Darum gehts
- Traditions-Confiserie Schiesser bleibt in Familienhand, Rudolph Schiesser übernimmt ab September
- Kritik am Basler Konkursamt wegen undurchsichtiger Verkaufsprozesse und fehlender Infos
- Kaufangebot von Mitte Juli über 81'075 Franken wurde überboten
Die Basler Confiserie Schiesser ist gerettet! Das älteste Kaffeehaus der Schweiz bleibt in Familienhand: Rudolph Schiesser, Bruder des verstorbenen Eigentümers Stephan Schiesser (1956–2026), hat den 1870 gegründeten Betrieb gekauft. Ab September führt der ehemalige Hoteldirektor des Basler Grand Hotel Les Trois Rois die Confiserie am Marktplatz in Basel weiter.
Der über 150 Jahre alte Betrieb – bekannt für seine Pralinés, Torten, Kaffee und das Kult-Gebäck Basler Läckerli – ist schon seit fünf Generationen in Familienhand. Der neue Eigentümer will die Qualität und die Werte der Confiserie erhalten, wie das Portal bz Basel zuerst berichtet hat. Dafür werde er auch bestehende Verträge weiterführen und die gesamte Belegschaft weiterbeschäftigen.
Witwe wollte Betrieb in Familienhand sehen
Noch am Sonntag waren dunkle Wolken über dem traditionsreichen Kaffeehaus aufgezogen. Rosalba Lo Vaglio Schiesser, die Witwe des im April verstorbenen Inhabers, verfasste einen Beitrag auf der Plattform Facebook: «Ohne unser Wissen wurde ein Konkurs eingeleitet und der Verkauf an einen anonymen Bieter für nur ca. 80'000 Franken organisiert», schrieb sie dort. Und weiter: «Wir versuchen aktuell, den Verkauf an Fremde zu stoppen und die Rechte an unserer Confiserie Schiesser zurückzubekommen.»
Der Konkurs über den Betrieb wurde am 30. Juni eröffnet – und schlug in Basel hohe Wellen, auch innerhalb der Familie Schiesser. Damit begann ein Prozess, von dem sich Lo Vaglio Schiesser hintergangen fühlte. Denn: «Die Eigentumsverhältnisse befinden sich noch in einem Erbprozess und sind noch nicht geklärt. Trotzdem will das Konkursamt unsere Confiserie an einen Bieter verkaufen», schrieb sie am Sonntag in der Kommentarspalte unter ihrem Facebook-Beitrag.
Es herrscht Schweigen um den Verkauf
Das Konkursamt wollte zu den Anschuldigungen auf Anfrage von Blick nicht Stellung nehmen. Leiter Matthias Häuptli bestätigt einzig, dass der Konkursverwaltung mehrere Kaufangebote vorlagen. Und: «Der erzielte Kaufpreis liegt über dem initialen Kaufangebot.» Mitte Juli hatte das Konkursamt Basel-Stadt verkündet, dass ein Interessent ein Angebot von 81'075 Franken für die Wort-Bild-Marke und das bewegliche Inventar abgegeben habe. Rudolph Schiesser hat nun mehr geboten. Wie viel, ist noch nicht bekannt. Das Konkursamt wollte die Summe gegenüber Blick nicht nennen.
Dass die traditionsreiche Confiserie nun doch in Familienhänden bleibt, dürfte Lo Vaglio Schiesser zumindest etwas milde stimmen. Doch ihr dürften andere Pläne vorgeschwebt haben. Sie verlangt nämlich vom Konkursamt Akteneinsicht. Darüber, was die Witwe von der Firmenübernahme ihres Schwagers wirklich hält, kann bislang nur gemutmasst werden. Auf eine Anfrage von Blick hat sie nicht reagiert.