Darum gehts
- In Bivio GR soll der Tua-Lift durch Kunstschnee gerettet werden
- Investitionen von 1,3 Millionen Franken geplant, inklusive moderner Schneekanonen
- Seit 2000 verschwanden über 40 Prozent der Schweizer Skilifte
Dieser Tage hudelt und schneit es in den Schweizer Bergen gewaltig! Über mangelnden Schnee kann sich niemand beklagen. Auf lange Sicht gesehen ist die weisse Pracht in mittleren Lagen allerdings Mangelware. Auch auf 1800 Metern ist Schnee keine Garantie mehr. In Bivio GR steht deshalb der Skilift Tua auf der Kippe – er führt von 1800 bis auf 2200 Meter über Meer. Schneekanonen gibts keine. Fehlt der Naturschnee, bleibt die Anlage geschlossen – wie so oft in diesem Winter.
Jetzt will die Bivio Sportanlagen AG handeln, wie die «Südostschweiz» berichtet. Fünf neue Schneekanonen im unteren Abschnitt sollen im bei Familien beliebten Skigebiet mit drei Liften künftig für Planungssicherheit sorgen. Geplant ist ein Investitionspaket in zwei Etappen. Zuerst wird im Sommer die bestehende Beschneiung modernisiert, eine zweite Pumpe sorgt für mehr Effizienz. 2027 folgt die eigentliche Kunstschnee-Anlage für den Tua-Lift. Gesamtkosten: 1,3 Millionen Franken.
Bloss keine fremden Investoren
Dumm nur: Für das Skigebiet am Julierpass ist das viel Geld. «Die Finanzierung dieses Efforts ist aus den laufenden Erträgen nicht möglich», sagt Verwaltungsratspräsidentin Dorothe Kienast. Deshalb soll im Herbst eine Kapitalerhöhung von mindestens 500’000 Franken beschlossen werden. Doch eines ist klar: Kein fremder Grossinvestor soll übernehmen. «In Bivio soll der Lift sozusagen im Dorf bleiben», betont Kienast gegenüber der «Südostschweiz». Man hofft in Bivio auf Einheimische, Gäste und Fans, die Aktien zeichnen.
Dass das funktionieren kann, zeigt ein Blick ins Wallis. Dort wurde mit dem Törbeltal-Lift eine Schweizer Attraktion gerettet: Er ist mit seinen rund 650 Höhenmetern, die er überwindet, der Skilift mit der schweizweit grössten Höhendifferenz. Er bringt Wintersportler im Skigebiet Moosalp von 1883 auf 2550 Meter über Meer. Der 1978 gebaute Skilift musste dringend saniert werden. Über eine Million Franken war dafür nötig. Geld, das die Bahnen nicht einfach auf den Tisch legen konnten.
40 Prozent der Lifte verschwunden
Derart spektakuläre Rettungen bleiben allerdings die Ausnahme. Vielen Liften wird schweizweit der Stecker gezogen, weil die Kosten zu hoch sind und der Schnee ausbleibt. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität Dortmund (D) zum Skiland Schweiz. Das ernüchternde Ergebnis: Von den rund 550 jemals eröffneten Skigebieten und Mini-Liften in unserem Land gibt es einen Grossteil nicht mehr – nämlich über 40 Prozent.
Und der Abbau von kleinen Schleppliften in den Dörfern und sogar von ganzen Destinationen hält an. Bivio ist zu wünschen, dass es mit den neuen Schneekanonen die Kurve kriegt.