Darum gehts
- Vietnam-Airlines-Boeing 787-9 schoss am 15. August in München über Startbahn
- Bericht: Zu niedriger Reifendruck und Heckkontakt mit Startbahn festgestellt
- Flugdatenschreiber und Voicerekorder gesichert, Analyse dauert mehrere Wochen
Eine Boeing 787-9 entging am Samstag am Flughafen München haarscharf einer Katastrophe. Das Flugzeug der Fluggesellschaft Vietnam Airlines schoss weit über die Startbahn hinaus. Beim Abheben touchierte das Heck den Boden. «Wir dachten, unser letztes Stündlein hätte geschlagen», schilderte eine Passagierin.
Die Piloten mussten den Flug nach Hanoi abbrechen. Die Maschine wurde in München mit Schäden an Reifen und Rumpf abgeschleppt.
Nun haben die Luftfahrtbehörden aus Deutschland und Vietnam die Beinahe-Katastrophe genauer unter die Lupe genommen. Etwa auf halbem Weg auf der Startbahn habe das Flugzeug rund zwei Sekunden lang nicht an Geschwindigkeit zugelegt, heisst es im vietnamesischen Bericht. Da nicht mehr genug Strecke vorhanden gewesen sei, um den Start sicher abzubrechen, habe der Pilot den Startvorgang fortgesetzt.
«Zu niedriger Reifendruck»
«Nach dem Start wurden Warnmeldungen ausgelöst, die auf einen Kontakt zwischen dem Heck des Flugzeugs und der Startbahn sowie auf zu niedrigen Reifendruck hinwiesen», heisst es im Bericht weiter, wie der «Aerotelegraph» schreibt. Dieser niedrige Reifendruck könnte zum Geschwindigkeitsabfall beim Start geführt haben.
Das Unglück wird auch von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU untersucht. Experten konnten bereits am Wochenende Beweismittel wie Flugdatenschreiber und Voicerekorder sicherstellen, berichtet «Focus». Die Analyse der Daten werde jedoch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Ausserdem müssten «noch weitere Fakten zu den Bereichen Mensch und Technik sowie den organisatorischen Einflussfaktoren ermittelt werden».
Auch Sicherheitsuntersuchungsstellen aus den USA, wo die Boeing 787 entwickelt und gebaut wurde, sind in die Ermittlungen involviert.