Darum gehts
- Gefälschte Umfrage zeigt AfD in Sachsen-Anhalt bei 46 Prozent Stimmenanteil
- Offizielle Umfrage vom 2. September: AfD führt mit 43 Prozent
- Fehlertoleranz beträgt drei Prozent, absolute Mehrheit für AfD ungewiss
Trump postet Wahlresultate
Viele haben einiges zum Erdrutsch-Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt zu sagen. Nicht so Donald Trump – der US-Präsident postete am Sonntagabend kommentarlos ein Bild einer der ersten Hochrechnungen der Wahlresultate. Ob er sich noch ausführlicher dazu äussern wird, ist unklar.
Zittern um das BSW-Resultat
Keine Partei hat sich bisher bereit erklärt, mit der AfD zusammenzuarbeiten – nun, fast keine. Das BSW rund um Spitzenkandidatin Claudia Wittig schliesst die «punktuelle Zusammenarbeit» mit Ulrich Siegmund nicht aus. Grundsätzlich sei man jedoch offen und wolle «inhaltlich» entscheiden.
Für die AfD wäre dies ein Weg, eine Regierung in Sachsen-Anhalt bilden zu können. Das Problem ist nur, dass bisher unklar bleibt, ob die allfälligen Bündnispartner die Sperrklausel von fünf Prozent erreichen. Bisher bewegt sich das BSW immer zwischen 4,8 und 5,1 Prozent.
AfD zieht Nichtwähler an
44,4 Prozent hat die AfD derzeit laut den Hochrechnungen auf dem Konto. Im Vergleich zu den Wahlen von vor fünf Jahren hat die Partei rund 277'000 Stimmen gutgemacht. Dies ist hauptsächlich einer guten Mobilisation von Nichtwählenden zu verdanken.
157'000 von ihnen konnten für die Partei von Ulrich Siegmund gewonnen werden. Auch allen anderen Parteien schnappte die AfD Stimmen weg – vor allem der CDU. Die Partei von Bundeskanzler Merz musste ein Abwanderung von rund 83'000 Wählenden an die AfD verzeichnen.
Einzig das BSW machte Stimmen gut. Sie klauten der AfD etwa 2000 Wähler und Wählerinnen.
Chrupalla für, Siegmund gegen Minderheitsregierung
Inmitten der grossen Wahlsieg-Freude bei der AfD zeichnen sich erste Unstimmigkeiten ab. So betonte Ulrich Siegmund immer wieder, man wolle keine Minderheitsregierung bilden – AfD-Co-Chef Tino Chrupalla widerspricht nun.
Er wünscht sich eine solche Führungsstruktur, sollte es nicht für eine eigene Mehrheit reichen. Eine Minderheitsregierung könne von anderen Parteien toleriert werden, ohne dass eine Koalition zustande kommen müsse, so Chrupalla. Man wolle jedoch trotzdem «allen die Hand ausstrecken, die es gut mit Sachsen-Anhalt meinen und auch mit Deutschland».
AfD-Stimmanteile pendeln sich bei 44,3 Prozent ein
Die Wahllokale sind seit über einer Stunde zu, die AfD noch immer siegessicher – das widerspiegelt sich auch in den Zahlen. In den neusten Hochrechnungen pendeln sich die Stimmanteile für die Partei von Ulrich Siegmund bei 44,3 Prozent ein.
Weidel teilt aus: «CDU wird nie mehr wieder eine Wahl gewinnen»
Die Euphorie bei der AfD ist nach dem Erdrutsch-Sieg gross. Auch Parteichefin Alice Weidel lässt sich davon anstecken. Sie denkt bereits an die Regierungsbildung – willkommen seien «alle Kräfte, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Ich denke da natürlich zuvorderst an die CDU oder Teile der CDU.»
Gegen genau diese CDU teilt Weidel aber auch aus. «Ich sage Ihnen, dass die CDU niemals wieder mehr eine Wahl gewinnen wird», so die AfD-Chefin. Die Partei müsse sich bewegen, ansonsten würde sie unbedeutend werden.
Auch das Bündnis Sara Wagenknecht BSW würde für eine Zusammenarbeit in Frage kommen. BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich in einem Interview mit ARD dafür offen – so etwa in der Energiepolitik. Das BSW kommt bisher auf nicht ganz fünf Prozent der Stimmen.
Amtierender Ministerpräsident gratuliert der AfD
Ein solcher Wahlkampf habe er in 25 Jahren noch nie erlebt, erklärt Sven Schulze gegenüber der ARD. Der amtierende CDU-Ministerpräsident gratuliert der AfD zum Ergebnis und erklärt, man werde mit dem Ergebnis «umgehen müssen».
Nichtsdestotrotz zeigt sich Schulze enttäuscht: «Es ist für uns auch eine Niederlage», erklärt er. Einen «schwarzen Tag für die Demokratie» sieht er jedoch nicht. «Ich sage, das ist Demokratie und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen.» Auch die Wahlbeteiligung dürfte einen neuen Rekord aufgestellt haben. Das ZDF prognostiziert eine Beteiligung von rund 80 Prozent. Endgültige Ergebnisse sind noch nicht da.
Zweite Hochrechnung bestätigen Resultat
Kurz vor 18.30 Uhr kommt die zweite Hochrechnungen zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt. Laut ZDF büsst die AfD 0,4 Prozent ein – was der Partei bei 44,1 Prozent jedoch egal sein dürfte. Die ARD-Hochrechnung kommt erneut auf 44,5 Prozent.
Absolute Mehrheit, Koalition oder Minderheitsregierung?
44,5 Prozent für die AfD – das bedeutet auch, der Partei von Ulrich Siegmund fehlen nach der ersten Hochrechnung gerade einmal drei Sitze, um die absolute Mehrheit zu erreichen. Siegmund selbst erklärt diesbezüglich: «Die Hand zu anderen Parteien bleibt als Demokrat immer ausgestreckt.»
Er wolle «eine neue Politik für das Land». Mit der Brandmauer beschäftige er sich nicht. «Wir beschäftigen uns nicht mit Brandmauern. Wir beschäftigen uns mit Deutschland.»
Siegmund jubelt: «Wir haben Geschichte geschrieben»
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund feiert den Erdrutschsieg. Auf die Frage, ob er nun Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werde, sagte er gegenüber ARD: «Diese Frage lässt sich jetzt um 18 Uhr nicht beantworten.» Und weiter: «Wir haben genau das geschafft, was wir schaffen wollten. Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben.»
Die Menschen hätten ein «ganz klares politisches Zeichen» gesetzt. «Es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen eine grundsätzliche politische Wende in diesem Land.»
Sein Dank geht auch an Bundeskanzler Friedrich Merz (70). Ihn bezeichnete Siegmund als «wichtigsten Wahlkampfhelfer».
«Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag», erklärt auch Parteichefin Alice Weidel im Interview mit ZDF. Nun bleibt nur noch offen, wie ihre Partei das Bundesland regieren wird. «Durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen.»
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte für ein politisches Beben in Deutschland sorgen. Die CDU könnte es erstmals seit 2002 nicht in die Regierung schaffen. Obendrein könnte die AfD, unter bestimmten Voraussetzungen, allein regieren. Blick zeigt, wer die beiden Kandidaten im Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten sind, wie die Parteien in den Umfragen abschneiden – und was nach der Wahl möglich ist.
Die Kandidaten
Wohl bereits jetzt ein Gewinner dieser Wahlen ist Ulrich Siegmund (35, AfD). Der ausgebildete Kaufmann gibt sich im Wahlkampf stets dynamisch und pragmatisch und gewinnt so in Umfragen die Mehrheit der Stimmen für sich und seine Partei.
Der AfD-Spitzenkandidat könnte den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (47, CDU) aus dem Amt verdrängen. Der dreifache Familienvater Schulze ist seit Januar 2026 Regierungschef von Sachsen-Anhalt und bereits seit 1997 Parteimitglied der CDU.
Die Umfragewerte
Kurz vor der Wahl kursieren falsche Umfrageresultate, die angeblich vom Insa-Institut veröffentlicht worden sein sollen. In diesen soll die AfD auf ganze 46 Prozent der Stimmen kommen. Das Institut weist die Urheberschaft dieser Umfrage zurück.
Auch die offiziellen Umfragen zeigen aber vor allem eines: Die AfD liegt in der Gunst der Wähler klar vorne. In der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa vom 2. September kommt die AfD auf 43 Prozent der Stimmen, gefolgt von der CDU, die nach Einbüssen eines Prozentpunktes nur noch auf 22 Prozent kommt. Die Linke bildet mit 12 Prozent die drittstärkste Partei. Der SPD werden 7 Prozent der Stimmen eingeräumt, während Grüne (5 Prozent), BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) aufgrund der Fünf-Prozent-Hürde noch um den Einzug in den Landtag bangen müssen.
In älteren Umfragen schneidet die AfD mit 40 bis 42 Prozent der Stimmen leicht weniger gut ab – ein feiner Unterschied, der über das mögliche Regieren entscheiden kann. Die Fehlertoleranz bei solchen Umfragen liegt bei etwa drei Prozentpunkten.
Möglicher Wahlausgang
Die Umfragewerte lassen auf einen packenden Wahltag schliessen. Obwohl die AfD mit über 40 Prozent der Stimmen in den Umfragen klar vorne liegt, ist nicht klar, ob sie auch regieren wird. Zum Regieren benötigt die AfD die absolute Mehrheit im Landtag. Ob sie diese bekommt, ist auch davon abhängig, ob Parteien wie Grüne, BSW und FDP es schaffen, sich ein paar Sitze im Landtag zu sichern.
Sollte die AfD mehr als 43 Prozent der Stimmen erhalten und neben ihr nur CDU, SPD und Linke in den Landtag einziehen, dann ist die Alleinregierung der AfD unter Umständen möglich.
Schafft es eine oder auch mehrere der anderen Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde, so müsste die AfD eine Koalition eingehen, um regieren zu können. Das gemeinsame Regieren oder auch nur eine Zusammenarbeit mit der AfD wird von den übrigen Parteien ausgeschlossen – mit der sogenannten Brandmauer distanzieren sich diese von der teils extremistischen AfD.
Mögliche Koalitionen
Sollte es nicht zu einer Alleinregierung der AfD kommen, so müssen andere Bündnisse eingegangen werden. Ein mögliches Szenario wäre eine Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grüne. Das sind die einzigen Parteien, die neben der AfD dauerhaft über 5 Prozent in den Umfragen erreichen.
Doch eine solche Koalition wird aufgrund der Linken von Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz ausgeschlossen. Als Begründung nennt er in einem Interview mit der «Mitteldeutschen Zeitung» und der «Magdeburger Volksstimme» «fundamentale Unterschiede zur Union». Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) schliesst eine Koalition mit der Linken aus.