Darum gehts
- Ein Tiktok-Video über ein vermeintlich schief angebrachtes Migros-Logo geht viral
- 200'000 Aufrufe in wenigen Stunden, 9500 Likes und 4000 Shares
- Migros-Verantwortliche erklärt: Das ist extra so
Die Szenerie des kurzen Videoclips auf der Plattform Tiktok ist eigentlich idyllisch: Ein Mann fährt bei wenig Verkehr und schönstem Wetter auf der Autobahn, vor ihm tuckert ein Migros-Lastwagen auf der rechten Spur. Doch dann zoomt der User auf die Rückseite des Lasters und schreit: «Wieso gopfertammi isch das huere M ned ir Mitti? Das regt mi uf!» Bei genauem Hinschauen fällt auf: Das unverkennbare orange M ist tatsächlich nicht mittig zentriert, sondern befindet sich in der oberen linken Ecke.
Damit trifft der Tiktoker offenbar einen Nerv: Das Video wurde mittlerweile über 200'000 Mal aufgerufen, von knapp 9500 Usern gelikt und 4000 Mal geteilt. In der Kommentarspalte liest sich beispielsweise: «Ich kriege Augenkrebs, wenn es nicht in der Mitte ist.» Jemand anderes schreibt: «Das triggert mich auch jedes Mal.» Ein User vermutet gar eine heimliche Werbeoffensive der Migros: «Damit du ein Video machst und Migros so gratis Werbung bekommt», so seine Antwort auf die Frage des Erstellers.
Soll «schönes und einheitliches Bild» ergeben
Doch was steckt wirklich hinter dem vermeintlich falschen Logo, das Ordnungsliebhaber so zur Weissglut treibt? Blick hat beim orangen Riesen nachgefragt. Eine Antwort steht bislang aus. Auf der Kundenplattform Migipedia findet sich aber eine Antwort. Denn ein Migros-Kunde fragte vor drei Jahren exakt dasselbe. Das M sei bewusst nicht in der Mitte platziert, erklärt eine Migros-Verantwortliche. Sondern immer an einem fixen Punkt oben links. «Das ist bei allen Lastwagen so, egal, wie lang, breit oder hoch er ist», sagt diese weiter. Denn: «Wenn unsere Lastwagen nebeneinanderstehen, ist das M immer gleich ausgerichtet, egal, welche Grösse der Lastwagen hat. So gibt es ein schönes, einheitliches Bild.»
Bei der Migros ist das Rätsel also gelöst. Doch es gibt weitere Firmenlogos, die designtechnisch immer wieder moniert werden. Darunter jenes des holländischen Kosmetikriesen Rituals, der auch eine Vielzahl von Shops in der Schweiz betreibt. Beim Logo sind die Buchstaben des dreisilbigen Markennamens nicht gleichmässig angeordnet. Die Verteilung ist also nicht symmetrisch, was einige stört. Dazu gibt es gar eigene Social Media Posts. Jemand schreibt darunter: «Es nervt mich, wie sie versucht haben, die Lücke mit drei Punkten zu füllen!»
Auch, als der US-Bekleidungsriese Gap mit einem neuen Logo experimentierte, hatten viele keine Freude: 2010 ersetzte der Konzern den kultigen weissen Gap-Schriftzug in Grossbuchstaben auf einem quadratischen dunkelblauen Hintergrund durch ein kleingeschriebenes Pendant mit einem kleinen blauen Quadrat. «Kitschig», «billig» oder «gewöhnlich», fand damals die Gap-Kundschaft. Die Kritik war so heftig, dass das Unternehmen nach nur einer Woche wieder zum alten Logo zurückwechselte.