Darum gehts
- Zirkus Stey in Konkurs, Tournee abgesagt
- Ex-Finanzchef beschuldigt, Rechnungen nicht bezahlt, 30 Mitarbeitende entlassen
- Ausstehende Löhne und Heimreisen jedoch gedeckt
Die Unterhaltungs- und Zirkusbranche ist bekanntlich ein knallhartes Umfeld. Jetzt fordert sie ihr nächstes Opfer: Der Zirkus Stey steht vor dem finanziellen Aus. Das Unternehmen hinter Zirkus, die Stey Attraktionen GmbH mit Sitz in Amlikon-Bisegg TG, hat Konkurs angemeldet, wie ein Blick ins Thurgauer Amtsblatt offenbart.
Es ist ein harter Schlag. Der Familienbetrieb gehört zu den traditionsreichsten Zirkusdynastien der Schweiz, seit mehreren Hundert Jahren ist der Name ein Begriff. Jetzt droht das abrupte Ende. Auf der Homepage prangt unübersehbar: «Sommerpause». Die laufende Tournee ist abgesagt, allen 30 Mitarbeitenden wurde gekündigt, wie Rolf Stey (81), ehemaliger Leiter des Familienzirkus, gegenüber der «Thurgauer Zeitung» erklärt. Sohn Martin (49) übernahm vor 15 Jahren die Zügel. Damals hätte niemand gedacht, dass der Zirkus heute schliessen muss.
Schwere Vorwürfe
In welch schwierigen Umfeld sich die Zirkusfamilie behaupten muss, war ihr stets bewusst. «Jeder kämpft gegen jeden», meinte Martin Stey noch vor acht Jahren gegenüber Blick. Nun erhebt Vater Rolf Stey schwere Vorwürfe gegen den früheren Finanzverantwortlichen. «Er hat die Rechnungen einfach nicht bezahlt. Wir wissen nicht, wo unser Geld abgeblieben ist», sagt er gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Der Mann stiess vor einem Jahr dazu. «Er hat den Zirkus praktisch innert eines Jahres kaputtgemacht.»
Gemäss Stey liess der Finanz-Chef nicht zu, dass man seine Arbeit unter die Lupe nehmen konnte. Stutzig wurde die Familie, als Artisten im Frühling ihre Löhne nicht rechtzeitig erhalten hatten. Die Familie selbst sprang ein. Auch jetzt zum Schluss sind alle ausstehenden Gehälter bezahlt und die Heimreise der Zirkuskünstler gedeckt.
Der Beschuldigte wollte sich gegenüber der «Thurgauer Zeitung» nicht zu den Vorwürfen äussern. Die Familie Stey hat auf weitere Fragen von Blick ebenfalls nicht reagiert.
Nicht ganz am Ende
Den Bettel will Rolf Stey aber nicht gleich hinwerfen. «Wir sind Zirkusleute, wir hören nicht so schnell auf», meint er. So sollen etwa der Frauenfelder und Krienser Weihnachtszirkus fortbestehen. Zudem habe die Familie bereits neue Projekte im Kopf.
Es ist die Kämpfereinstellung, welche in der Unterhaltungsbranche typisch ist. Ähnlich gibt man sich nämlich beim grössten mobilen Kultur- und Eventtheater: «Das Zelt» musste per Ende Mai seine Tournee pausieren, wie Direktor Adrian Steiner (58) gegenüber Blick bestätigte. Die Shows an den Standorten St. Gallen und Luzern finden nicht statt. Betroffen sind 17 Vorstellungen und drei Firmen-Events.
Die Gründe für den sofortigen Stopp lagen gemäss Gründer Steiner in einer «Verkettung schwieriger Umstände». Doch auch er steckt den Kopf nicht in den Sand. Mit einem kleineren Zelt soll die Tournee ab September wieder Fahrt aufnehmen. «Wir machen nur eine Pause, um danach umso stärker und gesünder zurückzukehren.»
Die Schweiz ist für hiesige Zirkusse generell ein hartes Pflaster. Der legendäre Circus Royal ging 2020 Konkurs. Der umtriebige Tausendsassa Beat Breu (68) ist 2019 mit seinem eigenen Zirkus schon nach 14 Vorstellungen gescheitert. Und im Herbst 2025 musste der Bündner Circus Maramber seine Tournee vorzeitig beenden. Das Direktorenpaar Ramona (47) und Marco Berger (50) verkauften grosse Teile des Zirkus auf Ricardo. Bislang gab es kein Maramber-Comeback.