Das sind die teuersten Skigebiete Europas
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Auch Schweiz in Top 10:Das sind die teuersten Skigebiete Europas

Schneemangel setzt Pistenbetreibern zu – und macht den Betrieb teurer
Warum wir für wenig Pistenspass trotzdem den Vollpreis zahlen

Viele Skigebiete in der Schweiz verlangen trotz vieler geschlossener Pisten den vollen Preis. Elm und Tschiertschen hingegen senken ihre Tarife. Ein Experte erklärt, wieso das für Skigebiete nicht so einfach ist.
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Im Bündner Skigebiet Obersaxen Mundaun sind immer noch 30 Pisten gesperrt.
Foto: Lesereporter

Darum gehts

  • Schneemangel führt zu geschlossenen Pisten und teils hohen Preisen
  • Elm und Tschiertschen senken Preise bei reduziertem Betrieb
  • Nur 24 Prozent der Pisten in Obersaxen Mundaun beschneibar
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Riccarda CampellRedaktorin Wirtschaft

Diese beiden Familien-Skigebiete sind eine grosse Ausnahme: Die Bergbahnen Tschiertschen GR und Elm GL senken ihre Tageskartenpreise, wenn wegen Schneemangels weniger Pisten in Betrieb sind. «Bislang haben wir fast die ganze Saison reduzierte Preise angeboten», bestätigt ein Sprecher der Bergbahnen Tschiertschen auf Anfrage. Die Preise variieren auch in den kommenden Wochen zwischen 43 und 58 Franken.

In Elm sind mittlerweile 60 Prozent der Pisten geöffnet. Möglich macht das die künstliche Beschneiung. «Pisten, die auf Naturschnee angewiesen sind, sind leider immer noch geschlossen», so ein Sprecher des Skigebiets. Ein Erwachsener zahlt derzeit für ein Tagesticket in Elm 53 Franken statt 59, gut 10 Prozent weniger. 

Diese Preisreduktionen freuen die Skifans, andernorts verlangen Bergbahnen den vollen Preis, obwohl nicht einmal das halbe Skigebiet befahrbar ist. Und sorgen damit für Ärger bei den Gästen.

Zum Beispiel das Skigebiet Obersaxen Mundaun GR in der Surselva: Aktuell sind nur 18 von 45 Pisten geöffnet. Skigäste zahlen aber den Vollpreis von 67 Franken für die Tageskarte. «Zukünftige Investitionen sowie auch der Betrieb von technisch beschneiten Pisten sind kostenintensiv. Deshalb halten wir aktuell am Tarif fest», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Auffällig: Nur 24 Prozent der Pisten lassen sich künstlich beschneien. 

Halbes Skigebiet, voller Preis

Auch die Skigebiete Savognin GR, Toggenburg SG und Airolo TI verzichten bewusst auf tiefere Tageskartenpreise, wenn wegen Schneemangels weniger Pisten befahrbar sind. «Ein Skibetrieb verursacht hohe Fixkosten, die weitgehend unabhängig von der Schneesituation anfallen», erklärt Nicola Mona (50), Direktor des Skigebiets Airolo. Auch in Savognin argumentieren die Verantwortlichen so. Eine proportionale Preisreduktion nach verfügbaren Pistenkilometern greife zu kurz, heisst es weiter. 

In Savognin sind aktuell 16 von 25 Pisten in Betrieb, das Tagesticket kostet 75 Franken. In Airolo sind es 12 von 25 Pisten bei einem Preis von 54 Franken, und im Toggenburg zahlt man für 15 geöffnete Pisten 63 Franken. Allen drei Gebieten ist gemeinsam, dass sie auf dynamische Preise setzen. Diese richten sich nach Wetter, Wochentag, Auslastung, Buchungszeitpunkt und Angebot. Ziel der dynamischen Preise ist vor allem die Steuerung der Nachfrage: An Spitzentagen steigen die Preise, Gäste weichen auf günstigere Tage aus, der Andrang nimmt ab.

Hoher Aufwand bei Schneemangel

Tourismusexperte Gian-Reto Trepp (36) von der Fachhochschule Graubünden erklärt: «Grundsätzlich ist das Problem, dass Skigebiete vom Vollbetrieb ausgehen müssen.» Die meisten Kosten fallen unabhängig vom Schnee an. Dazu gehören Betrieb und Unterhalt der Bergbahnen, Personal, Energie, Infrastruktur sowie Sicherheits- und Rettungsdienste. Nur ein kleiner Teil der Kosten ist variabel, etwa die Pistenpräparation, zusätzliche Personaleinsätze oder erweiterte Sicherheitsmassnahmen.

Paradox: Schneemangel macht den Betrieb oft teurer. Je mehr Pisten künstlich beschneit werden müssen, desto höher der Aufwand. «Das heisst, nur schon, um das Grundangebot zu bieten, haben sie einen grösseren Aufwand, als wenn alles vom Himmel fallen würde», sagt Trepp. Tiefere Preise hält der Experte für keine Lösung. Das Risiko müsste im Grundpreis eingerechnet werden. «Das hätte jedoch den Effekt, dass Skifahren generell viel teurer werden würde.»

Besonders Skigebiete in mittleren Lagen zwischen 1200 und 1800 Metern sind vom Schneemangel betroffen. Tourismusexperte Trepp schlägt vor: «Bergbahnen können die Sommersaison verlängern oder gar nicht erst auf den Winterbetrieb umstellen.» So hat es Chur-Brambrüesch GR gemacht. Im schneelosen Dezember haben sie wieder auf Bikebetrieb umgestellt. Doch diese Flexibilität haben nicht alle. Trepp ergänzt: «Es wird sicher gewisse Gebiete geben, die nicht mehr existieren können.»

Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Weniger Schnee, mehr Beschneiung und höhere Risiken treiben die Preise auf lange Sicht nach oben, so Trepp: «Skifahren entwickelt sich zu einem Angebot, das sich nicht mehr alle werden leisten können.»

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