Darum gehts
- Obersaxen-Mundaun stellt einen Teil der Lifte vorzeitig ab trotz bester Schneeverhältnisse
- Saisonkarten-Inhaber empört, da Pisten ohne Vorwarnung geschlossen wurden
- Nur 24 Prozent der 120 Pistenkilometer künstlich beschneibar
Neuschnee und Sonne lockten Skisportbegeisterte in den letzten Wochen in die Berge. Auch für die Osterfeiertage und Frühlingsferien sind die Schneebedingungen in tieferen bis mittleren Lagen viel besser als auch schon in dieser Saison. «Es hat in Obersaxen nochmals neuen Schnee gegeben, die Verhältnisse sind so gut wie noch nie in diesem Winter», sagt Marlis B.* (48) zu Blick.
Die Thurgauerin belegt ihre Aussagen mit Fotos von Pisten am Piz Mundaun, aufgenommen am vergangenen Wochenende. «Ausgerechnet jetzt stellen die Bergbahn-Betreiber uns die Lifte ab», klagt die begeisterte Skifahrerin, die anonym bleiben möchte.
Saisonkarten-Inhaber von Teilschliessung überrumpelt
Lediglich eine «handgekritzelte Nachricht» am Sessellift Valata-Cuolm Sura informiere die Wintersportler über das bevorstehende, vorzeitige Ende der Saison. Offiziell endet diese für das gesamte Skigebiet erst am 6. April.
«Wir sind erschrocken und verärgert, weil wir wie jedes Jahr um diese Zeit nochmals Skiferien in Obersaxen-Mundaun machen», sagt B. «Die Schliessung der Lifte ist eine Frechheit für eine Bergbahn, die Werbung für ein ‹ausgefuxtes Skigebiet› macht.»
Drei Bergbahnen teilen sich das Familienskigebiet mit 120 Pistenkilometern: Val Lumnezia, Obersaxen und Piz Mundaun. Letztere haben in Eigenregie – ohne die Saisonkarten-Inhaber per Mail oder SMS zu informieren – über das vorzeitige Aus ihrer Lifte und Pisten entschieden, heisst es von Betroffenen. Um von der Talstation Valata in den Teil des Skigebiets zu kommen, der noch bis nach Ostern offen hat, braucht es ein Auto oder das Postauto. «Bei diesen tollen Schneeverhältnissen am Mundaun ist dies einfach bescheuert», sagt B.
Geschlossene Pisten, voller Ticketpreis
Zur Erinnerung: Die Bergbahn Obersaxen-Mundaun, in deren Verwaltungsrat Ex-Skistar Carlo Janka (39) sitzt, sorgte in der aktuellen Wintersaison schon einige Male für Unmut bei den Skigästen. Zuletzt in den Sportferien, als nur 18 von 45 Pisten geöffnet waren. Auch der 6er-Sessel auf den Piz Mundaun blieb geschlossen. Zahlen mussten die Skigäste trotzdem den vollen Preis von 67 Franken für die Tageskarte. Das Problem: Im Familienskigebiet lassen sich nur 24 Prozent der Pisten künstlich beschneien.
Nicht nur auf Schildern am Lift, sondern auch auf der Website der Bergbahnen ist das vorgezogene Saison-Aus für den betroffenen Teil des Skigebiets inzwischen vermerkt. Am gestrigen Dienstag waren ebenfalls nur noch 18 von 45 Pisten offen und 6 von 15 Anlagen am Laufen.
Neben spontanen Feriengästen seien vor allem Saisonkarten-Inhaberinnen und -Inhaber nun die Leidtragenden, zu denen sich Marlis B. und ihre Familie zählen. Sie verbringe mit ihrem Freundeskreis von Kindesbeinen an ihre freien Tage – Sommer wie Winter – in ihrer Ferienwohnung in Valata, konsumiere in den regionalen Restaurants. Ihr Ärger ist darum gross. «Zuerst wird der Mundaun sehr lange nicht geöffnet, und dann wird er einfach geschlossen.» Vom Sekretariat der Bergbahnen habe sie am Telefon die Begründung erhalten, dass «sie aufgrund der schlechten Frequentierung entschieden haben, zu schliessen».
Rest-Skigebiet bis Ostermontag geöffnet
Dem widerspricht Bergbahn-Geschäftsführer Markus Good. Man sei zwar mit «einzelnen Angeboten» zurückgefahren. «Wir bieten unseren Gästen aber über die Ostertage nach wie vor breite und bestens präparierte Pisten.» Der überwiegende Teil der Saisonabo-Kunden sei mit den Leistungen der Bergbahnen Obersaxen-Mundaun zufrieden. «Reklamationen nehmen wir ernst und binden diese in unseren laufenden Verbesserungsprozess ein», so Good. Sein Sekretariat merkt zudem an, dass andere Bergbahnen wie etwa Brigels auf der gegenüberliegenden Seite bereits viel früher als Mundaun die Wintersaison beendet hätten.
B. kann nur den Kopf schütteln: «In Obersaxen sind der Grossteil der verkauften Tickets Saisonabonnements, und genau diese Besitzer werden hier übergangen. Die Bergbahnen verlieren nichts. Ihre Einnahmen bleiben nämlich dieselben.»
* Name geändert