Darum gehts
- Gefälschte Umfrage zeigt AfD in Sachsen-Anhalt bei 46 Prozent Stimmenanteil
- Offizielle Umfrage vom 2. September: AfD führt mit 43 Prozent
- Fehlertoleranz beträgt drei Prozent, absolute Mehrheit für AfD ungewiss
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte für ein politisches Beben in Deutschland sorgen. Die CDU könnte es erstmals seit 2002 nicht in die Regierung schaffen. Obendrein könnte die AfD, unter bestimmten Voraussetzungen, allein regieren. Blick zeigt, wer die beiden Kandidaten im Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten sind, wie die Parteien in den Umfragen abschneiden – und was nach der Wahl möglich ist.
Die Kandidaten
Wohl bereits jetzt ein Gewinner dieser Wahlen ist Ulrich Siegmund (35, AfD). Der ausgebildete Kaufmann gibt sich im Wahlkampf stets dynamisch und pragmatisch und gewinnt so in Umfragen die Mehrheit der Stimmen für sich und seine Partei.
Der AfD-Spitzenkandidat könnte den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (47, CDU) aus dem Amt verdrängen. Der dreifache Familienvater Schulze ist seit Januar 2026 Regierungschef von Sachsen-Anhalt und bereits seit 1997 Parteimitglied der CDU.
Die Umfragewerte
Kurz vor der Wahl kursieren falsche Umfrageresultate, die angeblich vom Insa-Institut veröffentlicht worden sein sollen. In diesen soll die AfD auf ganze 46 Prozent der Stimmen kommen. Das Institut weist die Urheberschaft dieser Umfrage zurück.
Auch die offiziellen Umfragen zeigen aber vor allem eines: Die AfD liegt in der Gunst der Wähler klar vorne. In der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa vom 2. September kommt die AfD auf 43 Prozent der Stimmen, gefolgt von der CDU, die nach Einbüssen eines Prozentpunktes nur noch auf 22 Prozent kommt. Die Linke bildet mit 12 Prozent die drittstärkste Partei. Der SPD werden 7 Prozent der Stimmen eingeräumt, während Grüne (5 Prozent), BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) aufgrund der Fünf-Prozent-Hürde noch um den Einzug in den Landtag bangen müssen.
In älteren Umfragen schneidet die AfD mit 40 bis 42 Prozent der Stimmen leicht weniger gut ab – ein feiner Unterschied, der über das mögliche Regieren entscheiden kann. Die Fehlertoleranz bei solchen Umfragen liegt bei etwa drei Prozentpunkten.
Möglicher Wahlausgang
Die Umfragewerte lassen auf einen packenden Wahltag schliessen. Obwohl die AfD mit über 40 Prozent der Stimmen in den Umfragen klar vorne liegt, ist nicht klar, ob sie auch regieren wird. Zum Regieren benötigt die AfD die absolute Mehrheit im Landtag. Ob sie diese bekommt, ist auch davon abhängig, ob Parteien wie Grüne, BSW und FDP es schaffen, sich ein paar Sitze im Landtag zu sichern.
Sollte die AfD mehr als 43 Prozent der Stimmen erhalten und neben ihr nur CDU, SPD und Linke in den Landtag einziehen, dann ist die Alleinregierung der AfD unter Umständen möglich.
Schafft es eine oder auch mehrere der anderen Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde, so müsste die AfD eine Koalition eingehen, um regieren zu können. Das gemeinsame Regieren oder auch nur eine Zusammenarbeit mit der AfD wird von den übrigen Parteien ausgeschlossen – mit der sogenannten Brandmauer distanzieren sich diese von der teils extremistischen AfD.
Mögliche Koalitionen
Sollte es nicht zu einer Alleinregierung der AfD kommen, so müssen andere Bündnisse eingegangen werden. Ein mögliches Szenario wäre eine Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grüne. Das sind die einzigen Parteien, die neben der AfD dauerhaft über 5 Prozent in den Umfragen erreichen.
Doch eine solche Koalition wird aufgrund der Linken von Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz ausgeschlossen. Als Begründung nennt er in einem Interview mit der «Mitteldeutschen Zeitung» und der «Magdeburger Volksstimme» «fundamentale Unterschiede zur Union». Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) schliesst eine Koalition mit der Linken aus.