Das WEF in Zahlen
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Event der Superlative:Das WEF in Zahlen

André Hoffmann im Interview
«Das WEF begrüsst es sehr, dass der Präsident der grössten Weltmacht nach Davos kommt»

Roche-Erbe André Hoffmann führt zusammen mit Blackrock-Chef Larry Fink das Präsidium des World Economic Forums. Im Interview spricht er darüber, wie es nach der Ära Schwab weitergeht. Und über die Teilnahme von Donald Trump.
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Roche-Erbe André Hoffmann (Bild) leitet zusammen mit Blackrock-Gründer Larry Fink das Word Economic Forum seit vergangenem Sommer.
Foto: Lundi13

Darum gehts

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Holger Alich und Markus Diem Meier
Handelszeitung

Das World Economic Forum (WEF) 2026 in Davos wird ein besonderes sein, und dies in mehrfacher Hinsicht: Zum einen hat sich US-Präsident Donald Trump angemeldet und sorgt für ein Rekordinteresse am oft schon totgesagten WEF. Zum andern ist das diesjährige Forum das erste, das ohne seinen Gründer Klaus Schwab stattfindet. Dieser hat nach über vierzig Jahren im Frühjahr 2025 sein Amt abgeben; interne Whistleblower hatten ihm und seiner Frau Hilde unter anderem vorgeworfen, private und dienstliche Ausgaben nicht sauber zu trennen.

Der WEF-Stiftungsrat liess die Vorwürfe von der Kanzlei Homburger untersuchen. Die Untersuchung habe – so das WEF – «keine Anhaltspunkte für ein wesentliches Fehlverhalten» gefunden. Aus Protest dagegen trat der langjährige WEF-Stiftungsrat und Ex-Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe aus dem Gremium zurück, er hatte das WEF interimsmässig geleitet. Nun führt der Roche-Erbe André Hoffmann gemeinsam mit Blackrock-Chef Larry Fink den Stiftungsrat. Hoffmann äussert sich gegenüber der Handelszeitung zum ersten Mal öffentlich zu seinem Job beim WEF und dazu, wie es nach dem Ende der Ära Schwab weitergehen soll. Hoffmann ist von seinem privaten Büro in Vaux-sur-Morges per Videocall zugeschaltet.

Sie schreiben in Ihrem neuen Buch, es brauche einen Stakeholder-Kapitalismus, der langfristigen Wert für die gesamte Gesellschaft schafft und die Umwelt berücksichtigt. Das hatte auch für das WEF Bedeutung. Doch in der Weltpolitik hat das Thema aktuell keine grosse Bedeutung mehr. Wie gehen Sie damit um?
André Hoffmann:
Es ist wichtig, zu verstehen, was das World Economic Forum eigentlich ist. Es ist eine Plattform, mit der wir Menschen und Organisationen die Möglichkeit geben, sich auszudrücken und sich auszutauschen. Also Politikern, Unternehmern, aber auch Vertretern der Zivilgesellschaft, von Universitäten, von Nichtregierungsorganisationen und anderen. Diese Plattform dient dazu, auch die von Ihnen angesprochenen Themen zu diskutieren. Genau deshalb steht das WEF 2026 unter dem Motto «The Spirit of Dialogue».

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Der Star des WEF wird aber US-Präsident Donald Trump sein. Und der steht doch für das Gegenteil dessen, was Sie in Ihrem Buch beschreiben?
Das WEF begrüsst es sehr, dass der Präsident der grössten Weltmacht nach Davos kommt. Wenn wir einen echten Spirit of Dialogue haben wollen, dann müssen verschiedene und wichtige Stimmen dabei sein. Ein Anlass wie das WEF ohne US-Vertreter macht für mich kaum Sinn.

Sie haben Trump aber einmal als «alten, korrupten Mann» bezeichnet. Und er hat wiederholt gezeigt, dass er von Dialog und Kooperation nicht viel hält. Fürchten Sie keinen Eklat?
Wir wollen versuchen, mit Vertretern verschiedener Meinungen eine Verbesserung des Status der Welt zu erreichen. Und es geht ja nicht nur um Geopolitik, sondern auch um Themen wie Wachstum, Innovation und die Zukunft des Planeten im Grossen und Ganzen. Es ist wichtiger denn je, hierzu so weit wie möglich im Dialog zu bleiben.

Sie betonen stets den «Spirit of Dialogue», aber Trump steht doch für eine rücksichtslose Durchsetzung der US-Interessen?
Wissen Sie, viele Menschen, die in Davos auftreten, sind nicht unbedingt meiner Meinung. Wir müssen einfach akzeptieren, dass die Welt vielfältig ist. Das WEF ist der Ort, an dem verschiedene Meinungen zugelassen sind, nicht nur meine.

Und wie bewerten Sie Trumps Eingriff in Venezuela?
Die Situation in Venezuela macht nochmals sehr deutlich, wie wichtig es ist, dass wir alle miteinander im Gespräch bleiben. Wenn man andere Sichtweisen hört, wenn man weitere Erkenntnisse gewinnt, lernt man und kann seine eigenen Meinungen und Handlungen hinterfragen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die grossen Herausforderungen der Welt nur gemeinsam werden lösen können.

Werden Sie Trump persönlich treffen und seinen Auftritt anmoderieren?
Wir werden alle da sein und unsere Gäste in Davos begrüssen. Wir sind alle im selben Dorf.

Sehr diplomatisch. Stimmt es denn, dass wegen Trump das Programm des WEF geändert wurde und dass woke Themen gestrichen wurden?
Nein, das stimmt nicht. Das Programm stand, lange bevor klar war, dass die USA mit einer grossen Delegation anreisen werden. Und es gab auch nie eine Anfrage, das Programm zu ändern.

Trump ist ein schwieriger Gast. Aber er sorgt immerhin für eine Rekordbeteiligung beim WEF.
Wir werden in Davos mehr Menschen und Organisationen begrüssen können als je zuvor in der Geschichte des WEF. Und vermutlich ist Trumps Präsenz eine von mehreren Erklärungen dafür. Aber sicher liegt das auch daran, dass viele erkannt haben, dass wir im Kontakt und im Dialog bleiben müssen.

Sie leiten das WEF nun gemeinsam mit Larry Fink, dem Gründer von Blackrock. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Sehr gut. Wir treffen uns, wenn wir beide in derselben Region sind, und tauschen uns auch sonst viel aus. Wir haben eine gemeinsame Vision für das WEF und wollen, dass das Treffen ein Erfolg wird.

Herr Schwab hat früher die Topgäste selbst begrüsst. Werden Sie beide das auch machen?
Die Rolle der Präsidentschaft des WEF, besonders in diesen Zeiten, hat sich geändert. Larry und ich streben keine Omnipräsenz an, wir werden eher punktuell auftreten, je nachdem, um welche Themen es geht. Aber natürlich sind Larry und ich für alles verantwortlich, was das Forum macht.

Das WEF hat 2025 mit dem abrupten Abgang von Klaus Schwab und der Schlammschlacht im Stiftungsrat die wohl grösste Krise seiner Existenz durchlaufen. Hat das Narben hinterlassen, wie steht es um das WEF als Organisation?
Ich bin erst seit einigen Monaten Co-Präsident, aber soweit ich das beurteilen kann, nehme ich die interne Stimmung als sehr konstruktiv wahr. Ich spüre ganz klar den gemeinsamen Willen, das Treffen in Davos zu einem Erfolg zu machen. Das stimmt mich sehr zuversichtlich, und ich bin sicher, dass wir auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEF voll und ganz zählen können.

Hat das WEF im Zuge der Ereignisse wichtige Mitarbeitende oder Sponsoren verloren?
Nein, im Gegenteil. Wir haben mehr Partner beim WEF als je zuvor. Zum Beispiel ist jüngst die US-Bank Wells Fargo beigetreten.

Mark Henley
Zur Person

André Hoffmann Der 67-Jährige hat im Herbst gemeinsam mit Blackrock-Gründer Larry Fink die Co-Präsidentschaft des Stiftungsrates des World Economic Forum übernommen. Das Duo muss nach dem abrupten Abgang von Gründer Klaus Schwab das WEF-Jahrestreffen in Davos im Januar pannenfrei über die Bühne bringen, für Anspannung sorgt Stargast Donald Trump. Zudem müssen Hoffmann und Fink die verunsicherten Mitarbeitenden und Sponsoren des WEF bei der Stange halten.

Der Pharma-Erbe Hoffmann ist seit 2006 Vizepräsident des Verwaltungsrats des Pharma-Riesen Roche; er fungiert als Sprecher der Erbenfamilien, die gemeinsam fast 73 Prozent der stimmberechtigten Aktien halten. 1996 war Hoffmann erstmals in den Verwaltungsrat von Roche eingezogen.

Der Umweltaktivist Wie sein Vater Luc Hoffmann, der den WWF mitgründete, engagiert sich auch André Hoffmann stark für die Umwelt und die Nachhaltigkeit. So amtete er zwischen 2007 und 2017 als Vizepräsident des WWF. Der studierte Ökonom arbeitet in zahlreichen Stiftungen und Firmen-Boards mit Nachhaltigkeitsbezug, wie etwa beim Beratungsunternehmen System IQ. Zuletzt hat André Hoffmann mit Peter Vanham das Buch «Die neue Natur des Wirtschaftens» publiziert.

Mark Henley

André Hoffmann Der 67-Jährige hat im Herbst gemeinsam mit Blackrock-Gründer Larry Fink die Co-Präsidentschaft des Stiftungsrates des World Economic Forum übernommen. Das Duo muss nach dem abrupten Abgang von Gründer Klaus Schwab das WEF-Jahrestreffen in Davos im Januar pannenfrei über die Bühne bringen, für Anspannung sorgt Stargast Donald Trump. Zudem müssen Hoffmann und Fink die verunsicherten Mitarbeitenden und Sponsoren des WEF bei der Stange halten.

Der Pharma-Erbe Hoffmann ist seit 2006 Vizepräsident des Verwaltungsrats des Pharma-Riesen Roche; er fungiert als Sprecher der Erbenfamilien, die gemeinsam fast 73 Prozent der stimmberechtigten Aktien halten. 1996 war Hoffmann erstmals in den Verwaltungsrat von Roche eingezogen.

Der Umweltaktivist Wie sein Vater Luc Hoffmann, der den WWF mitgründete, engagiert sich auch André Hoffmann stark für die Umwelt und die Nachhaltigkeit. So amtete er zwischen 2007 und 2017 als Vizepräsident des WWF. Der studierte Ökonom arbeitet in zahlreichen Stiftungen und Firmen-Boards mit Nachhaltigkeitsbezug, wie etwa beim Beratungsunternehmen System IQ. Zuletzt hat André Hoffmann mit Peter Vanham das Buch «Die neue Natur des Wirtschaftens» publiziert.

Warum haben Sie eigentlich das Amt des Co-Präsidenten des WEF mitten in der Krise angenommen – warum tun Sie sich das an?
Ich finde es sehr reizvoll, diesen wichtigen Anlass mitprägen zu können. Wie Sie wissen, habe ich einige Ideen und Überlegungen, mit denen ich in den Dialog gehen werde, etwa zu den planetaren Grenzen des Wachstums.

Herr Schwab hat indes als Präsident vor allem ein Netzwerk eingebracht, um Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker sowie Topunternehmer nach Davos zu holen. Tun Sie das auch?
Klaus Schwab hat beim Aufbau des WEF fantastische Arbeit geleistet. Es ist ein Privileg, seine Arbeit fortsetzen zu dürfen. Aber wir haben unseren eigenen Stil, wie wir das Amt verstehen und ausfüllen. Das ist jetzt ein gemeinsamer Effort, auch, was den Einsatz persönlicher Kontakte angeht.

Streben Sie und Herr Fink denn Reformen beim WEF als Organisation an? Haben Sie da Projekte?
Im Moment bleibt alles, wie es ist. Wichtig ist vor allem die inhaltliche Arbeit. Das WEF ist weit mehr als nur ein jährliches Treffen in Davos. Das WEF veranstaltet hochkarätige Konferenzen das gesamte Jahr über. Die Organisation muss also das ganze Jahr über funktionieren. Dafür haben wir ein Team von fast tausend Mitarbeitenden. Larry und ich wollen, dass neben dem Treffen in Davos auch die anderen Anlässe im Jahr an Relevanz gewinnen. Dazu wollen wir beide auch unsere persönlichen Netzwerke einsetzen.

Und was ist mit dem Stiftungsrat des WEF? Ist der nicht viel zu gross, um eine effektive Aufsicht ausüben zu können?
Wir haben grosse Talente und Persönlichkeiten im Stiftungsrat. Ich sehe derzeit keinen Bedarf für Änderungen.

Und wird es inhaltliche Veränderungen geben? Neue oder andere Themen?
Ich sehe drei grosse Themen: Wachstum, Innovation und Resilienz. Mich treibt die Frage um, wie uns Innovation widerstandsfähiges Wachstum erlauben kann, sodass wir nicht die Grenzen des Planeten sprengen. Wir haben nur diesen einen Planeten. Und wenn wir mehr Ressourcen verbrauchen, als dauerhaft verfügbar sind, werden wir grosse Schwierigkeiten bekommen. Das ist eine Thematik, die bisher vielleicht nicht so in dieser Klarheit angesprochen worden ist. Wir haben beim WEF zwar über Nachhaltigkeit gesprochen, aber nicht so klar über die planetarischen Grenzen des Wachstums.

Das sind wichtige Themen, aber der Zeitgeist geht doch derzeit in die komplett andere Richtung?
Ach, wissen Sie, der Zeitgeist kommt und geht, und bei diesen Themen gilt es, einen langen Atem zu haben. Aber ich denke, dass wir hier auch zwischen Politik und Unternehmen unterscheiden sollten. Denn vielen Unternehmen ist die Problematik sehr bewusst, und viele der WEF-Partner sind in der Frage schon sehr viel weiter als der eine oder andere Staat. Eine der erfolgreichen Innovationen ist etwa, dass es schlicht billiger ist, Energie aus Solarzellen zu gewinnen als aus Öl. Wir dürfen die Debatte darüber nicht abwürgen, bevor sie geführt wurde.

Wie steht es um die Zukunft von Davos als Tagungsort? Es gibt Wirtschaftsvertreter, die wollen, dass das WEF auch mal woanders stattfindet ...
Die Frage ist doch, warum das WEF so erfolgreich ist. Ich bin überzeugt, dass genau dieser Tagungsort ein wichtiger Teil des Erfolgs ist. Davos ist längst Teil der WEF-Marke. Ausserdem haben wir dort funktionierende Strukturen, sind an einem neutralen Ort – das wird schwierig zu ersetzen sein. Hinzu kommt die hervorragende Zusammenarbeit mit den Kantonen und dem Bund.

Und das sieht Larry Fink auch so?
Ja, absolut. Das Jahrestreffen des WEF bleibt in Davos. Wir sind eine schweizerische Organisation, das hat kulturell eine Bedeutung. Und vergessen Sie nicht, dass wir ja auch viele WEF-Veranstaltungen ausserhalb der Schweiz machen. Das Forum ist also keine rein schweizerische Angelegenheit, hat aber seine Wurzeln und seine Identität in der Schweiz.

Der erzwungene Abgang von WEF-Gründer Klaus Schwab hat im Stiftungsrat eine beispiellose Schlammschlacht ausgelöst.
Foto: KEYSTONE/AP/MARKUS SCHREIBER

Lassen Sie uns kurz über die vergangenen Ereignisse sprechen. Der Untersuchungsbericht ist nicht öffentlich, wurde zum Teil aber durchgestochen. Und demnach gab es ja durchaus kritikwürdiges Verhalten von Herrn Schwab, etwa mit Blick auf Eingriffe in den «Competitiveness Report»? Wie sehen Sie das?
Mich interessiert die Zukunft des WEF, wir wollen da jetzt die nächsten Schritte gehen. Da bringt es nicht viel, über die Vergangenheit zu sprechen.

Hier erlauben wir uns Widerspruch. Die Vorwürfe kamen ja von unzufriedenen ehemaligen Mitarbeitenden. Und wenn es Missstände gibt und diese nicht beseitigt werden, drohen vielleicht neue Enthüllungen.
Da mache ich mir keine Sorgen. Die Menschen, die beim Forum arbeiten, wollen Probleme lösen und keine machen. Wir haben fantastische Talente, die wirklich besorgt sind über den Zustand der Welt. Solange wir diesen Talenten die Möglichkeit geben, sich beim Forum zu entfalten, bin ich zuversichtlich für die Zukunft des WEF.

Aber die Art und Weise, wie die Vorwürfe intern behandelt wurden, hat im Stiftungsrat zu einer beispiellosen Schlammschlacht geführt. Das hätte man doch besser lösen können?
Ich verstehe Ihre Beharrlichkeit, aber ich werde mich dazu nicht weiter äussern.

Dann eine Frage mit Blick auf die Zukunft: Behält Klaus Schwab das Recht, ein Familienmitglied in den Stiftungsrat zu entsenden?
Das ist eine Frage, die derzeit nicht auf dem Tisch liegt.

Sie haben selbst gesagt, dass Klaus Schwab beim Aufbau des WEF fantastische Arbeit geleistet habe. Jetzt musste er sang- und klanglos gehen. Bekommt er noch die Chance auf einen Abschied auf der grossen Bühne in Davos?
Wir werden den Gründer des Forums würdevoll verabschieden, das holen wir nach. Aber nicht im Januar.

Wie ist denn Ihr persönliches Verhältnis zu Klaus Schwab?
Unser Verhältnis ist gut, ich habe keinen Grund, zu denken, dass es da irgendeine Bitterkeit gäbe, auf keiner Seite. Wir haben uns gemeinsam dafür eingesetzt, dass das Forum floriert. Das ist mir der wichtigste Punkt. Ich weiss, für Sie ist es interessanter, über Komplotte oder sogenannte Schlammschlachten zu reden, aber das gab es nicht. Wir sind einfach in einer Periode, in der wir Veränderungen vornehmen möchten. Jetzt geht es um die Zukunft, jetzt geht es um die Substanz des Forums, die wir bewahren wollen.

Im Zuge der Krise haben Sie und Herr Fink die Co-Präsidentschaft übernommen. Wie lange wollen Sie den Job machen?
Ich bin gar nicht so sicher, dass es wirklich eine Krise des Forums selbst war. Es gab letztendlich eine Änderung in der Leitung. Wir haben noch keinen festen Plan, wie lange wir bleiben wollen. Wir werden uns dazu zu gegebener Zeit äussern und für eine langfristige Leitung des Forums sorgen.

Die Wunschkandidatin von Klaus Schwab ist die derzeitige EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ist sie auch Ihre Wunschkandidatin?
Ich denke, dass Spekulationen nun keinen Sinn machen. Im Moment bin ich froh, dass das gesamte Team super zusammenarbeitet, Geschäftsführer Børge Brende macht eine glänzende Arbeit. Was die längerfristige Führungsplanung angeht, wollen wir uns Zeit lassen, diese in Ruhe zu überlegen.

Hat der Stiftungsrat schon eine Beratungsfirma angeheuert, die bei der Suche helfen soll?
Es gibt derzeit keinen formalen Suchprozess.

Wir fassen zusammen: Es gibt keine inhaltlichen Verschiebungen, keine Änderungen beim Stiftungsrat, und das WEF bleibt in Davos?
Das WEF hat alles, um noch lange erfolgreich zu bleiben. Wir machen Anpassungen dann, wenn sie nötig sind.

Das WEF selbst wird aber auch immer kritischer gesehen, für viele gilt es als Plauderclub der Weltelite. Kann das WEF wirklich etwas bewegen?
Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Es ist nicht Aufgabe des World Economic Forum, Entscheidungen zu treffen. Dazu haben wir überhaupt keine Legitimität. Wir bieten Entscheidern eine Plattform an, damit sie sich austauschen können. Wenn daraus später Resultate entstehen, ist das umso besser. Wir hören oft, dass Davos ein Club von Leuten sei, die nichts bewegen. Es ist aber nicht die Idee, dass wir etwas bewegen. Wir wollen, dass sich Entscheider treffen und sich gemeinsam Gedanken über die Zukunft machen und darüber reden. Und oft kommen auf dieser Basis Dinge danach in Bewegung, ohne dass man dies direkt dem WEF zuordnen würde. Ich würde das WEF als Plattform für Initialzündungen beschreiben.

Mit Verlaub, aber stapeln Sie da jetzt nicht etwas tief? Der Anspruch des World Economic Forum war ja bisher durchaus, positive Veränderungen zu erzielen. Und Sie haben ja auch Einfluss, beispielsweise darauf, wen Sie ans WEF in Davos einladen oder in welcher Reihenfolge die Redner auftreten. Was sehen da Ihre Prioritäten in diesem Jahr aus?
Wir hatten in letzter Zeit so viele Krisen wie schon lange nicht mehr. Denken Sie an die Geopolitik, die Wachstumsschwäche in Europa, neue Technologien wie KI und ihren Einfluss auf die Arbeitswelt – und natürlich die Grenzen des Planeten und die Frage, wie wir diese Probleme meistern. All das soll diskutiert werden, einen echten Schwerpunkt soll es in diesem Jahr daher nicht geben. Es ist aber auch nicht fair, zu glauben, dass wir einfach Leute in einen Raum sperren, damit sie später mit einer Lösung für die Probleme rauskommen. Wir hoffen einfach auf einen positiven Beitrag durch Dialog.

Gibt es Themen, bei denen Sie ganz persönlich hoffen, dass man vorwärtskommt?
Ich bin schon zufrieden, wenn wir es in Davos schaffen, dass die Leute den Mut haben, für ihre Überzeugungen einzustehen. Und dass sie anerkennen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt.

Womit wir wieder bei US-Präsident Donald Trump sind, der ja nur eine Meinung zulässt, seine eigene. Haben Sie eigentlich schon eine Ahnung davon, was er in Davos sagen wird?
Natürlich nicht, aber ich erwarte grundsätzlich keine Wunder.

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