Position bringen, um geborgen zu werden», ohne von Feindeskräften gefangen genommen zu werden.
Besonders gut gelang das 1995 während des Bosnien-Kriegs. Ein US-Pilot stürzte mit seiner F-16 ab, ernährte sich von Ameisen und bewegte sich nur bei Nacht. So überlebte er sechs Tage, bevor er gerettet werden konnte.
Resistance
Doch was, wenn man trotzdem von feindlichen Kräften entdeckt wird? Dann gilt: Widerstand. Die Schulung in diesem Bereich des Programms ist grösstenteils geheim. Bekannt ist lediglich, dass Kampfsport gelehrt wird und Piloten und Pilotinnen Schusswaffen auf sich tragen.
Auch Jason Smith lehnt es ab, gegenüber dem «Wall Street Journal» in Bezug auf den im Iran geretteten Waffen-Lieutenant genauer auf die Technik einzugehen. «Der Pilot ist sicherlich sowohl in Widerstand als auch in Flucht trainiert worden. Dabei kann man es belassen.»
Escape
Auch wer in Gefangenschaft gerät, wird nicht im Stich gelassen. Das unterstreicht das Motto des US-Militärs – «No man left behind» (Deutsch: «Kein Mann wird zurückgelassen»).
Das geht auch aus einem Bericht der Luftwaffe hervor: «Den Besatzungsmitgliedern wird beigebracht, wie sie alles – von Leuchtraketen über Funkgeräte bis zu anderer Ausrüstung – richtig und effektiv einsetzen, um dem Feind zu entkommen und sich in Sicherheit zu bringen.»