Darum gehts
- Zwei Gründer aus Zürich erfinden Kaffee in der Tube für Outdoor-Fans und Touristen
- USA ist Hauptmarkt mit 75 Prozent Umsatz, trotz Zollprobleme 2025
- Gründer investierten 200'000 Franken, Umsatz 2026 über 1 Million Franken erwartet
Kaffee aus der Tube – was ist denn das? Erfinder dieses überraschenden Getränks sind die Schweizer Alexander Häberlin (36) und Philippe Greinacher (39). Die beiden Outdoor-Enthusiasten hatten es satt, bei ihren Ausflügen eine riesige Kaffee-Ausrüstung mitschleppen zu müssen, erzählen sie beim Besuch von Blick. Ihre Lösung: Kaffeekonzentrat aus der Tube. Ihre Firma No Normal ist kaum zwei Jahre alt.
Das Prinzip des Tubenkaffees ist simpel: Ein oder zwei Esslöffel der Paste in die Tasse drücken, heisses oder kaltes Wasser dazugeben, umrühren und fertig. «Die Paste lässt sich auch direkt mit Früchten, Keksen oder Schokolade essen», so Häberlin. Oder direkt ein Klecks vom Finger naschen – die beiden nennen das ihren «No Normal Espresso».
In der Schweiz gibt es die Kaffeetube unter anderem bei Outdoor-Ausrüstern Transa und Bächli Bergsport sowie bei verschiedenen Sportgeschäften. Einen Haufen Tuben verkaufen die beiden Gründer auch auf dem Titlis oder der Gornergrat Mall in Zermatt VS. Dort decken sich Touristen gerne mit dem in der Schweiz produzierten Kaffee ein. In diesem Jahr landet das Produkt bei Kaffeespezialisten Tchibo im Sortiment. So soll die breite Masse auf den Geschmack kommen.
Die USA als Schlüsselmarkt
Doch am meisten Tuben verkaufen die Gründer in Amerika: «Wir machen 75 Prozent des Umsatzes in den USA und 15 Prozent in Kanada», so Häberlin. 2025 erschwerten die US-Zölle den beiden Gründern die Arbeit – ausgerechnet in dem Jahr, wo die beiden ihre Jobs an den Nagel hingen und voll auf ihr Kaffee-Startup setzten.
«Wir haben den Kaffee bei 10 Prozent Zöllen rübergeschickt, bei 39 Prozent und auch jetzt bei null Prozent», so Greinacher. Am 13. November hob US-Präsident Donald Trump (79) die Zölle für Kaffee weltweit auf. «Nun sind wir wunschlos glücklich», so Häberlin. Höhere Preise wollten die Gründer ihren Kunden nicht zumuten, da sie mit 15 Franken pro Tube bereits die Kaufbereitschaft ausreizen. Die höheren Zoll-Kosten schulterten sie selbst: Zwischenzeitlich bezahlten sie sich 50 Prozent weniger Lohn aus.
Doch warum setzen sie auf die USA? «Das Land ist sehr innovationsfreundlich. Wir verschicken den Kaffee in die USA deutlich günstiger als nach Deutschland – und auch schneller», erklärt Häberlin, welcher früher im Produktdesign gearbeitet hat. Eigentlich würde er gerne mehr in Europa exportieren, doch die je nach Land aufwendige Bürokratie und die Versandkosten erschweren dies.
Das Startup führt in den USA sogar eine Tochtergesellschaft. Ein Partner in Denver kümmert sich um die Bestellungen aus dem Onlineshop sowie von den verschiedenen Händlern. Auch in Deutschland, Hongkong und in England setzen die Gründer auf Partner.
200'000 Franken aus eigener Tasche
Mit ihren Tuben wollen die beiden nicht der klassischen Kaffeemaschine den Kampf ansagen, sondern den Outdoormarkt weiter erobern. «Wir sind der vielseitigste, nachhaltigste und einfachste Kaffee der Welt», bewirbt sich Greinacher gleich selbst. Das Konzentrat lassen sie bei Gautschi in Utzenstorf BE herstellen, der Fairtrade-Kaffee stammt aus Kolumbien. Die Tube besteht aus rezykliertem Aluminium und lässt sich problemlos wiederverwerten.
In ihr Startup haben die beiden Jugendfreunde viel investiert. «Wir haben zusammen 200'000 Franken aus eigener Tasche in die Firma gesteckt», so Greinacher, der früher in der Unternehmensentwicklung tätig war. Mit einem Crowdfunding im Februar 2024 konnten sie die Erstproduktion finanzieren. «Die ersten 10’000 Tuben waren wir nach drei Monaten wieder los.»
Seit 2025 leben die beiden Familienväter von ihrem Unternehmen. «Wir haben beide tolle Ehefrauen, die gute Jobs haben und uns somit ermöglichen, dass wir uns relativ tiefe Löhne ausbezahlen können», so Greinacher.
Doch bald dürften ihre Löhne steigen, denn das Geschäft schenkt ein: In ihrem ersten Jahr 2024 betrug der Umsatz etwa 250'000 Franken, 2025 war es bereits doppelt so viel. «Dieses Jahr knacken wir die Million», so Greinacher. Mit neuen Produktvarianten soll das gelingen. Kollege Häberlin ergänzt: «2026 gehen wir aufs Ganze!»