Bringt Lindsey Grahams Tod die Ukraine-Wende?
Selenski meldet sich nach Trump-Treffen mit mysteriöser Botschaft

Am Rande der Beerdigung des US-Senators und Ukraine-Freundes Lindsey Graham (†71) haben sich die beiden ungleichen Präsidenten getroffen – und offenbar bestens verstanden. Noch in dieser Nacht könnte das US-Parlament Putin den wirtschaftlichen Todesstoss versetzen.
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Überraschend auf die pro-ukrainische Seite durchgeschlagen hat sich auch die Trump-Einflüstererin und MAGA-Influencerin Laura Loomer.
Foto: Ukrainian Presidential Press Office via AP

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Vielleicht schafft der vor zwei Wochen verstorbene US-Senator Lindsey Graham (†71) tatsächlich ein Wunder nach dem Tod. Am Rande seiner Beerdigung in Washington D.C. nämlich trafen sich US-Präsident Donald Trump (80) und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48). Ukraine-Freund Graham, der nur Stunden vor seinem überraschenden Tod aus Kiew in die USA zurückgekehrt war, hatte zeitlebens alles daran gesetzt, dass sein Heimatland den Ukrainern zum Sieg verhilft.

So heftig wie jetzt haben Selenski und seine Truppen die russischen Angreifer seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren noch nie in die Ecke gedrängt. Und gleich mehrere Indizien sprechen dafür, dass Selenski Wladimir Putin (73) mit Trumps Hilfe jetzt tatsächlich in die Knie zwingen könnte.

Da ist zum einen die offenkundig gute Stimmung zwischen dem ukrainischen Kriegspräsidenten und dem mächtigen Mann im Weissen Haus. Die freudigen Fotos des Treffens, das hinter verschlossenen Türen stattfand: meilenweit entfernt von jener miesen Stimmung, die noch im vergangenen Jahr herrschte, als Selenski von Trump und dessen Team im Oval Office richtiggehend niedergemacht worden ist.

Selenski zog auf seinem Telegram-Kanal Bilanz nach dem gut einstündigen Treffen und dankte den USA für die «starke Unterstützung». Man habe über die von Trump versprochenen Lizenzen für die Produktion der wichtigen Patriot-Abwehrraketen in der Ukraine gesprochen und «über einige andere Dinge, die helfen könnten». Darüber, was er damit genau gemeint hat, lässt uns der geschickte Taktiker wohl bewusst im Dunkeln.

Kommt heute Nacht der wirtschaftliche Todesstoss für Putin?

Zum anderen weht dieser Tage der Geist des verstorbenen Ukraine-Unterstützers Lindsey Graham durch die amerikanische Hauptstadt. Kaum ein anderer US-Politiker hatte sich in den vergangenen Jahren so bedingungslos hinter Kiew gestellt, wie der erzkonservative republikanische Senator aus South Carolina. Selenski kondolierte Trump zum Verlust «eines wahren Freundes» und nahm im Anschluss an das Trump-Meeting an der Zeremonie für Graham teil.

Noch in der Nacht auf morgen Mittwoch will das US-Parlament ein erstes Mal über den nach dem Verstorbenen benannten «Lindsey O. Graham Sanctions Act» befinden. Das Gesetz sähe massive neue Strafen und Sanktionen vor für alle, die weiter mit Russland Handel betreiben. Kommt es durch, muss sich Putin auf einen Schlag mit einem noch viel grösseren Problem rumschlagen, als er das angesichts der ukrainischen Langstreckenangriffe und der serbelnden Wirtschaft jetzt schon tut. Trump hat Grahams Gesetz zum Erstaunen vieler Beobachter seinen Segen erteilt.

Nicht zuletzt dürfte der Ukraine auch die neue Unterstützungswelle von der amerikanischen Rechten Schub geben. Gleich mehrere prominente Kommentatoren und Influencer haben sich in den vergangenen Wochen überraschend auf die Seite der Ukraine geschlagen. Darunter die Trump-Flüstererin Laura Loomer (33), eine rechte Verschwörungstheoretikerin mit einer Millionen-Gefolgschaft auf Social Media.

Loomer sagt: «Ich war ein Arschloch»

Loomer hat vergangene Woche in Kiew einen russischen Angriff auf eine Kirche miterlebt und ihre Gefolgschaft danach wissen lassen, dass «Putin Jesus direkt attackiert» habe. Kurz darauf hat die Trump-Bekannte (im September wird er sie erneut persönlich empfangen) Selenski interviewt und danach überall verbreitet: «Ich bin auf die russische Propaganda reingefallen. Ich war ein Arschloch, dass ich die Probleme der Ukraine so lange kleingeredet habe.» Die Ukraine zahle einen hohen Preis, damit die Europäer und Amerikaner vom russischen Terror verschont blieben.

Dass Loomer, eine der einflussreichsten Stimmen in Trumps «Make America Great Again»-Bewegung, diese 180-Grad-Wende ausgerechnet jetzt macht, könnte die Trump-Waage endgültig zu Selenskis Gunsten kippen lassen. Die aufsehenerregenden militärischen Erfolge der ukrainischen Drohneneinheiten haben Trump und sogar den Ukraine-Kritiker J.D. Vance (41) jüngst zu bewundernden Bemerkungen verleitet.

Dass die Ukraine den Amerikanern erst vor wenigen Tagen neue Beweise dafür geliefert hat, dass die Russen den Iranern bei ihren Angriffen auf amerikanische Ziele im Nahen Osten helfen: Auch das dürfte Trump ins Grübeln bringen.

Mit Lindsey Graham hat die Ukraine einen ihrer wortmächtigsten Unterstützer verloren. Paradoxerweise hat gerade sein Ableben aber den auf den ersten Blick perfekten Sturm angestossen, der Putins Terror zerzausen und den Krieg mit amerikanischer Schützenhilfe zu einem baldigen Ende bringen könnte.

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