Absurde Aufforderung
Deutsche soll im Schuhladen Trinkgeld zahlen

Trinkgeld im Schuhladen? Eine deutsche Journalistin berichtet, wie ein Kartenlesegerät sie zur Trinkgeldzahlung aufforderte. Auch in der Schweiz wird die Debatte um den freiwilligen Extrabatzen hitzig diskutiert.
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Wie viel Prozent Trinkgeld möchtest du auf deine Rechnung geben? Eine deutsche Journalistin begegnete dieser automatischen Abfrage sogar in einem Schuhgeschäft.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Deutsche Journalistin kritisiert Trinkgeldabfrage im Schuhladen, Diskussionen entfachen erneut
  • Nutzer empfinden Trinkgeldoptionen als aufdringlich, Verhalten von Verkäufern verändert sich
  • 90 Prozent zahlen mit Karte, Trinkgeld oft vergessen, Experten kritisch zu Praxis
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Angela RosserJournalistin News

Trinkgeld im Restaurant oder in der Bar gehört für die meisten dazu. Guter Service fürs Extra-Wohlfühlen verdient ihrer Meinung nach auch eine Belohnung. Nun nimmt das Thema aber nochmals neue Dimensionen an. Eine Journalistin aus Deutschland berichtet auf X über ein Erlebnis in einem Schuhladen.

Beim Bezahlen zeigte das Display des Kartenlesegeräts Trinkgeldoptionen an, schreibt sie. «Ich zahle mit Karte. Und werde vom Kartenleser gefragt, ob ich Trinkgeld geben möchte. Hä?» Mit diesem Post befeuert sie die ohnehin schon hitzige Diskussion aufs Neue.

Kritik aus dem Netz

Viele Nutzerinnen und Nutzer kritisieren die digitale Trinkgeld-Option. Ein Kommentar lautet: «Finde diese Praxis Kunden gegenüber übergriffig.» Die Journalistin schreibt weiter, dass sich das Verhalten des Verkäufers verändert habe, als sie sich gegen ein Trinkgeld entschieden hatte. «Er hat meinen Abschiedsgruss nicht erwidert.»

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Auch in der Schweiz wird schon länger hitzig über das Thema diskutiert. Dass die amerikanische Trinkgeldkultur auch hier immer mehr Einzug hält, stösst den Menschen sauer auf. Auf Reddit zum Beispiel nervten sich zahlreiche Menschen über die Herangehensweise auf den Weihnachtsmärkten: «Ich hasse es über alles, wenn mir das Kartengerät mit Trinkgeld-Bildschirm gereicht wird, obwohl ich doch nur an der Theke ein Getränk bestellt habe.»

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Trinkgeld-Druck schadet dem Vertrauen

Gastronomie-Grössen und Experten in diesem Bereich stehen dieser Entwicklung genauso kritisch gegenüber wie die Kundinnen und Kunden. Unternehmer Michel Péclard (57) sagte im Dezember zu Blick: «Ich persönlich finde es total daneben.» Er selbst gebe gerne Trinkgeld. «Aber doch nicht für einen Glühwein am Weihnachtsmarkt.» Bei seinen bedienten Restaurants komme aber die Abfrage auf den Lesegeräten auch zum Einsatz: «90 Prozent der Kunden zahlen mit Karte. Da geht das Trinkgeld oft vergessen.» 

Auch Gastro-Experte Daniel Marbot (58) äusserte sich zur Thematik. Diese Taktik verschiebe die Verantwortung und Erwartungshaltung erheblich, sagte er. «Trinkgeld wird damit vom freiwilligen Zeichen der Anerkennung zu einer sozialen Drucksituation. Das schadet langfristig dem Vertrauen zwischen Gast, Betrieb und Personal enorm und untergräbt die eigentliche Idee fairer Löhne.» 

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