Mutmasslicher Ukraine-Angriff auf Russland-Tanker im Mittelmeer
Schweizer Ex-Militär mit Russland-Nähe nennt Selenski «ausser Kontrolle»

Das Wrack eines Russen-Tankers treibt im Mittelmeer, ein Schweizer Ex-Militär kommentiert es bei russischen Medien – und nennt Selenski «ausser Kontrolle». Doch Ralph Bosshard ist alles andere als ein neutraler Beobachter.
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Treibt im Mittelmeer zwischen Malta und Lampedusa: der im März durch eine Explosion zerstörte russische Tanker «Arctic Metagaz».
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russischer Gastanker «Arctic Metagaz» nach Drohnenangriff im Mittelmeer beschädigt
  • Schweizer Ex-Oberstleutnant Bosshard kritisiert Ukraine, lobt Russlands Vorgehen
  • Bosshard verlor 2025 Amt wegen Russlandnähe, NDB prüfte ihn ohne Verfahren
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Zwischen Malta und Lampedusa treibt das Wrack des russischen Flüssiggastankers «Arctic Metagaz». Das Schiff wurde laut libyscher Hafenbehörde Mitte März von «plötzlichen Explosionen und einem massiven Brand» getroffen – mutmasslich durch eine ukrainische Drohne, gestartet von der libyschen Küste. Russlands Präsident Wladimir Putin (73) verurteilte den Vorfall als «Terrorangriff» Kiews. Die Ukraine kommentiert solche Vorfälle traditionsgemäss nicht.

Es ist der zweite Vorfall dieser Art im Mittelmeer: Bereits im Dezember 2025 hatte die Ukraine den Tanker «Qendil» im Mittelmeer angegriffen – damals das erste Mal überhaupt, dass ein russischer Tanker im Mittelmeer attackiert wurde.

«Arctic Metagaz» stand auf den Sanktionslisten der USA und der EU. Er gehörte zur sogenannten «Schattenflotte» – jenen veralteten russischen Schiffen, die westliche Handelsbeschränkungen umgehen, indem sie russisches Öl und Gas auf verschlungenen Wegen in alle Welt liefern.

Vorwürfe von Schweizer Ex-Militär

Gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass kommentierte den Vorfall jetzt Ralph Bosshard (59), ehemaliger Schweizer Oberstleutnant im Generalstab: Die ukrainische Führung gerate «immer stärker aus dem Ruder». Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) werde für westeuropäische Partner zur «ungelenkten Rakete».

Der Angriff sei laut Bosshard Teil einer «neuen Front gegen Öl- und Gastransporte» – zu einem Zeitpunkt, an dem die globale Energieversorgung ohnehin angespannt sei. In westlichen Medien herrsche darüber «fast ein peinliches Schweigen», so der Schweizer Ex-Militär – der keinesfalls ein neutraler Beobachter ist.

Der 59-Jährige absolvierte 2013 durch das Schweizer Verteidigungsdepartement (VBS) eine rund einjährige militärische Ausbildung an der russischen Generalstabsakademie in Moskau. Danach war er als militärischer Sonderberater bei der Schweizer OSZE-Mission tätig und arbeitete laut eigenen Angaben auch dem Militärnachrichtendienst zu, wie SRF berichtet.

Intakte Russland-Kontakte

Bosshard trat regelmässig beim russischen Propagandasender RT auf, bezeichnete westliche Waffenlieferungen an die Ukraine als «Hauptprobe zum nächsten Krieg der Europäer gegen Russland» und die Kreml-Politik als «rational» und «wohlüberlegt».

Heute reist er privat noch nach Russland. Auf seiner Visitenkarte als selbständiger Sicherheitsberater prangt ein leicht abgewandeltes Emblem der russischen Streitkräfte. Nach eigenen Angaben verkehrt er bis heute mit russischen, belarussischen und iranischen Militärangehörigen und Diplomaten, die teilweise auch für die Geheimdienste ihrer Länder tätig seien.

Appenzell-Berater und auf Radar des Geheimdienstes

Trotz seiner umstrittenen Russlandnähe stellte ihn der Kanton Appenzell Ausserrhoden ab Frühjahr 2025 als Koordinator Bevölkerungsschutz beim Amt für Militär und Bevölkerungsschutz an – eine sicherheitssensitive Funktion. Das Arbeitsverhältnis endete kurze Zeit später, nachdem die Kantonsregierung Bosshards Publikationen als «erhebliches Reputationsrisiko» beurteilte.

Laut SRF-Recherchen beschäftigte sich die Schweizer Armeespitze mehrfach mit der Personalie Bosshard, und der Nachrichtendienst NDB holte Informationen zu ihm ein. Eine offizielle Untersuchung gegen ihn gab es nie. Bosshard selbst betont, nie für irgendeinen Staat spioniert zu haben.

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