Darum gehts
- Russland profitiert wirtschaftlich stark vom Iran-Krieg durch steigende Rohstoffpreise
- US-Sanktionen auf russisches Öl wurden gelockert, Exporteinnahmen verdoppeln sich
- Russland verdient täglich bis zu 760 Mio. US-Dollar aus Rohstoffverkäufen
Weniger Aufmerksamkeit, Export von Erdöl und Erdgas und US-Sanktionen, die gelockert werden: Russland profitiert aktuell vom Krieg im Iran. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des Magazins «Business Insider Polska».
Die Eskalation im Nahen Osten spült Milliarden in die Kassen des Kremls. Laut Schätzungen des Instituts der Kiewer Wirtschaftshochschule (KSE) verdient Russland derzeit täglich bis zu 760 Millionen US-Dollar durch den Verkauf von Rohstoffen.
Trump-Entscheid spielt Putin in die Hände
Allein im März 2026 sollen sich die Exporteinnahmen des Landes von 12 Milliarden auf 24 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Der Grund dafür liegt in den steigenden Rohstoffpreisen und der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Sanktionen auf russisches Öl vorübergehend aufzuheben.
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den globalen Ölmarkt sind enorm. Die Blockade der Strasse von Hormus, einer der wichtigsten Öltransportwege der Welt, hat die Preise in die Höhe getrieben. Der Preis für Brent-Öl stieg um 38 Prozent auf rund 100 US-Dollar pro Barrel. Gleichzeitig verteuerte sich russisches Öl laut Experten noch drastischer – um beachtliche 72 Prozent.
«Es ist schlichtweg verrückt»
«Die aktuelle Marktentwicklung ist schlichtweg verrückt», kommentiert Borys Dodonow vom KSE. Früher habe Russland Öl mit grossen Rabatten verkauft, doch diese seien nun stark gesunken oder ganz verschwunden.
Zusätzlich hat eine Entscheidung des US-Finanzministeriums der russischen Wirtschaft in die Hände gespielt. Die temporäre Genehmigung, bereits auf Tankern befindliches russisches Öl zu kaufen, erlaubt Moskau, den Rohstoff zu Marktpreisen zu verkaufen. «Das erhöht die Einnahmen Russlands pro Barrel erheblich und füllt ihre Taschen mit Bargeld», warnt Simon Johnson, Nobelpreisträger und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, gegenüber der Zeitung.
Gleichzeitig sind die Rabatte auf russisches Öl für China deutlich gesunken, was die Einnahmen des Kremls weiter in die Höhe treibt. Während eines Treffens am Montag im Kreml rief Präsident Wladimir Putin (73) russische Öl- und Gasunternehmen dazu auf, die zusätzlichen Gewinne verantwortungsvoll einzusetzen.
Putin: «Das wäre eine reife Entscheidung»
«Russische Öl- und Gasfirmen sollten die zusätzlichen Einnahmen aus den steigenden Weltmarktpreisen für fossile Brennstoffe nutzen, um ihre Schulden zu reduzieren und Verbindlichkeiten gegenüber inländischen Banken zu begleichen. «Das wäre eine reife Entscheidung», sagte Putin.
Die geopolitische Krise in der Golfregion hat Moskau kurzfristig nicht geschadet – im Gegenteil: Sie hat die wirtschaftliche Position Russlands gestärkt und die Abhängigkeit der globalen Märkte von russischen Rohstoffen erneut verdeutlicht.
Dieser Artikel ist zuerst auf «Business Insider Polska» erschienen. Das Medium gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.