Nur noch 12 Zentimeter! Schweizer Hafenchefin schlägt Alarm
Rhein wird zum Versorgungsrisiko für die Schweiz

Der Rhein führt so wenig Wasser wie nie zuvor. Andrea Grisard von Ultra-Brag warnt vor Versorgungsproblemen in der Schweiz, da Schiffe nur minimal beladen fahren können. Sie fordert jetzt politische Lösungen, um Preissteigerungen zu verhindern.
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In der Gegend von Kaub ist der Pegel so tief, dass kaum noch grosse Schiffe verkehren können.
Foto: AP Photo/Michael Probst

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Michael Heim
Handelszeitung

Die Trockenheit führt in der Schweiz zu Versorgungsproblemen. Davor warnt Andrea Grisard, Präsidentin des Hafenlogistikunternehmens Ultra-Brag, das in den Rheinhäfen der Region Basel Container und Schüttgut wie Getreide umschlägt. Der Grund: Der Rhein führe so wenig Wasser wie nie, seit es saubere Statistiken gebe, weshalb kaum noch Schiffe verkehrten – und wenn, dann nur mit einem Bruchteil der normalen Ladung.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Mittlerweile ist der Pegel bei der deutschen Stadt Kaub, der gut einen Meter über der tiefsten Stelle im Fluss ansetzt, auf 12 Zentimeter gefallen. «Ideal für den normalen Schiffsverkehr wären 2 Meter mehr», so Grisard. Die Stelle unterhalb von Mainz sei für Schiffe nicht mehr passierbar.

Schiffe können nur noch minimal beladen werden

Die Folge: Auf dem Rhein zwischen Basel und Rotterdam verkehren kaum noch Transportschiffe, und wenn, dann nur abschnittsweise und mit geringer Beladung. Und das führt zu Versorgungsproblemen sowie zu steigenden Preisen: Rund ein Drittel der Container, der Mineralölprodukte wie Heizöl und der Futtermittel für die Landwirtschaft werden über den Rhein importiert.

Und so weichen die Hafenlogistiker nun teilweise auf Lastwagen und Eisenbahn aus, um die wegfallenden Kapazitäten auf dem Rhein auszugleichen. Aufgrund der viel kleineren Mengen ist das aber aufwendiger und nicht zuletzt weniger nachhaltig.

Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt

Der Engpass in Deutschland ist seit Jahrzehnten bekannt – doch nur wenig ist passiert: Bereits 1992 habe der deutsche Bundesverkehrswegeplan Massnahmen an dieser Stelle als vordringlich definiert, sagt Grisard. «Bisher wurden diese leider nicht umgesetzt.» Sie fordert Druck auf Deutschland, um «gemeinsam grenzüberschreitende Lösungen» voranzutreiben – etwa den Ausbau der Fahrrinne, wie das in Basel auch schon gemacht wurde.

Sie fordert mehr Druck auf Deutschland: Andrea Grisard ist Präsidentin des Basler Logistik-Unternehmens Ultra-Brag.
Foto: zVg

Dank solchen Massnahmen sei der Abschnitt zwischen Kaiseraugst im Aargau und Strassburg im Elsass heute auch bei Niedrigwasser verlässlich schiffbar. Denkbar seien ausserdem zusätzliche Aufstauungen, um den Rheinpegel besser steuern zu können.

Aufforderung ans Departement Rösti: Mehr Druck

In der Pflicht sieht Grisard die Politik. «Die Schweiz – Bundesrat, Politik und Wirtschaft – muss in Deutschland aktiv werden, damit dem Land der direkte Zugang zum Meer erhalten bleibt», fordert die Baslerin. Sie nennt klare Adressaten: «Als wichtige Partner für diese Zukunftsaufgabe sehe ich auch das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die Parlamentarische Gruppe Schifffahrt.» Es genüge nicht, wenn das Thema nur in Logistikkreisen diskutiert werde.

Das von Grisard angesprochene Amt im Departement von Albert Rösti verweist gegenüber der Handelszeitung auf ein laufendes Projekt in Deutschland, das man mit einer Stellungnahme im Februar ausdrücklich unterstützt habe.

Dabei sitzt die Schweiz dieses Jahr noch etwas direkter am Ruder als sonst, denn das Land hat seit Anfang Jahr den Vorsitz der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR), welche alle Anrainerstaaten zwischen Basel und Rotterdam vereint. Der Umgang mit Niedrigwasser sei eine der Prioritäten der Schweizer ZKR-Präsidentschaft, hält BAV-Sprecher Andreas Windlinger fest.

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