Tochter von Ex-Migros-Chef Bolliger (†72)
Fabienne Bolliger landet Kosmetik-Coup in grösster Schweizer Apotheke

Jungunternehmerin Fabienne Bolliger hat geschafft, wovon viele Frauen träumen: Trotz fragwürdiger Angebote potenzieller Investoren hat sie eine eigene Kosmetikmarke lanciert. Für die Tochter des verstorbenen Ex-Migros-Chefs Herbert Bolliger ist das erste der Anfang.
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Ihre Produkte der eigenen Kosmetikmarke Rebelle Beauty gibt es seit kurzem in der Amavita am Zürcher Hauptbahnhof zu kaufen.
Foto: Milena Kälin

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fabienne Bolliger bringt ihre Kosmetikmarke Rebelle Beauty bei Amavita am Zürich HB in die Regale
  • Die Produkte bestehen vorwiegend aus natürlichen Inhaltsstoffen
  • Schon im ersten Jahr war Bolliger mit ihrer Marke erfolgreich
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Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Das Tor zu einem riesigen Markt ist für Fabienne Bolliger (40) nun weit offen: Stolz steht die Aargauerin in der Amavita-Apotheke am Zürcher Hauptbahnhof. Neben ihr im Regal fein säuberlich aufgereiht: Kosmetikprodukte ihrer eigenen Marke Rebelle Beauty. «Wenn ich das hier in der grössten Apotheke der Schweiz schon zum Fliegen bringe, wird vieles möglich werden», sagt Bolliger beim Ortstermin mit Blick.

Die Jungunternehmerin hat vor fünf Jahren ihre eigene Kosmetikmarke ins Leben gerufen; die Auswahl war allerdings bescheiden. «Die Haut braucht nicht zehn bis 20 Produkte», erklärt die Gründerin. Während der Pandemie habe sie gemerkt, dass die Produktpalette gar nicht mehr bieten muss. Es gibt eine Gesichtsreinigung sowie jeweils eine Creme für das Gesicht und die Augen. Für den Tag hat Bolliger eine leicht getönte Creme mit Sonnenschutzfaktor im Sortiment. 

Erfahrungen bringt die Gründerin von früheren Jobs in der Kosmetikbranche mit. Sie arbeitete unter anderem für L'Oréal oder Globus. Das Unternehmer-Gen hat sie offenbar von ihrem verstorbenen Vater in die Wiege gelegt bekommen: Ex-Migros-Chef Herbert Bolliger (1953–2025). Er war auch am Anfang dabei, hat für sie den Kontakt zur ETH hergestellt. «Er hat mich von Beginn weg unterstützt – hat sich aber nie eingemischt», so die Gründerin. «Ihm war klar, dass ich irgendwann mein eigenes Ding machen musste.»

Wichtig war Bolliger, dass ihr damals bereits erkrankter Vater ihre ersten Schritte als Gründerin miterleben kann. Er war auch bei den ersten Produktauslieferungen dabei.

Teure Produktion im Inland

Wo möglich, setze sie auf natürliche Inhaltsstoffe, betont die Gründerin. Die Gesichtsreinigung ist zu 99,2 Prozent natürlich, etwa die Lippenpflege. «Es braucht aber Konservierungsstoffe, sonst müsste ich in drei Monaten alle Produkte ausverkaufen», so Bolliger. Die Formel für ihre Produkte entwickelte sie gemeinsam mit Wissenschaftlern der ETH und liess sie patentieren. Die Produkte lässt sie in den Kantonen Zürich und Aargau produzieren. 

Doch das hat seinen Preis: Die Gesichtscreme kostet 120 Franken für 50 Milliliter Inhalt. Die Reinigung kostet 50 Franken. Bolliger hat nachgerechnet: «Wer jeden Morgen und Abend die Reinigung sowie die Gesichts- und Augencreme verwendet, zahlt dafür zwei Franken am Tag.» Ein gerechtfertigter Preis, wie sie findet – und vergleichbar mit der Konkurrenz. 

Trotz des teuren Preises kommen die Produkte, die es bisher im Internet zu kaufen gab, bei Frauen und auch Männern gut an. «Ich hatte schon im ersten Jahr einen Umsatz über dem Budget und war profitabel», so die Gründerin. Mittlerweile hat sie ein Büro in der Stadt Zürich. 

Bolliger selbst investierte 100'000 Franken in ihr Unternehmen und gründete mit dem Geld eine Aktiengesellschaft. Schnell fand sie einen Geldgeber, der noch mal 100'000 Franken investierte. Mit dem Verkauf der ersten Charge hatte sie das investierte Geld bereits wieder hereingeholt. «Das dauerte etwa ein halbes Jahr», so Bolliger, die sich bislang nur einen kleinen Lohn auszahlt.

Unangenehme Annäherungsversuche

Doch es gab auch Hürden auf ihrem Weg: Vergangenes Jahr traf Bolliger einen Geschäftsmann aus der Ostschweiz. Sie erhoffte sich einen weiteren Investor – er hatte offenbar anderes im Sinn. Schon beim Treffen im Café kommt es zu anzüglichen Berührungen, etwa einer Hand auf ihrem Oberschenkel. Kurz nach dem Treffen bekam Bolliger eine Sprachnachricht des 20 Jahren älteren Herrn, die Bolliger Blick anhören lässt. In der Nachricht schwärmt er von Bolliger als Frau und möchte sie gern daten. Als Unternehmerin fühlte sie sich nicht ernst genommen: «Da fragt man sich schon, wieso ein Mann seine Machtsituation bewusst ausnutzt, und das mit einer solchen Selbstverständlichkeit.» 

Persönlich hat sie die Situation getroffen. Doch Bolliger will anderen Frauen Mut machen, trotzdem den Schritt zur Gründung zu wagen: «Es muss nicht alles perfekt sein, hör einfach auf deine Intuition», rät sie. 

Das Ereignis gab ihr den nötigen Ansporn, es ohne den Investor zu schaffen. Sie setzte alle Hebel in Gang – und die Tür ging bei Amavita auf. In der Apotheke am Zürcher HB läuft aktuell eine Testphase. Kommen die Produkte bei der Kundschaft gut an, nehmen alle Filialen die Artikel von Rebelle Beauty ins Sortiment auf. Für die Zukunft hat Fabienne Bolliger schon weitere Produkte im Köcher, zum Beispiel eine Bodylotion.

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