Darum gehts
- Trockenheit führt zu Feuerwerksverbot in vielen Schweizer Kantonen am 1. August
- Feuerwerkshändler verlieren bis zu 60 Prozent Umsatz, Silvesterverkauf als Hoffnung
- Letztes vergleichbares Verbot 2018; Branche zeigt Verständnis für Massnahmen
Ein Zischen hier, ein Krachen dort. Grelle Lichter in allen möglichen Farben vereinen sich zu einem Meer aus Funken am Nachthimmel. Ein Feuerwerk gehört für viele Schweizer zum 1. August dazu wie der Cervelat auf dem Grill.
Doch aufgrund der Trockenheit in den letzten Wochen herrscht in vielen Kantonen aktuell ein striktes Feuerverbot. Es dürfen somit auch keine Böller, Vulkane oder Raketen abgefeuert werden. Am Nationalfeiertag könnte es deshalb so still werden wie seit langem nicht mehr.
Wichtigster Verkaufstag fällt ins Wasser
Das bekommen auch die Verkäufer zu spüren. So auch Alain Stucki, Geschäftsführer der Stucki AG aus Wil SG. Er vertreibt Feuerwerk über seinen Onlineshop und beliefert Verkaufsstände. Einen Grossteil des Geschäfts macht er mit dem Verkauf rund um den Schweizer Nationalfeiertag.
«Der 1. August ist der wichtigste Tag im Jahr für den Verkauf von Feuerwerk in der Schweiz», so Stucki. Bis zur Hitzewelle sei die Saison zwar normal verlaufen, dennoch tue es dem Geschäft weh. «Durch die Trockenheit wurden die Lieferungen an einzelne Verkaufsstände immer weiter nach hinten verschoben», sagt der Verkäufer. Und schlussendlich ganz abgesagt.
Stucki spricht gar von einem «Totalausfall» in Bezug auf den Umsatz. Auch Bruno Schönenberger vom Onlinehändler feuerwerkshop.ch spürt die Hitzewelle: Der Verkäufer aus Klarsreuti TG beziffert die Umsatzeinbussen auf rund ein Drittel. Grosshändler wie Jumbo verzichten dieses Jahr «aufgrund der aktuellen Wetterlage und Trockenheit» ebenso auf den Verkauf von Gross- und Kleinfeuerwerk, wie auf der Website steht.
Eine Trockenheit wie in diesem Sommer und damit verbundene Feuerwerksverbote gab es zuletzt 2018. Urs Corradini (67), Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk (SKF), sieht schwerwiegende Auswirkungen im Verbot: Da der Nationalfeiertag für den Grossteil des Umsatzes verantwortlich ist, «ist die Situation für die Branche verheerend».
Was passiert mit der Ware?
«Die entscheidende Verkaufsphase hat gerade erst begonnen», bestätigt Silvio Fernandes. Er betreibt mit vier Freunden das Geschäft Feuerwerk & Pyrotechnik AG in Rikon ZH. Doch viel ändern dürfte sich nicht mehr: Durch das Feuerwerksverbot geht Fernandes davon aus, dass sie in diesem Jahr nur einen kleinen Bruchteil des letztjährigen Verkaufsvolumens erreichen werden.
Die nicht verkaufte Ware wird fachgerecht eingelagert, sodass sie beim nächsten Verkaufszeitraum rund um Silvester wieder angeboten werden kann. «Die Produkte gehen somit nicht verloren», sagt Fernandes. Qualitätsverluste seien nicht zu befürchten.
Dennoch dürften die Händler am Jahresende auf einem Grossteil der für dieses Jahr eingeplanten Ware sitzen bleiben, da der Verkauf rund um Silvester nicht mit dem Niveau vom 1. August vergleichbar sei, erklärt Stucki.
Verbot für Händler nachvollziehbar
Trotz der Umsatzeinbussen herrscht bei den Feuerwerkshändlern Verständnis für den Entscheid der Kantone. Für Stucki ist der Entscheid aufgrund der anhaltenden Trockenheit absolut nachvollziehbar. «Wir haben dafür volles Verständnis und respektieren die Entscheidungen der Behörden», so auch Fernandes. «Bei anhaltender Trockenheit und erhöhter Brandgefahr ist es richtig und nachvollziehbar, das Abbrennen von Feuerwerk einzuschränken oder zu verbieten.» Situationen wie diese und die damit verbundenen Umsatzeinbussen gehören für ihn zum Geschäft. Um solche Umsatzeinbussen in Zukunft besser abfangen zu können, hat Fernandes bereits damit begonnen, Material zur Partydekoration ins Sortiment aufzunehmen.
Gut möglich, dass sich Schweizerinnen und Schweizer an dieses Bild gewöhnen müssen. Denn sollte die Initiative zum Feuerwerksverbot bei der Abstimmung am 29. November eine Mehrheit erhalten, könnte dieser Sommer nur ein Vorbote für die kommenden Jahre sein.