Darum gehts
Die beiden Elefanten im Raum wurden tunlichst umschifft. Bei der Vorstellung der politischen Gästeliste fiel der Name Trump zwei Mal, der Name Schwab kein einziges Mal.
Das World Economic Forum (WEF) tut vor dem anstehenden Jahrestreffen in Davos alles, um den grossen Bruch mit Gründer Klaus Schwab (87) vergessen zu lassen.
Interviews mit Entscheidungsträgern aus dem Innern des WEF haben Seltenheitswert, über die Vorgänge im letzten Frühling und Sommer möchte am liebsten niemand sprechen. Die Devise: Wir bringen das WEF 2026 gut über die Bühne – und dann schauen wir weiter.
Immerhin: Über der diesjährigen Ausgabe des Stelldicheins der Reichen und Mächtigen schwebt unverkennbar der Geist des Gründervaters. Am Motto «Im Geist des Dialoges» hätte Schwab seine helle Freude. Die Botschaft der WEF-Veranstalter: Es geht alles seinen gewohnten Gang, auch ohne das Adressbuch von Schwab reist die globale Polit- und Wirtschaftselite in die Schweizer Berge.
Dialog ist kein Luxus
Deshalb wurde auch der Rekordcharakter des 56. Jahrestreffens des WEF auffallend oft betont: 400 hohe Politiker, darunter 65 Staats- und Regierungschefs, treffen in Davos auf 850 CEO und Verwaltungsratspräsidenten der global wichtigsten Unternehmen. Dazu kommen eine Heerschar von Experten, Technologiepionieren, Vertretern von NGOs und wichtigen multilateralen Organisationen wie Weltbank, UNO oder WTO. Insgesamt werden sich nächste Woche fast 3000 Teilnehmer aus über 130 Ländern treffen – auch das ein Rekord.
Ein sichtlich stolzer WEF-Präsident Børge Brende (60) unterstrich mehrmals die Bedeutung des aktuellen WEF-Mottos: «Dialog ist gerade in Zeiten der Unsicherheit kein Luxus, sondern eine dringende Notwendigkeit.»
Das passt so gar nicht zum Stargast des WEF: US-Präsident Donald Trump (79), der zum dritten Mal nach Davos reist – und in der nächsten Woche die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Er pflegt den Deal statt den Dialog, sucht als Hegemon nicht das Gespräch, sondern setzt seine Verbündeten wie Gegner gerne unter Druck.
Im Schatten von Trump
Natürlich hat Trump die grösste Delegation im Schlepptau, die je ein US-Präsident nach Davos gebracht hat. So begleiten ihn unter anderem Aussenminister Marco Rubio (54) und Finanzminister Scott Bessent (63) sowie eine stattliche Anzahl an amerikanischen Kongressabgeordneten.
Daneben verblassen all die anderen politischen Akteure, die in diesem Jahr zahlreicher ins Landwassertal strömen als auch schon. So lässt es sich der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (47) auch im vierten Kriegsjahr nicht nehmen, nach Davos zu reisen, um für die Sache der Ukraine zu kämpfen. Ob es zu einem Treffen mit Trump kommen wird, ist offen.
Die Nähe zu Trump in Davos suchen auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70), der kanadische Premierminister Mark Carney (60) oder EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) – übrigens die einzige Frau, die an der WEF-Medienkonferenz von Dienstag namentlich erwähnt wurde. Das spiegelt die neue Welt von Donald Trump wider, in der Frauen weniger zu sagen haben.