Darum gehts
- Israel und Libanon planen neue Sicherheitszonen südlich des Litani-Flusses
- Hisbollah lehnt Waffenruhe ab, bleibt trotz Schwächung militärisch und politisch mächtig
- Seit März 2026: Über 3400 Tote im Libanon, 30 in Israel
Nach Monaten heftiger Kämpfe unternehmen Israel und der Libanon nun einen neuen Anlauf zur Durchsetzung der bislang weitgehend wirkungslosen Waffenruhe. Nach Gesprächen in Washington teilte das US-Aussenministerium mit, beide Seiten hätten sich auf konkrete Schritte geeinigt. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die proiranische Hisbollah ihre Angriffe auf Israel vollständig einstellt, wie es in einer gemeinsamen Erklärung heisst.
Im aktuellen Konflikt stehen sich Israel und die schiitische Miliz gegenüber. Die libanesische Regierung sitzt zwar mit am Verhandlungstisch, ist aber selbst keine Kriegspartei und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah. Israelische Truppen unternahmen jüngst den tiefsten Vorstoss in das Nachbarland seit 25 Jahren. Tausende Menschen flohen nach weiteren Drohungen vonseiten Israels aus der südlichen Region Beiruts.
Der Iran hatte auf die Eskalation umgehend reagiert und weitere Gespräche mit den USA hinsichtlich eines Friedens abgebrochen. US-Präsident Donald Trump (79) wies Benjamin Netanjahu (76) in einem hitzigen Gespräch zurecht und forderte Israels Premierminister auf, die Angriffe einzustellen.
Sicherheitszonen geplant
Kern der jüngsten Vereinbarung ist die Schaffung sogenannter Pilotzonen im Südlibanon. Dort soll künftig ausschliesslich die libanesische Armee die Kontrolle ausüben. Die Hisbollah soll sich aus Gebieten südlich des Litani-Flusses nahe der Grenze zu Israel zurückziehen. Wie diese Sicherheitszonen konkret umgesetzt werden sollen, ist allerdings noch offen.
Zudem ist unklar, wie lange die neue Waffenruhe gelten soll.
Angriffe gehen offenbar weiter
Obwohl seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe gilt, gehen die Kämpfe weiter. Die Hisbollah beschiesst Israel weiterhin mit Raketen, während die israelische Armee regelmässig Stellungen der Miliz im Libanon angreift. Die schiitische Organisation war an den Gesprächen in Washington nicht beteiligt und lehnt sowohl die Waffenruhe als auch die Verhandlungen bislang ab.
Nur wenige Stunden nach der Ankündigung der Einigung meldeten libanesische Staatsmedien erneut israelische Luftangriffe im Süden des Landes. Damit bleibt unklar, ob die vereinbarte Waffenruhe tatsächlich bereits Wirkung entfaltet.
Parallel dazu sorgt die politische Reaktion in Israel für Spannungen: Der rechtsextreme israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir (50), bezeichnete die Vereinbarung als «schweren Fehler».
Hisbollah bleibt mächtig
Die Umsetzung der Vereinbarung dürfte schwierig werden. Zwar gilt die Hisbollah nach den jüngsten Kämpfen als geschwächt, sie bleibt jedoch eine der mächtigsten Kräfte im Libanon. Neben ihrem militärischen Arm ist sie auch eine politische Partei und verfügt über ein weit verzweigtes soziales Netzwerk. Viele Angehörige der schiitischen Gemeinschaft betrachten die Miliz weiterhin als Schutz gegen Israel.
Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März wurden im Libanon mehr als 3400 Menschen getötet. Auf israelischer Seite kamen rund 30 Menschen ums Leben, die meisten davon Soldaten. Ob die nun vereinbarten Sicherheitszonen tatsächlich zu einer Beruhigung der Lage führen, bleibt abzuwarten. Entscheidend ist nun, ob die Hisbollah die Waffenruhe akzeptiert und ob Netanjahu die Füsse stillhalten kann.