Schweizer Dropshipper packt aus
Er verkauft China-Ware – und will Millionär werden

Minderwertige Ware und wütende Kunden: Ein Onlineshop-Betreiber gibt Einblick in sein Leben. Warum er trotz massiver Kritik weitermacht und was ihn der Handel mit China-Ware im Netz persönlich kostet.
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Herr «Hardmeier» ist Dropshipper – und arbeitet neben seinem Vollpensum sechs Stunden am Tag für seinen Onlineshop (Symbolbild).
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Konsumentenschutz warnt vor hardmeierversand.ch wegen problematischer Dropshipping-Praxis im Mai 2026
  • Kunden klagen über mindere Qualität, lange Lieferzeiten, teure Rücksendungen nach Asien
  • Trustpilot-Score: 2,4 Sterne, 50 % der Bewertungen mit nur einem Stern
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Lena Berger
Beobachter

Der Konsumentenschutz warnt vor dem Shop Hardmeierversand.ch; allein im Mai 2026 wurde er fünfmal als problematischer Dropshipping-Anbieter gemeldet. Bei einem Score von 2,4 (50 Prozent vergeben nur einen Stern) klagen Kunden auf Trustpilot über minderwertige, chemisch riechende Fernost-Ware und Lieferzeiten von über vier Wochen. Rücksendungen an die Schweizer Adresse würden im Kleingedruckten verboten. Stattdessen würden Kunden mit Gutscheinen abgespeist oder müssten teure Retouren samt Zollgebühren nach Asien selbst bezahlen. 

Das klingt ganz klar nach einem Fall für die Beobachter-Warnliste. Wie üblich konfrontieren wir vorher die Betreiber mit den negativen Rückmeldungen. Und anders als in vielen Fällen antwortet jemand. Einer, der nicht nur schriftlich Auskunft geben will, sondern reden. Allerdings anonym. Der Beobachter lässt sich auf das Angebot ein. Und wird überrascht.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Herr – ich sage jetzt mal «Hardmeier». Ich führe gerade ein Interview mit einem Phantom. Warum wollen Sie Ihren Namen nicht sagen?
Ich arbeite seit anderthalb Jahren im Dropshipping-Bereich. Ich möchte anonym bleiben, weil dieses Geschäftsmodell negativ behaftet ist.

Dropshipping bedeutet, dass Sie Ihren Kunden Ware verkaufen, die nicht Sie, sondern Ihre Lieferanten direkt liefern. Sie haben kein Lager. Schämen Sie sich dafür?
Nein, ich schäme mich nicht. Dropshipping ist legal. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung ist es nichts Positives. Ich möchte nicht, dass mir dieses Interview im Weg steht, wenn ich mich um einen Job bewerbe.

Das hört sich an, als würden Sie Ihre Zukunft nicht in diesem Bereich sehen. Wie wurden Sie zum Dropshipper?
Ich bin über die sozialen Medien darauf gestossen – sah, dass man damit gutes Geld machen kann. Konkret: über den deutschen Dropshipper und Influencer Manjeet Singh Sangha. Das ist ein junger Typ, jeder kennt den. Er lebt das Traumleben, das sich jeder Mann zwischen 18 und 40 Jahren wünscht: im Luxus, kann von überall aus arbeiten. Wenn man einmal auf Insta oder Tiktok so ein Video anschaut, wie der am Strand Geld verdient, ist plötzlich die ganze Startseite voll mit solchen Inhalten. Das hat etwas mit mir gemacht.

Sie wollten auch so werden?
Ich bin nicht naiv. Ich habe mir das genauer angeschaut, wollte wissen, ob das Hand und Fuss hat. Auf Youtube gibt es Onlinekurse, wie man ein solches Business in drei bis vier Stunden startet. Die technischen Hürden für den Aufbau eines Onlineshops sind heute vergleichsweise tief. Man braucht nicht viel Startkapital, und es ist keine Raketenwissenschaft. Und es funktioniert tatsächlich.

Längst nicht alle haben Freude an Ihren Produkten, wie die Bewertungen auf Trustpilot zeigen.
In den Influencer-Videos redet niemand von der Produktqualität, von Problemen mit Lieferanten und negativen Kundenrückmeldungen. Ich habe rasch gemerkt, dass es viel zu tun gibt, und ich habe mich mit einem Kollegen zusammengetan. Die grösste Kunst ist es, gute Lieferanten zu finden, die verlässlich sind, was den Versand angeht. Das ist jetzt meine Aufgabe.

Und wie gehen Sie diese an?
Viele unserer Produkte kommen aus China, das legen wir offen. (Anm. d. Red.: In einem Nebensatz bei «Über uns» steht, man arbeite mit «internationalen Handels- und Logistikpartnern» zusammen.) Meine Strategie ist es, die Lieferanten aus dem Sortiment zu nehmen, die schlechte Produkte liefern und langsam sind.

Wie merken Sie, dass die Qualität schlecht ist? Die Produkte werden ja nicht an Sie geliefert, sondern direkt an Ihre Kunden.
Wenn ein Produkt mehr als dreimal bestellt wurde, machen wir eine Qualitätskontrolle. Das funktioniert so, dass ein Mitarbeiter des Lieferanten uns ein Video schickt, in dem das Produkt gezeigt wird. Dann sehen wir, ob es dem entspricht, was sich die Leute vorstellen.

Das Video könnte auch ein Fake sein und ein anderes Produkt zeigen.
Ja – und das wiederum bestätigt, wie wichtig die Beziehung zum Lieferanten ist. Er hat eine Marge pro Bestellung, die er uns in Rechnung stellt – also ist der Lieferant an einer guten Beziehung zu mir als Dropshipper interessiert.

Sie prüfen die Qualität erst nach drei Bestellungen. Das heisst doch: Sie nehmen negative Bewertungen in Kauf.
Da will ich nicht lügen, im schlimmsten Fall riskieren wir drei negative Reviews. Aber man muss auch mal das Verhältnis sehen. Die meisten Produkte, die wir haben, sind gut. Und Sie kennen das doch: Bewertungen macht man nur, wenn man hässig ist. Wenn Kundinnen nur zufrieden sind, schreiben sie meistens nicht. Klar, 2,5 Sterne ist sehr tief, da bin ich bei Ihnen. Doch das blüht auch anderen – sogar den ganz Grossen. Nike ist ein Brand, den jeder kennt, jeder weiss, dass die Schuhe gut sind – doch auch die haben auf Trustpilot einen unterirdisch tiefen Score.

Sie werben auf Ihrer Website mit «persönlichem Support aus der Schweiz». Doch letztlich muss die Ware für teures Geld nach China zurückgeschickt werden.
Das hat zu negativen Reviews geführt. Das wollen wir ändern. In gut anderthalb Wochen sollten wir so weit sein. Dann können unsere Kunden die Ware direkt an unseren Versandpartner retournieren.

Und der schickt die Ware dann zurück nach China?
Für die Kundin funktioniert es so: Sie bestellt eine Bluse, die ist – sagen wir mal – zu klein. Anstatt nach China kann sie diese nun direkt an den Versandpartner schicken. Er prüft sie, reinigt sie und lagert sie ein, für den Fall, dass später jemand anders das gleiche Produkt bestellt. Auch Zalando arbeitet so.

Warum haben Sie das nicht von Anfang an so gemacht?
Es ist schwierig, in der Schweiz Lösungen zu finden. Es gibt zwar mehrere Anbieter, die das machen. Die meisten haben uns gesagt, dass bei uns die Stückzahl an Bestellungen zu klein sei.

Wenn ein Produkt fehlerhaft ist, bieten Sie Gutscheine an, statt den Kaufpreis zu erstatten. Guter Kundenservice sieht anders aus.
Ja, ich weiss. Wir haben in der Vergangenheit häufiger Gutscheine angeboten. Mittlerweile prüfen wir jeden Fall individuell und versuchen, eine faire Lösung für die Kundinnen und Kunden zu finden. Je nach Situation bieten wir Ersatz, einen Gutschein oder eine Rückerstattung an. Wir machen das transparent in unseren AGB.

Apropos, haben Sie die AGB auch aus einem Youtube-Video?
Wir haben sie mit Hilfe einer KI entworfen und dann von einer deutschen Rechtsanwaltskanzlei prüfen lassen, die sich auch in der Schweiz auskennt. Das war günstiger als ein Schweizer Rechtsanwalt. Es müsste «verheben» so.

Dropshipping: So kannst du dich wehren

Bist du auf einen Onlineshop hereingefallen oder wartest du noch immer auf deine Bestellung? Was rechtlich gilt und wie sich Konsumentinnen und Konsumenten wehren können, erfährst du hier:

Bist du auf einen Onlineshop hereingefallen oder wartest du noch immer auf deine Bestellung? Was rechtlich gilt und wie sich Konsumentinnen und Konsumenten wehren können, erfährst du hier:

Sie sagen selber, alles steht und fällt mit der Qualität. Warum setzen Sie dann auf Produkte aus China?
Nicht nur wegen des Preises. Die Türkei hat bessere Qualität und ähnliche Preise. Das Problem: Die Infrastruktur fehlt. China ist extrem gut ausgebaut für Dropshipping. Europa nicht, hier sind die Lieferanten nicht gewillt, so tiefe Stückzahlen zu liefern.

Dropshipping ist ja nicht illegal. Aber es gibt eine Menge Fakeshops, die fälschlicherweise mit Schweizer Qualität werben.
Das Problem ist: Den Shopbetreibern aus dem Ausland ist Kundenpolitik komplett egal, darunter leiden wir hiesigen Anbieter. Ich will es jetzt nicht so darstellen, als wären wir viel besser; wir haben ähnliche Produkte. Der grosse Unterschied ist: Wir sind transparent mit dem, was der Kunde bekommt. Und: Wir versuchen, uns stetig zu verbessern.

Auch Sie bleiben im Hintergrund. Die Stiftung für Konsumentenschutz führt Ihr Geschäft deshalb auf der Liste der problematischen Onlineshops. Ist das ein Problem?
Ich wusste, dass wir drauf sind. In den Augen des Konsumentenschutzes ist das problematisch, was wir machen. Ich finde: Wir machen unseren Kundinnen und Kunden nichts vor.

Sie haben mit Dropshipping angefangen, weil Sie sich davon finanzielle Unabhängigkeit versprochen haben. Funktioniert das?
Millionär bin ich noch nicht. Aber ich sehe das Potenzial. Es ist ein gutes Nebeneinkommen. Ich verdiene vielleicht zwischen 2500 und 3000 Franken pro Monat.

Und ist es leicht verdientes Geld?
Der Aufwand ist definitiv grösser, als ich mir vorgestellt habe. Aber auch wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit auf mich wartet – ich hätte es trotzdem gemacht. Influencer wie Manjeet Singh Sangha machen es einem extrem schmackhaft. Zwei bis drei Stunden vom Strand aus arbeiten. Ich glaube ihm das, der ist auf diesem Level. Aber jeder, der anfängt, muss schon sechs Stunden pro Tag dran arbeiten.

Aber was Sie aktuell damit verdienen, reicht ja nicht zum Leben.
Ich habe daneben einen Vollzeitjob, ich arbeite also gerade sehr viel, habe wenig Freizeit und keine Ferien. Ich sehe das Dropshipping als Sprungbrett. Ich sammle Erfahrungen, lerne, wie man einen Brand aufbaut, wie man Kunden betreut, wie man Kontakte zu Lieferanten pflegt und – jetzt gerade – Medienarbeit macht. Das kann einem niemand beibringen, und das lernt man auch im Studium nicht. Ich sehe es als Weiterbildung, für die ich nicht zahlen muss.

Aber manche Ihrer Kundinnen fühlen sich über den Tisch gezogen.
Ja, und das prallt auch nicht einfach an mir ab. Es ist ein Antrieb, um schnell besser zu werden. Ich will nicht auf Kosten anderer mein Glück machen. Ich will aus Fehlern lernen. Was mich motiviert, ist, dass wir auch schöne Feedbacks bekommen. Von Kundinnen und Kunden, die Freude haben an den Produkten. Das gibt mir Hoffnung und Energie, um weiterzumachen.

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