Darum gehts
- Russland: Über eine Million Menschen leben 2026 mit HIV
- HIV-Fälle unter Soldaten stiegen 2023 um das 40-Fache
- 2024 wurden knapp 50'000 Neuinfektionen vom Gesundheitsministerium registriert
Fast 1 Prozent der russischen Bevölkerung lebt mit HIV – so viele wie in keinem anderen Land Europas. Laut dem Gesundheitsministerium wurden 2024 knapp 50'000 Neuinfektionen registriert. Über eine Million Menschen sind betroffen. Die Epidemie hat fatale Folgen – auch für die russische Armee, berichtet SRF.
Seit der Mobilmachung 2022 und der Rekrutierung Zehntausender Häftlinge ist die Zahl HIV-positiver Soldaten explodiert. Innerhalb eines Jahres stieg sie nach Angaben russischer Militärärzte um das 40-Fache. HIV-Infizierte gelten zwar offiziell als untauglich, doch das ist Kremlchef Wladimir Putin (73) und seiner Militärführung offensichtlich egal.
Hilfsorganisationen als «ausländische Agenten» eingestuft
Der Krieg verschärft HIV-Risiken, weil er Behandlung, Prävention und sichere medizinische Versorgung an der Front behindert. Unabhängige russische Medien berichten, dass die Hygienevorschriften in den Kriegsgebieten oft nicht eingehalten werden. Zudem floriert Prostitution in den besetzten Gebieten, wie das Exilmedium «Wjorstka» enthüllte.
Die Rückkehr infizierter Soldaten könnte das russische Gesundheitssystem überlasten, glauben Experten. Bereits jetzt mangelt es an Medikamenten und Tests. Die Regierung hat zwar die Mittel erhöht, doch viele Hilfsorganisationen haben das Land verlassen, nachdem sie als «ausländische Agenten» eingestuft worden waren. Bereits im September 2023 warnte etwa die Nichtregierungsorganisation «European Aids Treatment Group» vor einer «verborgenen HIV-Epidemie» in den von Russland besetzten Gebieten.
Das gilt für HIV-positive Personen in der Schweizer Armee
Zustände wie in der Kreml-Truppe sind in der Schweizer Armee undenkbar. HIV-positive Personen können hierzulande je nach medizinischer Situation für den Militärdienst als untauglich eingestuft werden, wie das Fachportal Tellmed unter Berufung auf die Beratungsstelle für Militärverweigerung und Zivildienst schreibt.
Kurz zusammengefasst: Für HIV-Positive in frühen Stadien ohne Therapie kann im Einzelfall Tauglichkeit möglich sein. Bei Therapiebedarf ist die militärische Tauglichkeit in der Regel ausgeschlossen.
Seit dem ersten Quartal 2014 bietet die Armee auch HIV-Tests auf freiwilliger Basis an. Die Tests sind laut Bund nicht generell für alle verpflichtend, sondern werden im Rahmen der Rekrutierung angeboten oder für bestimmte Funktionen stärker gewichtet. Im Falle von HIV oder Hepatitis sind etwa Sanitätssoldaten durch Spritzen und Blutkontakt einem grösseren Risiko ausgesetzt.