Darum gehts
- Schweiz fällt im IMD-Wettbewerbsranking 2026 auf Platz drei zurück
- Singapur und Hongkong führen dank schneller Entscheidungen und Effizienz
- Rückgang bei Direktinvestitionen und Beschäftigungswachstum beeinflussen Platzierung
Die renommierte Kaderschmiede IMD in Lausanne misst, wie gut sich Länder im globalen Wettbewerb behaupten. Also wie gut sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und dafür sorgen können, dass eben ihre Güter und Dienstleistungen nachgefragt werden – und nicht diejenigen des Nachbarlandes oder gar der Konkurrenten von der anderen Seite des Globus.
Im letzten Jahr belegte die Schweiz im IMD-Ranking der Wettbewerbsfähigkeit den ersten Platz. Das zeigt, wie stark und attraktiv unsere Volkswirtschaft ist und dass wir – obwohl wir ein kleines Land sind – wirtschaftlich zu den Grossen gehören. Nun der Dämpfer: Die eher autoritär geführten Stadtstaaten Singapur und Hongkong haben der Schweiz 2026 den Rang abgelaufen und belegen die Plätze 1 und 2. Die Schweiz ist immer noch auf dem Podest, allerdings nur noch auf dem dritten Platz.
Entscheidungen brauchen lange
Für Arturo Bris (59), der beim IMD für das Ranking verantwortlich ist, liegt in den politischen Entscheidungswegen einer der Gründe – diese sind länger als in Singapur oder Hongkong: «Wirtschaftspolitische Entscheidungen und Weichenstellungen brauchen in der Schweiz mehr Zeit. Das ist gerade in der Zeit des technologischen Rennens eine nicht zu unterschätzende Gefahr.»
Bris spielt dabei auf das enorme Tempo bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz an, wo die USA den Rest der Welt längst abgehängt haben. Ein anderes Beispiel: Auch drei Jahre nach dem Untergang der Credit Suisse weiss die UBS immer noch nicht, wie viel Kapital sie künftig vorhalten muss. Die Ungewissheit ist für die Bank und ihre Investoren fast schon die grössere Herausforderung als eine möglicherweise zu scharfe Regulierung.
Ins Hintertreffen ist die Schweiz vor allem bei der wirtschaftlichen Leistung im letzten Jahr geraten. Das habe aber vor allem mit unerwarteten Abflüssen von Direktinvestitionen zu tun, wie Ivo Germann (53), Direktor für Aussenwirtschaft beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), an der Medienkonferenz ausführt. «Man sollte dieses Resultat nicht überbewerten. Es gibt gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, die Situation wieder zu verbessern.»
Beschäftigung hinkt hinterher
Was für die Schweiz spricht: die stabilen Staatsfinanzen, das stabile politische System und die gute Infrastruktur. Zudem arbeitet die Schweiz stetig daran, dank Freihandelsabkommen den Marktzugang für Schweizer Unternehmen in immer mehr Ländern zu verbessern.
Ein Faktor allerdings fällt besonders auf: Bei der Beschäftigung und beim Beschäftigungswachstum liegt die Schweiz deutlich hinter vielen anderen Ländern, nicht nur hinter den Spitzenreitern. Was nicht überraschen kann: So etwas wie «Lifestyle-Teilzeit» kennen Arbeitnehmende in Singapur oder Hongkong nicht.