6 Monate vor den Zwischenwahlen sorgen neuste Umfragen für Panik bei den Republikanern
Die Trump-Dämmerung hat begonnen

Trumps Umfragewerte brechen ein, selbst republikanische Hochburgen wanken. Doch ausgerechnet jetzt könnten strukturelle Vorteile den Ausschlag geben. Die Midterms werden zur Richtungswahl: Kippt das System – oder trägt es Trump trotz Gegenwind weiter?
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Donald Trump: Nur 40 Prozent Zustimmung – und trotzdem noch im Spiel.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Florida verlieren Republikaner Sitze, Demokraten wittern Chancen bei Midterms 2026
  • Trumps Inflation-Politik hat nur 36 Prozent Unterstützung, Umfragen zeigen Schwäche
  • Demokraten brauchen netto vier Sitze, um Repräsentantenhaus zurückzuerobern
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Florida. Ausgerechnet Florida. Dort, wo die Republikaner 2022 noch mit 19 Prozent Vorsprung die Gouverneurswahlen gewannen und Donald Trump (79) 2024 problemlos siegte, kippen plötzlich Sitze – sogar in einem Wahlkreis rund um Mar-a-Lago, Trumps Wahlheimat. Zwei Mandate verloren die Republikaner bei ausserordentlichen Nachwahlen, dazu hagelte es über zwei Dutzend weitere Niederlagen auf lokaler Ebene im ganzen Land.

Es sind kleine Wahlen. Aber sie senden ein grosses Signal: Selbst in republikanischen Hochburgen beginnt es zu bröckeln. Und das liegt vor allem an einer Zahl: 36 Prozent. So viele Amerikaner unterstützen Trump aktuell noch in der zentralen Frage der Inflation. 62 Prozent lehnen seine Politik in diesem Bereich ab.

Die 36-Prozent-Warnung

Insgesamt kommt der Präsident nur noch auf rund 40 Prozent Zustimmung – ein Minus von 20 Punkten. Das ergeben Umfragen von Ipsos und Reuters. Auch in anderen Umfragen bleibt er stabil im negativen Bereich, zwischen minus 14 und minus 18 Punkten. Zum Iran-Krieg befragt, meinen 66 Prozent, dieser sei nicht notwendig. Selbst konservative Stimmen warnen bereits vor einem «Massaker» bei den Midterms.

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Die Umfragen brechen ein – nur noch 40 Prozent stehen hinter dem US-Präsidenten Donald Trump.
Foto: AFP

Historisch ist das ein Warnsignal erster Ordnung. Die Midterms im November funktionieren fast mechanisch: Sinkt die Zustimmung eines Präsidenten unter etwa 45 Prozent, verliert seine Partei massiv Sitze im Senat und Repräsentantenhaus. Obama verlor 2010 gleich 63 Mandate im Repräsentantenhaus, Trump selbst 2018 deren 40. Die Logik dahinter ist simpel: Die Wähler nutzen die Zwischenwahlen als Ventil. Steht Trump kurz vor dem K.o.?

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Vier Sitze entscheiden alles

Genau hier setzt die Hoffnung der Demokraten an. Laut Umfragen von Ipsos, YouGov und der Quinnipiac University gewinnen die Demokraten Stand jetzt die Midterms mit mindestens drei Prozent Vorsprung. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus stehen im November zur Wahl, dazu 33 im Senat. Die Ausgangslage ist dabei fast absurd knapp: Die Republikaner halten das Repräsentantenhaus aktuell mit einem Vorsprung von gerade einmal drei Sitzen. Den Demokraten reichen netto vier Gewinne, um die Mehrheit zurückzuerobern – selbst wenn sie zwei eigene Sitze verteidigen müssen. Mit anderen Worten: Ein minimaler Swing reicht – und Trumps Machtarchitektur beginnt zu wackeln.

Die Dynamik spricht derzeit tatsächlich für genau so ein Szenario. In Nachwahlen, Gouverneursrennen und lokalen Abstimmungen konnten Demokraten seit 2025 immer wieder überperformen – selbst in Staaten wie Iowa oder Louisiana, die 2024 klar für Trump stimmten.

Und: Trump selbst steht nicht auf dem Stimmzettel. Genau das könnte entscheidend sein. Seine stärkste Wählergruppe – hochmobilisierte, persönlich gebundene Trump-Anhänger – erscheint erfahrungsgemäss deutlich weniger zu Midterms.

Das alles nähert die aktuelle Lage immer stärker dem Jahr 2018 an. Damals gewannen die Demokraten 41 Sitze und holten sich die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück. Viele Analysten sprechen bereits wieder von einer möglichen «blauen Welle». Doch diese Welle hat Grenzen.

Trump verändert die Spielregeln

Das beginnt bei den Wählerregistern. Allein in Florida haben die Republikaner rund 1,5 Millionen mehr registrierte Wähler als die Demokraten. Dazu kommt eine deutlich bessere Finanzierung – mehr Spenden, aggressivere Kampagnen, effizientere Mobilisierung. Und selbst in der aktuellen Krise halten sie einen Vorteil bei der Kernfrage Wirtschaft: 38 Prozent trauen ihnen Kompetenz zu, nur 34 Prozent den Demokraten. Unzufriedenheit mit Trump heisst nicht automatisch Vertrauen in die Opposition.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor – und der könnte entscheidend werden: institutionelle Macht. Mit dem «Save America Act» versucht Trump, die Spielregeln selbst zu verändern. Wähler sollen künftig bei der Registrierung Dokumente wie Reisepass oder Geburtsurkunde vorlegen, bei der Stimmabgabe einen Ausweis zeigen. Auch der Briefwahl will er an den Kragen. Besonders betroffen: ärmere Wähler, Minderheiten, junge Menschen – traditionell demokratische Wähler also.

Die eigentliche Nagelprobe

Und vor allem: Der Senat bleibt für die Demokraten ein Risiko. Um dort die Mehrheit zu gewinnen, müssen sie mehrere republikanische Staaten drehen – etwa North Carolina, Ohio oder Alaska. Drei Staaten, die 2024 klar für Trump stimmten, teils mit zweistelligen Vorsprüngen.

Genau daraus entsteht die eigentliche Brisanz dieser Midterms. Gewinnen die Demokraten das Repräsentantenhaus, können sie Trumps Agenda blockieren, Untersuchungsausschüsse starten und per Vorladung Druck aufbauen. Verlieren die Republikaner zusätzlich den Senat, wäre Trump faktisch handlungsunfähig – keine Richter, keine Minister, keine Gesetzgebung. Halten die Republikaner jedoch beide Kammern – trotz 40 Prozent Zustimmung –, dann wäre das ein politisches Erdbeben eigener Art.

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