UBS und die Gefahr in Übersee – Experte schlägt Alarm
«Trump tut alles dafür, dass die nächste Finanzkrise kommt»

Während die USA ihre Banken deregulieren und Milliardenkredite fördern, plant der Bundesrat mit der «Lex UBS» schärfere Regeln. Finanzexperte Marc Chesney sieht Parallelen zur Finanzkrise 2007.
Kommentieren
1/10
Marc Chesney sieht im Finanzsektor fehlende Transparenz und gewaltige Risiken.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • UBS: Seit März mit US-Banklizenz und Wachstumsplänen
  • Die «Lex UBS» erhöht Kapitalkosten massiv
  • Experten warnen vor dem wachsendem Risiko einer Finanzkrise durch Deregulierung
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
RMS_Portrait_AUTOR_377.JPG
Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Die Schweiz ist der UBS schon lange zu klein: Das Wachstum lockt im Ausland – besonders in den USA. Dort hat die Schweizer Grossbank um CEO Sergio Ermotti (65) jüngst eine vollwertige Banklizenz erhalten. Damit kann sie im ganzen Land als ganz normale Bank tätig sein. Nun der herbe Dämpfer: Der Bundesrat will mit der Revision des Bankengesetzes, auch «Lex UBS» genannt, dass die Bank künftig ihre Auslandstöchter vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegt. 

Das sorgt für rote Köpfe in der Chefetage der UBS. Umso mehr, weil US-Präsident Donald Trump (79) ein Paket auf den Weg gebracht hat, mit dem der Bankensektor stark dereguliert wird. Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt.

Sprich: Freie Fahrt für die US-Konkurrenz, während die Schweizer Behörden die UBS ausbremsen wollen – so die Sicht der Grossbank. Denn die neuen Regulierungen bedeuten für die UBS höhere Kapitalkosten und machen es schwieriger, im Ausland überproportional zu wachsen.

Nach Lockerungen kommt die Krise

Interessant: Der Finanzkrise 2007 sowie dem Bankenbeben im Silicon Valley 2023 ging jeweils der Abbau von Regulierungen voraus. Marc Chesney (66) sieht die aktuelle Entwicklung in den USA deshalb äusserst kritisch. «Trump tut alles dafür, dass die nächste Finanzkrise kommt», sagt der emeritierte Professor für Finanzmathematik an der Universität Zürich. «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Die US-Regierung will mit der Deregulierung das Wirtschaftswachstum ankurbeln und so aus ihrem riesigen Schuldenberg herauswachsen. Ein Bericht des Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal kommt zum Schluss, dass die US-Banken zusätzlichen Spielraum für Kredite von beinahe 2,6 Billionen US-Dollar erhalten würden.

Wachsende Risiken in den USA

Will die UBS in den USA Marktanteile gewinnen, muss sie ihre Konkurrenz beispielsweise mit günstigen Zinsen und Konditionen ausstechen. Das grosse Problem aus Chesneys Sicht: Die UBS hat heute eine kostenlose Staatsgarantie. «Das gibt ihr einen Anreiz, für ein höheres Wachstum grössere Risiken einzugehen. Geht das schief, haften die Schweizer Steuerzahler dafür.» So geschehen 2008: Weil sich die UBS in den USA mit Subprime-Hypothekenpapieren verzockt hatte, war die Bank de facto bankrott und musste vom Schweizer Steuerzahler gerettet werden. 

UBS-Chef Sergio Ermotti hatte damals ab 2011 bis 2020 als CEO der Grossbank das Ruder übernommen und schaffte es in dieser Zeit, die Bank wieder auf solide Füsse zu stellen.

Inzwischen hat sich im US-Finanzsektor allerdings wieder ein gefährlicher Cocktail zusammengebraut. Chesney: «Es ist der Wilde Westen, in dem hohe Gewinne locken, aber auch die grössten Risiken.» Besonders im schwächer regulierten Schattenbankensektor lauern Gefahren. Über ihn laufen unter anderem riesige Geschäftsvolumen aus dem Bereich Private Credit. Grosse Fonds vergeben dabei Kredite an Privatfirmen – und die Fonds erhalten wiederum Kredite von Banken, damit sie einen zusätzlichen Hebel haben. «Auch die UBS ist in diesem Geschäftsfeld tätig», kritisiert Chesney.

Boni als Brandbeschleuniger

In den USA bieten Banken neu Wetten auf den Ausfall solcher Private Credits an, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Das lässt Erinnerungen an die Wetten vor der Finanzkrise wach werden. Weitere Risiken sehen Experten in den USA bei den riesigen Volumen an verbrieften Hypotheken bei Gewerbeimmobilien mit hohen Ausfallrisiken sowie bei der deregulierten Kryptobranche.

«Den Bankern und ihren Chefs winken bei den riskanten Geschäften riesige Boni», so Chesney. Auch das sei ein Brandbeschleuniger auf dem Weg in die nächste Finanzkrise. Das nächste Bankenbeben dürfte zeigen, ob das Schweizer Finanzinstitut im US-Geschäft bei seiner Kernkompetenz, der Vermögensverwaltung reicher Kunden, bleibt – und zwar auch, falls das Parlament die «Lex UBS» noch verwässern sollte.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen