Wirtin wirft nach sechs Jahren das Handtuch
Traditions-Beiz Rössli in Adliswil ZH stellt Ende Monat den Betrieb ein

Für Rössli-Pächterin Angela Watelet hat sich der Traum von der Selbstständigkeit ausgeträumt. Ihre Beiz schliesst schon am 24. Januar, weil Kunden sparen müssen und Kosten aus dem Ruder liefen.
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In wenigen Tagen gehen im Restaurant Rössli die Lichter aus.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Restaurant Rössli in Adliswil ZH schliesst per 24. Januar
  • Corona-Pandemie und verändertes Ausgehverhalten führten zu finanziellen Problemen im Betrieb
  • Das Rössli ist damit nicht allein: Zwischen Januar und September 2025 meldeten 900 Gastrobetriebe Konkurs an
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Angela Watelet (57) ist zurzeit auf Stellensuche. Auf der Jobplattform Linkedin schreibt sie: «Nach sechs Jahren im Restaurant Rössli ist die Zeit gekommen, eine neue Richtung einzuschlagen.» Wer von Karrierechancen – bestenfalls im kaufmännischen Bereich – hört, solle sich bei ihr melden. Über jegliche Unterstützung würde sie sich freuen.

Es ist ein herber Kurswechsel für Watelet. Denn eigentlich wollten sie und ihr Partner mit der Übernahme der traditionsreichen Beiz in Adliswil ZH vor sechs Jahren neu durchstarten – und dem öden Büroalltag entfliehen. Das hat nicht so lange geklappt, wie gewünscht, wie der Tages-Anzeiger berichtet: Schon am 24. Januar gehen im Rössli die Lichter aus. Auf der Restaurant-Homepage und in den sozialen Medien verkündet das sechsköpfige Team die Nachricht.

Zuerst überrannt, dann kam Corona

Der Entscheid sei Watelet alles andere als leichtgefallen, erklärt die Zürcherin gegenüber der Zeitung. Man hätte lange gekämpft. Doch von der Corona-Pandemie hätte sich der Betrieb nie mehr richtig erholt. Und dies, obwohl zuerst alle Zeichen auf Erfolg standen: Zum Start sei man fast überrannt worden, erinnert sich die Wirtin.

Das veränderte Ausgehverhalten im Nachgang der Pandemie habe die Lage weiter verschärft: Stammgäste besuchten das Lokal immer weniger, sagt sie. Weil das Portemonnaie nicht mehr so locker sitzt wie auch schon. Gleichzeitig seien die Kosten gestiegen. «Nun mussten wir einsehen, dass es Zeit ist, loszulassen», so Watelet gegenüber dem «Tages Anzeiger».

Rössli ist kein Einzelfall

Damit reiht sich Watelets Lokal in eine lange Liste von Gastrobetrieben ein, die in den vergangenen Monaten den Betrieb einstellen mussten. Egal, ob Spitzengastronomie oder einfache Schweizer Küche, wie sie im Rössli angeboten wird: Kaum eine Woche vergeht, in der nicht mindestens ein Gastronom den Bettel hinschmeisst. Allein zwischen Januar und September 2025 mussten fast 900 Gastrobetriebe Konkurs anmelden, so die Crif.

Gastroexperte Daniel Marbot (58) kennt die Ursachen. «Was wir aktuell erleben, ist kein einzelnes Krisenjahr, sondern ein tiefgreifender Strukturwandel, der jetzt sichtbar wird», sagt der Branchenkenner im Gespräch mit Blick.

Viele Gastronomen hätten ihre Kosten nicht richtig im Griff und merkten erst am Monatsende, wie prekär die Lage wirklich ist. Zudem führten übervolle Speisekarten und kein klarer Fokus zu unnötigen Ausgaben. Wegen zu viel weggeschmissenen Lebensmitteln, des anhaltenden Fachkräftemangels und der Angst vor der Digitalisierung kämen Wirte zusätzlich ins Straucheln, so Marbot. Und so droht zahlreichen Wirtinnen und Wirten dasselbe Schicksal wie Watelet und ihrem Rössli: Der Traum von der eigenen Beiz kann jäh enden.

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