Darum gehts
- Das Skigebiet Splügen-Tambo steht vor der Zahlungsunfähigkeit, Rettung ungewiss
- Gemeinde Rheinwald soll mit 800'000 Fr. helfen, Entscheid am 18. Juni
- Investor Jan Michal will 300'000 Fr. investieren, plant 150-Millionen-Projekt
Die Bergbahnen Splügen-Tambo stehen mit dem Rücken zur Wand. Das Bündner Skigebiet in Splügen GR hat mehrere schwierige Wintersaisons hinter sich. Immer wieder machte den Betreibern der fehlende Schnee zu schaffen. Die Folge: deutlich weniger verkaufte Tickets, Verluste in der Gastronomie. Nach einem weiteren miesen Winter ist die Kasse jetzt leer. Nun soll die Gemeinde Rheinwald GR mit 800'000 Franken einspringen und das Skigebiet vor dem Kollaps retten, wie «Südostschweiz» schreibt.
Über den Rettungsplan der Bergbahnen entscheidet die Bevölkerung am 18. Juni. Geht es nach dem Gemeindevorstand, gibt es kaum eine Alternative. Die Liquidität sei «bereits seit dem Frühjahr nicht mehr vorhanden und der Betrieb wird nicht mehr aus eigener Kraft über das Sommerhalbjahr kommen», so die dramatischen Worte in der Botschaft der Gemeinde. Heisst: Ohne frisches Geld droht die Zahlungsunfähigkeit. Und damit das Aus der Anlagen.
Auch Investor greift erneut in die Tasche
Dabei ist die öffentliche Hand bereits stark engagiert. Allein bei der Gemeinde sind offene Rechnungen von 300'000 Franken aufgelaufen, vor allem für Strom. Bis Anfang 2027 könnte sich dieser Betrag auf eine halbe Million Franken erhöhen. Auch Investor und Verwaltungsratspräsident Jan Michal (63) greift nochmals tief in die Tasche. Er will laut der «Südostschweiz» offene Forderungen von 140'000 Franken in ein Darlehen umwandeln und zusätzlich weitere 300'000 Franken bereitstellen. Er fordert ein Ja zur 800'000-Franken-Vorlage und warnt: «Sonst verlieren wir die Bahnen.»
Dass sich Jan Michal derart exponiert, erstaunt nicht. Der aus Prag stammende Geschäftsmann hat Grosses vor in Splügen. Das Bündner Dorf mit 420 Einwohnern hat er einst auf einer Töff-Tour entdeckt, sich verliebt – und das Portemonnaie geöffnet. 30 Millionen Franken hat der Tscheche bereits investiert. Und ein historisches Hotel, das zuletzt als Asylunterkunft genutzt wurde, umgebaut und neu eröffnet. Hotel Speluca heisst das Haus. Es hat 33 Zimmer und sechs Appartements mit 115 Betten, einen Seminarraum, einen Saal und eine eigene Brauerei. Mit 35 Angestellten ist das Speluca nach den Bergbahnen der grösste Arbeitgeber im Tal.
Feriensiedlung mit 500 Betten
Doch das ist erst der Anfang. Der Investor glaubt an das historische Dorf auf 1457 Metern über Meer am Fusse des Splügenpasses. Und plant nichts weniger als den Befreiungsschlag. Michal will direkt an der Talstation des Skigebiets Splügen-Tambo eine ganze Feriensiedlung mit 500 Betten bauen – vor allem Ferienwohnungen. Bis zu 150 Millionen Franken sollen ins Resort Rheinwald fliessen. Weitere 400 Betten sind geplant. Touristisch würde Splügen dann in einer anderen Liga spielen als heute. Ohne Bahnen geht das aber nicht.