Blick-Reporterin traf Kindheitsfreund von Berlin-Attentäter
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«Sind zusammen aufgewachsen»:Blick-Reporterin traf Kindheitsfreund von Attentäter

Blick vor der Tür des Terroristen in Berlin – ein Jugendfreund von Abdul Ballout erzählt
«Ich kann nicht fassen, was Abdul gemacht hat»

Blick besucht den früheren Wohnort des Terroristen Abdul Ballout (†21). Die Wohnung ist mit einer Notfalltür aus Pressholz verschlossen. Drei Stockwerke weiter oben wohnt Hamza (22). Er ist ein Kindheitsfreund von Ballout und erzählt: «Alle im Block sind geschockt.»
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In diesem Gebäude hat Terrorist Abdul Ballout (†21) mit seiner Mutter und seinen Schwestern gewohnt, bevor er für längere Zeit in den Libanon reiste.
Foto: Karin Frautschi

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Abdul Ballout (†21) fuhr am 25. Juli in eine Menschenmenge in Berlin
  • Tatort nur 1,5 Kilometer von seiner früheren Wohnung entfernt
  • Blick trifft am früheren Wohnort auf Jugendfreund des Attentäters
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Karin FrautschiReporterin Blick

Es ist ein ruhiger Montag an der Bissingzeile in Berlin-Tiergarten, einem Ortsteil im Bezirk Mitte. Entlang der rund 200 Meter langen Strasse befinden sich verschiedene Wohnblöcke, ein Autohandelsplatz, ein Hotel und grosse Baustellen. Die Umgebung wirkt etwas heruntergekommen.

Am einen Ende der Strasse steht ein grauer Wohnblock. Darin befindet sich die Wohnung, in der der Attentäter Abdul Ballout (†21) jahrelang gelebt hat.

Der deutsche Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln raste am Samstag gegen 22 Uhr mit einem Mietauto in eine Menschenmenge, die in Berlin den Christopher Street Day feierte.

«Wir sind zusammen aufgewachsen»

Blick trifft einen jungen Mann – Hamza, 22 Jahre alt – vor dem besagten Haus an. Er raucht und steht in Gedanken versunken vor seinem roten Smart. Als die Blick-Reporterin ihn anspricht, weiss er sofort, worum es geht. Der Berliner ist bereit, über seinen Kindheitsfreund zu sprechen, nur: fotografiert werden will er nicht.

«Ich kann immer noch nicht fassen, was Abdul gemacht hat», sagt Hamza. Die beiden jungen Männer haben sich gekannt. «Wir sind zusammen aufgewachsen, gingen gemeinsam zur Schule und haben beide hier im Block gewohnt.» Abdul Ballout und seine Familie im ersten Stock, Hamza mit seiner Familie im vierten. 

Der Wohnblock ist nur rund 1,5 Kilometer vom Tatort im Berliner Tiergarten entfernt. Dort tötete der Terrorist durch seinen Anschlag eine Frau (†65) und verletzte 29 weitere Personen.

«Ich hätte ihm eine solche Tat niemals zugetraut», sagt Hamza weiter. Mit dem Erwachsenwerden sei der Kontakt etwas abgeflacht. Von Ballouts islamistischer Radikalisierung habe er lange nichts gewusst. Als Ballout vor einiger Zeit plötzlich verschwunden sei, sei der Kontakt zwischen ihnen ganz abgebrochen, so Hamza.

In dieser Zeit hielt sich Attentäter Ballout gemäss Medienberichten im Libanon auf. Die frühere Heimat soll ihm als Kontakt- und Transitland gedient haben. So reiste er beispielsweise 2025 über die Türkei in den Libanon, um von dort aus Syrien zu erreichen, wo er sich dem Islamischen Staat (IS) anschliessen wollte. Im Libanon soll Ballout auch versucht haben, Kontakt zu mehreren IS-Mitgliedern aufzubauen. Er wurde dort festgenommen, sass eine mehrmonatige Haft ab und kehrte im November 2025 nach Deutschland zurück – wo er ebenfalls kurzzeitig in Haft kam.

«Nach seiner Rückkehr habe ich ihn nur manchmal gesehen, wenn er hier im Block seine Familie besucht hat», so Hamza. Laut dem 22-Jährigen habe der Attentäter nach der Rückkehr nicht mehr selbst hier gewohnt.

Das letzte Mal gesehen habe er Abdul vor rund fünf Tagen. «Er stand hier in der Quartierstrasse und hat geraucht», sagt Hamza. Sie hätten sich von weitem gegrüsst. Alles habe normal gewirkt. 

Polizei-Einsatz im Wohnblock

Hamza berichtet, dass er in der Nacht auf Sonntag aus den Medien erfahren habe, dass sein früherer Freund als Tatverdächtiger galt und auf der Flucht war. In der Nacht hätten die Polizisten dessen Wohnung durchsucht. Hamza hat den Einsatz hautnah miterlebt.

«Gegen 1.30 Uhr hörte ich einen lauten Knall», beschreibt er die Szene. Er sei sofort ins Treppenhaus gerannt: «Überall war Rauch, drinnen und draussen waren Einsatzkräfte. Sie stürmten die Wohnung von Abduls Familie.» Während Stunden habe niemand das Gebäude betreten oder verlassen dürfen. Die Einsatzkräfte seien bis am späteren Sonntagnachmittag vor Ort geblieben.

«Die Wohnung von Abduls Familie kann wohl nicht mehr bewohnt werden. Die muss man zuerst renovieren», sagt Hamza, der beim Einsatz einen Blick in die Wohnung werfen konnte. «Auch ausserhalb der Wohnungstür im Treppenhaus waren die Wände schwarz. Der Hauswart hat diese am Montagmorgen gereinigt.» Hamza vermutet, dass die Polizei Rauchbomben eingesetzt hat.

Blick ist am Montag vor der Wohnungstür des Terroristen.
Foto: Karin Frautschi

Als er Blick die Wohnungstür zeigt, ist von diesen Spuren nichts mehr zu sehen. Doch im Treppenhaus riecht es noch immer nach Rauch. «Am Sonntag war das noch viel schlimmer», sagt Hamza. «Man konnte nur mit einer Maske durchs Treppenhaus laufen.»

Die Wohnungstür der Familie Ballout ist mittlerweile mit einer Notfalltüre aus Holz verschlossen. Die frühere Türe wurde wahrscheinlich beim Zugriff der Polizei zerstört. Am Boden erinnert eine Fussmatte mit der Aufschrift «Welcome Home» an schönere Zeiten.

Die Mutter und die zwei Schwestern des Attentäters seien aktuell in den Ferien im Libanon, wo auch der Vater des Terroristen wohne, sagt Hamza.

Sind alle im Viertel radikal?

Der Schock sitze tief – im ganzen Haus. «Alle im Block kannten Abdul», so Hamza und betont: «Die meisten sind seit über 20 Jahren hier.»

«In diesem Viertel sind alle radikal!»: So titelte «Bild» am Sonntag, als die Zeitung eine junge Frau aus der Nachbarschaft zitierte. Dazu sagt Hamza: «Das stimmt nicht. Alle im Quartier fragen sich, wer diese Nachbarin war, die der Bild-Zeitung solche Unwahrheiten erzählt hat.» In seinem Quartier seien die Menschen tolerant, nicht radikal. 

«Komisch, dass er nicht mehr hier ist»

Am Sonntagabend ortete die Berliner Polizei den Attentäter nach rund 20 Stunden Flucht im Bezirk Spandau in einer Gartenlaube. Beim Zugriff wurde der 21-Jährige erschossen.

Ein komisches Gefühl für den früheren Kindheitsfreund Hamza. «Es ist komisch, zu wissen, dass Abdul nicht mehr hier ist.» Er versuche, noch immer zu realisieren, was am Wochenende passiert sei, sagt Hamza nachdenklich und fügt an: «Ich weiss nicht, wie ich das überhaupt verarbeiten soll.»

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