Darum gehts
- Frankreich diskutiert über SNCF-Verbot für Kinder unter 12 in Zügen
- Neue «Optimum Plus»-Klasse bietet Ruhezone, aber schliesst Familien aus
- Nur 8 Prozent der Sitzplätze betroffen, Tickets kosten 108 bis 180 Euro
Frankreich diskutiert grad heftig über Kinder im Zug. Dass die auch mal laut werden, im Gang rumrennen oder einfach nicht stillsitzen können, ist kein Geheimnis. Aber nerven Kinder im Zug? Und darf man sie einfach aussperren? Darüber ist im Nachbarland eine hitzige Debatte entbrannt. Der Hintergrund: Die Staatsbahn SNCF hat auf der stark frequentierten und entsprechen lukrativen Strecke von Paris nach Lyon eine neue Premiumklasse eingeführt – mit einem brisanten Detail: Kinder unter zwölf Jahren sind dort nicht zugelassen.
Die neue Komfortzone heisst Optimum Plus und richtet sich vor allem an Geschäftsreisende. Versprochen wird eine «hochwertige Reise» in einer Ruhezone, in der konzentriert gearbeitet werden kann. Für die zweistündige Fahrt zahlen Passagiere zwischen 108 und 180 Euro. Der Haken: Familien bleiben draussen.
«Kinder auszuschliessen bedeutet, die Zukunft auszuschliessen»
Der Aufschrei in der Grande Nation folgt prompt, wie das Onlineportal France Ouest schreibt. Frankreichs Familienministerin Sarah El Haïry (36) kritisiert scharf: «Kinder sind kein Problem, das zu lösen ist, sondern Reisende, die gut empfangen werden sollten.» Auf X schreibt sie: «Kinder aus Zugwaggons auszuschliessen, das bedeutet, ganze Familien auszuschliessen.»
Auch in den sozialen Medien kochten die Emotionen hoch. Eine Nutzerin spottet: «Die SNCF will keine Kinder in Abteilen für Geschäftsreisende – aber was ist mit den Idioten, die laut mit ihrer Sekretärin telefonieren?» Bruno Retailleau (65), Chef der Republikaner, erklärt: «Kinder auszuschliessen bedeutet, die Zukunft auszuschliessen.» Kommentatoren werfen der SNCF vor, einem «Adults-Only-Trend» zu folgen – ausgerechnet in Zeiten sinkender Geburtenraten, wie «La Libération» schreibt.
Die SNCF kommt gehörig unter Druck. Jetzt versucht die Bahn, den Schaden zu begrenzen. Statt «Kinder sind nicht zugelassen» heisst es plötzlich nur noch: Die Abteile seien «ab zwölf Jahren zugänglich». Zudem betont die SNCF, dass es sich nur um acht Prozent der Sitzplätze handle – und auch nur werktags. Der Ausschluss von Kindern in Businessklassen sei «nichts Neues». Der Schaden ist aber angerichtet.
«Adults Only»-Angebote boomen
Die französischen Bahnen stehen aber längst nicht alleine mit der Idee von kinderfreien Zonen. Auch in der Schweiz sorgen ähnliche Angebote immer wieder für Schlagzeilen. Zuletzt stand das Lokal «90° Café Bar Lounge» in Aarau im Fokus. Dort sind Kinder unter 14 Jahren nicht mehr willkommen. Die Betreiberin, die anonym bleiben möchte, sagte zu Blick: «Die Mütter haben mit Kinderwagen die Gänge blockiert. Kinder haben sich total daneben benommen, auf den Tischen herumgeturnt und der Lärm war störend für die anderen Gäste.» Kurz: Einige Eltern hatten ihren Nachwuchs nicht im Griff, deshalb das Verbot.
Auch in den Ferien scheinen viele gerne auf Kinderlärm zu verzichten. Der Campingplatz «Hobby 3» in Unterseen BE will künftig nur noch Gäste ab 16 Jahren aufnehmen. Mehrere langjährige Dauermieter, Familien mit Kindern, verlieren deshalb ihren Stellplatz, wie der «Beobachter» berichtet. Auch Reiseanbieter Tui setzt vermehrt auf «Adults Only»-Kreuzfahrten. Familien müssen an Land bleiben.