Darum gehts
- Vini testete ab Juni 2026 Flüge Bern–München mit Cessna Caravan 208EX
- Neues Konzept: Kunden wählen Flugdetails, Kosten nur bei ausreichender Nachfrage
- 122 Passagiere auf 31 Flügen, Pünktlichkeitsquote beeindruckende 99 Prozent
Seit Juni kann man mit einer kultigen Propeller-Maschine von Bern nach München fliegen. Die Fluggesellschaft Vini aus Stuttgart (D) bot drei Flüge pro Woche vom Flughafen Bern-Belp in die bayerische Metropole an – mit einer Cessna Caravan 208EX aus dem 2016. Nach 31 Flügen hat die Airline von Gründer Tomislav Lang (45) ein erstes Fazit gezogen: total 122 Passagiere und eine Pünktlichkeitsquote von 99 Prozent! Davon können Branchenriesen wie Swiss und Easyjet nur träumen. Zwölf Flüggäste flog Vini auch nach Augsburg und Stuttgart.
Nach der Sommerpause geht es in Bern ab September wieder los — mit einer neuen Strategie. Das Konzept heisst «Make It Fly» (auf Deutsch: Lass es fliegen) und soll die Gäste von einem starren Flugplan befreien. CEO Lang erklärt die Idee dahinter: «Bisher musste sich der Reisende dem Flugplan anpassen. Wir drehen das Konzept um: Der Kunde sagt uns, wann und wohin er fliegen möchte.»
Ab September kommt das Flieger-Sammeltaxi
Das heisst: Der Reisende wählt eine Strecke, einen Reisetag und eine gewünschte Abflugzeit – und gibt an, wie flexibel er ist. Die Fluglinie bündelt die Wünsche wie ein Flug-Sammeltaxi. «Kommt genügend Nachfrage zusammen, fliegen wir. Wenn nicht, entstehen dem Kunden keine Kosten», verspricht der Airline-Boss in einer Medienmitteilung der Fluglinie.
Damit will Vini das Netzwerk wachsen lassen. Bern soll der Hub sein, ab dem die Mini-Airline neben München die neue Destination St. Tropez und weitere Ziele anfliegt. Stellt das Unternehmen fest, dass einzelne Verbindungen besonders gefragt sind, werden diese künftig zu regelmässigen Flugverbindungen weiterentwickelt. So will Chef Lang für sein Unternehmen bis 2027 einen kompletten Flugplan ab Bern zusammenbasteln.
Grosse Hoffnung für Bern-Belp
Für den Flughafen Bern-Belp ist Vini ein grosser Hoffnungsträger nach einigen Krisenjahren. CEO Lang ist ein ausgewiesener Bern-Kenner: Er war der Chef der Berner Airline Skywork, die 2018 pleite ging. Über 100 Stellen waren auf einen Schlag weg, Tausende Kunden blieben auf ungültigen Tickets sitzen.
Als Antwort auf die stark sinkenden Passagierzahlen griff der Flughafen zu einem Notpflaster: Er sammelte Kapital für eine eigene virtuelle Fluglinie, FlyBair. Sie hätte Bern-Belp wieder mit dem Rest der Welt verbinden sollen. Doch auch sie war zum Scheitern verurteilt. Jetzt will Vini den Durchbruch schaffen. Bleibt nur die Frage: Klappt das Experiment mit den wünschbaren Flügen, oder folgt die nächste Bruchlandung?