Streit mit Hersteller Hess
Zürcher Verkehrsbetriebe haben genug von Schweizer Bussen

Die Zürcher Verkehrsbetriebe wollen einen 300-Millionen-Auftrag für neue Busse neu ausschreiben. Hintergrund ist ein Streit mit dem Busbauer Hess aus Bellach SO, der die VBZ bisher beliefert hat. Kommen die Zürcher Busse also bald aus China?
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Die Verkehrsbetriebe Zürich schreiben im Januar einen Auftrag für bis zu 100 Busse aus.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • VBZ plant Ausschreibung für 100 Elektrobusse im Januar in Zürich
  • Hess und MAN verlieren wegen Zuverlässigkeitsproblemen wohl neuen Auftrag
  • Investitionsvolumen beträgt bis zu 300 Millionen Franken
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Michael HotzRedaktor Wirtschaft

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) planen die Vergabe eines Grossauftrags in dreistelliger Millionenhöhe: Noch im Januar werden sie den Kauf von bis zu 100 Elektrobussen ausschreiben, berichtet die «Aargauer Zeitung». Das Investitionsvolumen: bis zu 140 Millionen Franken. Die Ausschreibung soll interessierten Unternehmen zudem ermöglichen, zusätzlich noch ein Angebot für bis zu 100 Trolleybusse zu inkludieren. Das erhöht den Wert des VBZ-Auftrags auf total 300 Millionen Franken.

Das Brisante daran: Eigentlich könnte der Stadtzürcher ÖV-Betreiber die Busse direkt und ohne Ausschreibung beim Schweizer Hersteller Hess mit Sitz in Bellach SO und dem deutschen Busbauer MAN bestellen. Denn aus früheren Vergaben sind noch Optionen auf Busslieferungen offen. Nur: Die VBZ sind laut dem Bericht so richtig genervt von Hess und MAN. Bei den Bussen beider Hersteller tauchen immer wieder Störungen und Probleme auf. Dadurch haben sich bisherige Lieferungen oft verzögert. Die VBZ sehen sich «mit erheblichen und anhaltenden Herausforderungen in Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit unserer MAN- und Hess-Busflotte konfrontiert», so eine Sprecherin zur «Aargauer Zeitung».

Erinnerungen an SBB-Grossauftrag für Siemens

Der Busbauer Hess weist gegenüber der Zeitung darauf hin, dass man aufgrund des Kriegs in der Ukraine ein Werk in Belarus habe schliessen müssen. Und die technischen Probleme werde man «Schritt für Schritt» beheben. Die Situation bedauere man «ausserordentlich». Auffällig: Bei einer Auftragsvergabe Anfang November 2025 ging Hess im eigenen Kanton leer aus. Der Busbetrieb Solothurn Grenchen und Umgebung und der Regionalverkehr Bern-Solothurn vergab den Auftrag für 39 vollelektrische Gelenk- und Normbusse stattdessen an die deutsche die Daimler AG.

Theoretisch können sich Hess und auch MAN auf den neuen Grossauftrag der VBZ wieder bewerben. Dass sie den Zuschlag bekommen, scheint aber nicht realistisch zu sein. Dadurch ist klar: Weil Hess der einzige Schweizer Busbauer ist, dürfte der VBZ-Auftrag ins Ausland gehen. So wie das auch bei der Beschaffung von 116 Doppelstockzügen durch die SBB der Fall ist. Die Bundesbahnen vergaben diesen Mega-Auftrag im November an Siemens. Der Thurgauer Zugbauer Stadler von Patron Peter Spuhler (67) ging leer aus, was hierzulande für grosses Aufsehen gesorgt hat.

Kommen beim VBZ-Auftrag nun sogar chinesische Hersteller zum Zug? Grosse Konzerne aus China stossen gerade nach Europa vor. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagten die VBZ, dass chinesische Busse «grundsätzlich denkbar» seien.

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