Darum gehts
Sie heissen Amana Wealth AG, FAB Private Bank oder Swisspartners. Nie gehört? Dabei sind diese drei Schweizer Vermögensverwalter echte Pioniere. Sie gehören zu den ersten Anbietern, die einen erleichterten Zugang zum britischen Markt bekommen.
Möglich macht dies das «Berne Financial Services Agreement», das Finanzministerin Karin Keller-Sutter und der damalige britische Schatzkanzler Jeremy Hunt mit grossem Pomp Ende 2023 in Bern unterzeichneten. Das Abkommen hat zum Ziel, Finanzdienstleistern aus beiden Ländern freien Zugang zum Markt des jeweils anderen Landes zu gewähren – und zwar für Banken und Versicherer.
Ein einfaches Prinzip
Dazu akzeptieren beide Länder die Regeln des anderen als jeweils gleichwertig. Konkret können Schweizer Vermögensverwalter dank dem Vertrag vermögende Briten aus der Schweiz heraus betreuen, die Kunden müssen dazu mindestens ein Anlagevermögen von 2 Millionen Pfund (2,1 Millionen Franken) haben. Seit der feierlichen Unterzeichnung war es lange still um den Vertrag geworden, doch seit Anfang Jahr ist er in Kraft. Und das Interesse daran ist gross.
Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.
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Einer der ersten Schweizer Vermögensverwalter, der das «Go» für den britischen Markt erhalten hat, ist die Swisspartners AG, eine Tochtergesellschaft der Swisspartners Group AG. «Wir betreuen bereits Kunden aus Grossbritannien, daher machte der Schritt für uns Sinn», sagt Christian Dietsche, CEO der Swisspartners AG. Insgesamt verwaltet die Gruppe 5,5 Milliarden Franken.
Einfaches Verfahren
«Die Zulassung ging sehr schnell, wir bekamen sie von der Finma schon nach wenigen Wochen.» Der Antrag selbst sei mit wenig Aufwand verbunden. Vermögensverwalter melden ihr Interesse zur Registrierung bei der Finma an, diese prüft und meldet dann ihr Okay der britischen Aufsicht FCA. «Die FCA hat danach dreissig Tage Zeit, den Schweizer Finanzdienstleister in das Register einzutragen», sagt Vanessa Dubra, Leiterin Internationales bei der Schweizerischen Bankiervereinigung. «Unserer Erfahrung nach verlief der gesamte Prozess effizient und ohne übermässigen Verwaltungsaufwand», sagt Helene Stocker, von der Arter Asset Management AG.
Auch die Big Guys der Branche mit eigener UK-Tochter wie etwa die UBS schauen sich die neuen grenzüberschreitenden Geschäftsmöglichkeiten an. Ebenso ist von namhaften Privatbanken zu hören, dass sie die neuen Möglichkeiten mit grossem Interesse prüfen. Auch die ZKB schaut sich das an: «Wir prüfen derzeit, ob der britische Markt für uns möglicherweise als aktiver Markt eine Opportunität darstellen könnte», sagte ZKB-Chef Urs Baumann der Handelszeitung.
Die Branche hofft zudem, dass das Prinzip gegenseitiger Regelanerkennung Schule machen wird. «Die Anwendung des Abkommens wird von anderen Jurisdiktionen wie der EU, aber auch den USA und den Staaten in Nahost mit Interesse verfolgt», sagt Verbandsexpertin Dubra. Denn die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche ist eine Exportindustrie.
Seit Jahrzehnten lechzt sie danach, EU-Kunden endlich einfacher von der Schweiz aus betreuen zu dürfen. Bisher erlaubt dies nur Deutschland, wozu indes eine eigene Zulassung der deutschen Aufsicht Bafin nötig ist. Nun soll britischer Pragmatismus zum Exportschlager werden.