Darum gehts
- Investoren planen ganzjähriges Tourismusprojekt am Gotthardpass mit Seilbahnnetz
- Initianten bleiben anonym, Landschaftsschutz kritisiert Eingriffe in Natur
- Studie zeigt keine gravierenden Risiken, weitere Prüfungen erforderlich
Am Gotthardpass ist im Sommer der Teufel los. Ausflügler, Wanderer und Touristen, die auf dem Weg in den Süden nicht vor der Gotthard-Röhre stehen wollen, teilen sich die Bergwelt auf 2100 Metern über Meer. Im Winter aber kehrt Ruhe ein auf dem wichtigsten Schweizer Pass. Die Strasse ist gesperrt, das Restaurant geschlossen. Nur vereinzelte Tourengänger ziehen ihre Spuren in den Tiefschnee.
Mit dieser Ruhe könnte es bald vorbei sein. Private Investoren wollen den legendären Pass mit einem Grossprojekt touristisch ganzjährig erschliessen – und lösen damit eine heftige Debatte aus, wie SRF berichtet. «Porta Gottardo» nennen sie ihr Projekt. Geplant ist ein Seilbahnnetz, das Airolo TI, die Passhöhe und den Gemsstock verbindet – mit direktem Anschluss an das Skigebiet Andermatt UR. Zusätzlich ist eine zweite Linie Richtung Realp UR vorgesehen.
Initianten verstecken sich
Wer hinter dem Projekt steht, ist noch nicht bekannt. Die Initianten verstecken sich hinter dem nichtssagenden Namen «Gruppo promotore Porta Gottardo». Bereits formiert hat sich aber der Widerstand. Und die Gegner kämpfen mit offenem Visier. Wenn mehrere Seilbahnen in eine intakte Landschaft gebaut werden, «dann sind das grosse Eingriffe in dieses wilde Gebiet», sagt Franziska Grossenbacher (44), Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, gegenüber SRF.
Tourismus-Experte Jürg Stettler (59) von der Hochschule Luzern sieht zwar Potenzial. Das Einzugsgebiet reiche von Zürich bis Mailand, die Höhe stimme. «Die zentrale Frage wird aber sein, ob es gelingen wird, eine solche Gebietserweiterung wirtschaftlich zu betreiben», sagt er zu SRF.
Erste Hürde genommen
Am Dienstag hat das umstrittene Tourismusprojekt «Porta Gottardo» eine erste wichtige Etappe genommen, wie der «Corriere del Ticino» schreibt. Demnach kommt eine vorläufige Umwelt- und Landschaftsverträglichkeitsstudie zum Schluss, dass es derzeit keine Gründe gibt, die eine Weiterplanung verhindern würden. Zwar seien noch vertiefte Abklärungen nötig, gravierende Umweltrisiken nennt der Bericht aber nicht.