«Kürzere Öffnungszeiten» und «weniger Filialen» – Irminger wird ungewöhnlich deutlich
Migros-Chef warnt vor der 10-Millionen-Initiative

Migros-Boss Mario Irminger warnt vor den Folgen der SVP-Initiative. Bei einer Annahme würden verkürzte Öffnungszeiten, Filialschliessungen und ein schrumpfendes Angebot drohen. Auch andere Schweizer Wirtschaftschefs positionieren sich im Abstimmungskampf.
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In einem Interview wird Migros-Chef Mario Irminger ungewöhnlich deutlich.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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  • Migros-Chef Mario Irminger warnt vor den Folgen der 10-Millionen-Initiative für den Detailhandel
  • Eine Annahme hätte kürzere Öffnungszeiten, Filialschliessungen und ein kleineres Sortiment zur Folge
  • 90 Prozent der Arbeitskräfte in Micarna-Fleischzerlegerei sind ausländischer Herkunft
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Die Migros ist eigentlich nicht mehr dafür bekannt, sich politisch aufs Glatteis zu wagen. Jetzt bezieht Migros-Chef Mario Irminger (61) in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» aber eine klare Haltung zur 10-Millionen-Initiative, über die das Land am 14. Juni abstimmen wird. Denn: Die grösste Arbeitgeberin der Schweiz müsse aufzeigen, welche Konsequenzen eine Annahme haben könnte. «Das ist unsere Aufgabe, ja unsere Pflicht», sagt Irminger.

Und diese sind nicht ohne: Wird die SVP-Initiative zur Begrenzung der Schweizer Bevölkerung auf 10 Millionen angenommen, treffe das den hiesigen Detailhandel und die Lebensmittelindustrie «im Kern». «Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der heutige Servicelevel – in der Verarbeitung ebenso wie in den Läden – nicht mehr aufrechterhalten werden kann», warnt der Migros-Chef. Konkret könnten verkürzte Öffnungszeiten, weniger Filialen und ein reduziertes Angebot die Folgen sein.

90 Prozent Ausländer in Fleisch-Zerlegerei von Migros-Tochter

Das Hauptproblem ist laut Irminger die demografische Entwicklung der Schweiz: Viele Mitarbeitende aus geburtenstarken Jahrgängen gingen bald in Pension, gleichzeitig steige die Nachfrage. Schon jetzt habe die Migros Mühe, offene Stellen zu besetzen, räumt der CEO ein. Rein wirtschaftlich sei Migration also notwendig.

Als Beispiel nennt er die Migros-Tochter Micarna: Rund 60 Prozent der Angestellten seien Ausländer, in einzelnen Bereichen sogar 90 Prozent. Man sei auf sie angewiesen. Ein Bevölkerungsdeckel ist aus Irmingers Sicht deshalb falsch – und löse Probleme wie die akute Wohnungsnot, steigende Energiepreise oder eine überlastete Infrastruktur nicht.

Auch andere Stimmen aus der Wirtschaft melden sich zu Wort

Dass ein Betriebschef ohne jegliche politischen Verbindungen so deutlich Stellung bezieht, ist in der Schweiz selten. Einzelne apolitische Unternehmer exponieren sich bei solch aufgeladenen Debatten kaum.

Aber auch andere Schweizer Persönlichkeiten aus der Wirtschaft meldeten sich bei der SVP-Initiative bereits zu Wort: etwa Stadler-Rail-Patron Peter Spuhler (67). Er nennt sie «zu scharf, zu extrem» und fordert stattdessen eine gezielte Zuwanderung. Was in Spuhlers Fall überrascht: Der ehemalige SVP-Nationalrat schwimmt mit seiner Haltung gegen die eigene Parteilinie.

Auch Simon Michel (49), CEO des Pharmaunternehmens Yposmed mit Sitz in Burgdorf BE, kritisiert die Initiative: «Ohne ausländische Arbeitskräfte funktioniert die Schweizer Wirtschaft nicht», erklärt er in einer Mitteilung. Der Ypsomed-Boss sitzt auch als FDP-Nationalrat im Parlament.

Frédéric Füssenich (51), CEO der Rigi Bahnen, betont in einem Communiqué des Hotelverbands Hotellerie Suisse die negativen Folgen für die hiesige Tourismusbranche: Die «Chaos-Initiative», wie sie die Nein-Allianz nennt, schwäche die internationale Anbindung der Schweiz. Denn: «Sie setzt zentrale Verkehrsabkommen mit der EU sowie die Teilnahme am Schengen-Raum aufs Spiel.» Dies würde die Nachfrage internationaler Gäste spürbar dämpfen, so der Rigi-Bahnen-Chef.

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