Zu wenig Schnee lässt Besucherzahlen einbrechen
Mitten in der Saison – Tessiner Skigebiete prüfen Kurzarbeit

Der akute Schneemangel macht den Destinationen zu schaffen. Wegen Besucherrückgängen von teils über 80 Prozent greifen Betreiber nun zu drastischen Massnahmen.
Kommentieren
1/8
Ein trauriger Anblick: So sah das Skigebiet Airolo am 21. Dezember aus.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Tessiner Skigebiete leiden unter Schneemangel
  • Mehrere Destinationen verzeichnen massive Einbrüche bei Besucherzahlen
  • Betreiber von Carì und Nara prüfen die Einführung von Kurzarbeit
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Nathalie_Benn_Praktikantin Wirtschaft _Blick_2-Bearbeitet.jpg
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Vor wenigen Tagen war die Schweiz grossflächig ein einziges Winterwunderland – sogar im Flachland hat es kräftig geschneit. In den Alpen gab es teilweise über einen Meter Neuschnee. 

Für viele hiesige Skigebiete ist das aber nur ein kleiner Trost: Zwischen Weihnachten und Neujahr blieb das weisse Pulver mehrheitlich aus. Diese Zeit ist für die Schneesportdestinationen die wichtigste der Saison. Die zunehmend selteneren Schneetage werden für sie mehr und mehr zum Problem. 

Wie verheerend der Schneemangel werden kann, zeigt sich derzeit im Kanton Tessin: In mehreren Ski-Destinationen sind die Besucherzahlen eingebrochen, wie die Zeitung «Corriere del Ticino» berichtet. Denn diesen Winter liegt in der Südschweiz verglichen mit dem langjährigen Mittelwert besonders wenig Schnee. Um mit künstlicher Beschneiung nachhelfen zu können, war es zu warm. Die Folge: Viele Anlagen blieben während der Weihnachtsfeiertage geschlossen. Dementsprechend gross ist nun das Loch in der Kasse. 

Das tiefrote Tessin

Aktuelle Schneehöhe (Stand 15.1.26) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (1991–2020).
Foto: Quelle: LSF, Swisstopo

So geschehen in Airolo TI, wo die Saison zehn Tage später – nach Weihnachten und Neujahr – als geplant eröffnet wurde. Die zwei Ferienwochen seien entscheidend für die gesamte Skisaison, sagt Betriebsleiter Nicola Mona gegenüber der Zeitung. Könne man erst später öffnen, wirke sich das auf den ganzen Winter negativ aus. Darum rechne er dieses Jahr mit nur halb so vielen Besuchern wie in den Jahren zuvor.

Auch das Skigebiet Carì in der Leventina musste für die laufende Woche den Betrieb herunterfahren. Das schlägt sich direkt in den Gästezahlen nieder: Wo im Vorjahr noch rund 30'000 Erstbesucher Kurven in den Schnee fuhren, seien es diese Saison nur einige tausend, so Ettore Schranz, Direktor des Skigebiets, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das ist ein Gästeeinbruch von 80 bis 90 Prozent. Und die gähnende Leere auf den Pisten hält an. Schranz prüfe deshalb zurzeit einen Antrag auf Kurzarbeit. Auch das Skigebiet Nara im Nordwesten des Kantons spielt mit dem Gedanken, auf Kurzarbeit umzustellen. 

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee bringt kleine Verschnaufpause

Was überrascht: Die betroffenen Skigebiete liegen keineswegs in tiefen Lagen. Sie alle reichen hoch auf über 2200 Meter über Meer. In der aktuellen Situation hilft das aber leider wenig: Laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos GR liegt zurzeit auf der Alpensüdseite 30 bis 60 Prozent weniger Schnee als üblich.

Daran wird der erwartete Niederschlag in den nächsten Tagen nur minimal etwas ändern. Immerhin: Für die höheren Lagen in der Südschweiz sind im allerbesten Fall 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee prognostiziert.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen