Darum gehts
- Donald Trump verhängt ab 24.02.2026 10-Prozent-Zusatzzölle auf Importe
- Schweizer Pharmaindustrie bleibt verschont, Tech-Industrie profitiert von Zollsenkung
- Schweiz hat bis März 2026, um Handelsdeal mit USA abzuschliessen
Donald Trump (79) zieht die Zoll-Mauer sofort wieder hoch: Nach seiner Niederlage vor dem Obersten US-Gericht hat der US-Präsident zusätzliche Importzölle von 10 Prozent angeordnet – gültig ab Dienstag 6.01 Uhr Schweizer Zeit. Damit unterstreicht der Entscheider im Weissen Haus, dass er seine Zollpolitik nicht so einfach aufgibt. Trotz des Entscheids des Supreme Courts, dass alle Importabgaben auf Basis des Notstandsgesetzes IEEPA illegal sind, will der US-Präsident nun alternative Wege nutzen, um an seiner restriktiven Handelsstrategie festzuhalten.
Eine Variante ist eben die neuen globalen 10-Prozent-Zusatzzölle. Dabei stützt sich Trump auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974. Dieses erlaubt es, Zölle auf Importe für bis zu 150 Tage lang zu erheben. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen: Nicht gelten soll der Zoll für Arzneimittel und pharmazeutische Wirkstoffe sowie Autos und schwere Lastwagen. Heisst: Die Schweizer Pharmaindustrie, die wichtigste Exportbranche unseres Landes ist davon nicht betroffen. Welche Auswirkungen haben also diese Zusatzzölle? Und was heissen sie für die hiesige Wirtschaft?
Am Dienstag sinkt der US-Zoll
Zuerst die gute Nachricht: Die US-Zolllast für die Schweizer Exportfirmen ist ab Dienstag tiefer! Laut Informationen der hiesigen Wirtschaftsverbände Economiesuisse und Swissmem fällt nämlich der bisherige Zollsatz von 15 Prozent weg. Die neuen 10-Prozent-Zölle kommen dann zu den US-Importabgaben hinzu, die vor Trumps Zollhammer im letzten August gegolten haben. Diese betrugen durchschnittlich etwas weniger als 5 Prozent. «Die Belastung dürfte damit für die Schweizer Tech-Industrie ab Dienstag sogar leicht sinken», teilt der Tech-Industrie-Verband Swissmem gegenüber Blick mit.
Und doch ist in der Schweizer Wirtschaft kein Aufatmen zu spüren – im Gegenteil. Denn das Urteil des Obersten Gerichtshofs und auch der neue Zoll haben für mehr Unsicherheit gesorgt. «Trotz der Senkung des allgemeinen Zollsatzes bleibt für die Schweizer Wirtschaft weiterhin unklar, wie der Zugang zum wichtigen US-Markt künftig ausgestaltet wird», schreibt Economiesuisse in einer Stellungnahme. Swissmem spricht auf Anfrage von Blick von «fehlender Kohärenz und Vorhersehbarkeit der US-Zollpolitik».
Verbände drängen weiter auf Zolldeal mit Trump
Unklare Rahmenbedingungen sind Gift für Unternehmen, weil es sich so schlecht planen lässt. Die Schweizer Wirtschaft ist deshalb daran interessiert, dass die Handelsbeziehungen zu den USA möglichst stabil und verlässlich sind. Entsprechend pochen die Verbände darauf, dass der Bundesrat weiterhin einen rechtlich verbindlichen Zolldeal mit der Trump-Regierung abschliesst. Der Bund solle sicherstellen, «dass wir mindestens analoge Exportbedingungen haben wie unsere Konkurrenten», fordert Swissmem.
Nur: Langsam drängt die Zeit. Die Schweiz hat bis Ende März Zeit, mit den USA einen finalen Deal einzufädeln. Die Trump-Regierung wird den Druck auf die Schweiz aufrechterhalten. Und gleichzeitig gibt es nun Druck von Links. SP und Grüne fordern, dass der Bundesrat die Verhandlungen «für dieses unsägliche Abkommen» nun einstellt. Simon Evenett (56), Experte für Handels- und Geopolitik am renommierten Internationalen Institut für Managemententwicklung (IMD) in Lausanne, rechnet damit, dass die Schweizer Landesregierung nun auf Zeit spielen wird. «Natürlich höflich, damit man die US-Seite nicht zu sehr verärgert», sagte er zu Blick. Bisher schweigt der Bundesrat eisern.