Darum gehts
- Grossbrand auf Kreta: Feuer bei Rethymno verwüstet 15 Kilometer
- 224 Feuerwehrleute kämpfen gegen Glutnester, starke Winde erschweren Löscharbeiten
- Notstand in Agios Vasilios: Touristin flüchtet sich in den Norden der Insel
Am Donnerstagnachmittag versucht sich eine Blick-Leserin im Norden der griechischen Insel Kreta vom Schock des gestrigen Tages zu erholen. Wie sie im Gespräch mit Blick verrät, erlebte sie den Ausbruch des Grossbrandes im Süden der Insel am Mittwoch aus unmittelbarer Nähe mit. «Momentan ist es hier sehr angespannt, und ich habe noch eine Woche Ferien.»
Das verheerende Feuer, das in der Nähe der Stadt Rethymno ausgebrochen war, tobt auch am Donnerstag weiter. Zeitweise hatte sich die Front über 15 Kilometer ausgebreitet. Infolgedessen wurde der Notzustand in der Gemeinde Agios Vasilios ausgerufen. Wie «ERT News» berichtet, versuchen aktuell 224 Feuerwehrleute und elf Waldbrandbekämpfungsteams, die Brandherde in den Griff zu bekommen. Aufgrund starker Winde bilden sich jedoch immer wieder neue Glutnester. Auch verhindern die Böen den permanenten Einsatz von Löschhelikoptern.
Volle Sporthalle wurde zu viel
Zum Zeitpunkt des Ausbruchs befand sich die Leserin noch in einem kleinen Dorf in der besagten Gemeinde. Zusammen mit ihrem Partner wollte sie dort ihre Sommerferien in vollen Zügen geniessen. Dann kam alles anders: «Von der Unterkunft aus sahen wir auf einmal Rauchwolken aufsteigen. Wenig später erhielten wir per SMS eine Mitteilung von den Behörden», erinnert sie sich. Touristen sowie Einheimische fanden sich anschliessend in einer Sporthalle ein.
Die Halle füllte sich mit immer mehr Menschen, und es herrschte Chaos. Nach anfänglichem Zögern fassten sie und ihr Partner den Entschluss, zu flüchten. «Ich buchte uns umgehend ein Zimmer für ein Hotel im Norden der Insel.» Mit Sack und Pack beladen fuhren sie mit ihrem Mietwagen über die unterdessen stockdunklen Inselstrassen.
Im Mietwagen durch die Dunkelheit
Am Telefon wirkt sie ruhig, aber der Schock vom vergangenen Tag sitzt tief. «Das Erlebnis ist angsteinflössend, vor allem diese extremen Winde kennt man aus der Schweiz nicht», betont sie. Auch im Norden seien die Böen und Fallwinde enorm stark. Schwimmen im Meer ist aufgrund der hohen Wellen zu gefährlich. «Eigentlich kann man hier momentan gar nichts machen, um sich von der Situation abzulenken.» Immerhin: Im Grossen und Ganzen fühlen sie und ihr Partner sich in ihrer neuen Unterkunft sicher, und sie werden ihre Ferien daher voraussichtlich nicht vorzeitig abbrechen.
Die Touristin erlebt so etwas zum ersten Mal, aber hatte vor ihren Ferien schon etwas über andere Brände in Spanien und Frankreich erfahren. «Es ist entsetzlich, dass es nie mehr geregnet hat. Auch hier auf Kreta ist alles staubtrocken», stellt sie fest. Dennoch hatte sie nicht damit gerechnet, in diese Extremsituation zu kommen: «Es ist einfach krass. Man geht einfach nicht mit diesem Gefühl in die Ferien.»