Analyse zum Abgang von Denner-Chef Torsten Friedrich
Die Migros-Leine wurde ihm zu kurz

Plötzlich geht es schnell: Torsten Friedrich verlässt Denner. Der Discount-Chef überwarf sich mit der Konzernmutter Migros über die zukünftige Strategie von Denner. Doch es gibt weitere Gründe, analysiert Wirtschaftschef Ulrich Rotzinger.
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So kannte man Denner-Chef Torsten Friedrich: Ärmel hoch an der Verkaufsfront.
Foto: Philippe Rossier
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Nach nur einem Jahr hat Torsten Friedrich bereits wieder fertig bei Denner. Offenbar hatte er die Nase voll. Weniger vom Discountgeschäft, das er so liebt. Wohl umso mehr von der Teppich-Etage des Mutterhauses. Die Migros schweigt zu den Gründen seines Abgangs. Beruft sich auf das, was sie in der Mitteilung schreibt: «Unterschiedliche Vorstellungen über die Strategie und die künftige Entwicklung von Denner».

Hinter dieser Floskel steckt jedoch mehr. Der Abgang von Denner-Chef Torsten Friedrich lag schon länger in der Luft. Wer den gebürtigen Leipziger kennt, weiss: Friedrich ist ein Machertyp. Hands-on lautet seine Devise, Ärmel hochkrempeln, Ideen ausprobieren und dann wieder fallenlassen. Friedrich hat seinen eigenen Kopf – oder besser Dickkopf. Im positiven Sinn. Beim Personal kam er gut an. Auch weil er das Discount-Handwerk von der Pike auf kennt. Denn Friedrich verbrachte den Grossteil seiner Berufskarriere bei Lidl.

Friedrich verlor Einkaufsmacht

Wenig erstaunte, dass Lidl-Bewunderer und Migros-Chef Mario Irminger den Deutschen zu Denner holte. Gleichzeitig trieb Irminger aber den Migros-Umbau voran. Straffte Strukturen, baute Doppelspurigkeiten ab und zentralisierte. Zum Beispiel den Einkauf. Die Paradedisziplin eines Rappenspalters. Genau hier durften Friedrich und sein Team aber nicht mehr selbst bestimmen, weil die Migros seit einiger Zeit das Ruder bei der Denner-Beschaffung übernommen hat.

Lieferanten boykottieren, um tiefere Preise zu erzielen? Das ist seit Monaten nur noch Sache der Migros. Sie bestimmt, was eingekauft wird und was nicht. Ein strenges Auge hat die Migros auch, wie und was Denner nach Aussen kommuniziert. Man merkte: Denner hätte seinen Kundinnen und Kunden weit mehr zu sagen gehabt, als Werbespots beispielsweise übers Eishockey-Nati-Sponsoring, abzusetzen. Aber Friedrich durfte nicht, sagen ihm nahestehende Personen.

Friedrich wollte sich nicht länger an die kurze Leine nehmen lassen. Der Abtritt ist nachvollziehbar. Seinen Platz nimmt nun ein Migros-Manager ein. Auch das verwundert nicht.

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