Darum gehts
Kocht Beat Grüter (66) daheim für sich Pasta, landen bei ihm bevorzugt Gletscherhüetli im kochenden Wasser. Den Namen verdanken sie der kreiselähnlichen, gedrehten Form, die an den Zacken eines Berges oder Gletschers erinnert. Für Grüter sind sie wie ein «Rädchen – in dem sich Sauce besonders gut hält», schwärmt er.
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Grüter weiss, wovon er spricht: Der gebürtige Luzerner ist Geschäftsführer und Inhaber der Pasta Premium AG in Frauenfeld TG, zu der unter anderem die Schweizer Traditionsmarke Bschüssig gehört – und von der gibts seit 1876 Teigwaren. Grüter ist der letzte Schweizer Pasta-Patron – und die Gletscherhüetli, die er so liebt, sind nur eine unter 120 Pastaformen, die er herstellt.
Grüter, gelernter Automech, hatte mit dem Teigwarenbusiness bis vor 22 Jahren überhaupt nichts zu tun. «Daheim im Elternhaus kamen früher unter der Woche Bschüssig-Teigwaren auf den Teller und am Wochenende wurde La-Chinoise-Pasta aufgetischt.» Grüter kaufte eine kleine Firma, die Förderanlagen konstruierte, als ihn 2004 ein Freund, damals als Betriebsleiter bei Bschüssig, fragte, ob er bei einem Management-Buy-out als Geldgeber dabei sein wolle. «Eine Schweizer Traditionsfirma mit einem Schweizer Qualitätsprodukt – warum nicht?»
Vom Financier zum Firmenchef
Ein Jahr später übernimmt der als stiller Financier eingestiegene Luzerner das Ruder der Thurgauer Firma mit den Marken Bschüssig, Ernst, Ami, La Chinoise und Sennen-Nüdeli komplett – und ist bis heute interimsmässiger Geschäftsführer, wie er betont. Es sei vor allem anfangs eine herausfordernde Zeit gewesen. «Ich rutschte damals einfach so rein», sagt er achselzuckend. 20 Jahre später ist seine Pasta Premium AG der grösste unabhängige Hersteller von Eierteigwaren in der Schweiz.
DCX STORY: doc86ra5kdstpjbpnvx7y8 [Millionen EierTonnen TeigwarenEndprodukte]
Grüter ist ein Firmenpatron, ein Macher mit feinem Gespür – nicht nur für den Markt. Dass seine Teigwaren seit über fünf Jahren nur noch in Papiertüten abgepackt sind und ohne Kunststoff-Sichtfenster auskommen, wurde von vielen belächelt. Grüter spart damit jährlich 60 bis 65 Tonnen Kunststofffolie ein. Als ihm ein Kunde schrieb, er kaufe nichts, was er nicht sehe, antwortete ihm der Firmenchef: «Wenn Sie in ein Restaurant gehen und da eine Karte mit Fotos ihres Menüs bekommen, wissen sie, dass sie in einem billigen Touristenimbiss sind, ganz sicher aber nicht in einem guten Restaurant. Wir garantieren für Qualität. Wir müssen sie nicht zeigen.»
Tochter Sarah als Nachfolgerin?
Verkauft werden Bschüssig-Teigwaren in Volg- und Spar-Läden, es gibt sie bei Aldi und Lidl – aber auch vereinzelte Migros- und Coop-Filialen in der Ostschweiz führen das Sortiment des Thurgauer Herstellers. Seit gut drei Jahren nimmt zudem der Absatz über den Online-Handel stetig zu. «Da machen wir zwar noch keine Millionenumsätze, aber es ist eine gute Möglichkeit in Städten wie Zürich vertreten zu sein, wo es keine Volg-Läden gibt.»
Das Onlinebusiness verantwortet Grüters Tochter Sarah Anderhub (38). Die zweifache Mutter studierte internationale Wirtschaft unter anderem in Maastricht, hat einen Bachelor in Marketing, spricht vier Sprachen – und ist mit einem Landwirt verheiratet. Dass sie sich fürs väterliche Unternehmen statt einen grossen Konzern entschieden hat, begründet sie so: «Bei uns gibts kein Ellbögeln, wir tragen zu allen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sorge.» Viele sind schon seit Jahrzehnten in der Firma.
Obschon seit einem Jahr im Pensionsalter, denkt Grüter nicht ans Aufhören. «Sarah hat mit den Kindern und dem Hof viel um die Ohren, aber wenn Janka 17 ist und Oskar 19, könnte sie übernehmen, wenn sie will.» Bis dahin macht er weiter Pasta. Ferien braucht er sowieso fast nie. Ausser eine Woche zur Luzerner Fasnacht. Da gibts für den angefressenen Fasnächtler auch keine Diskussion. Basta!