Darum gehts
- Die Bachmann Krawatten AG in Zürich meldete Konkurs nach 70 Jahren
- Teuerung und sinkende Kundenzahlen führten zum Aus des Familienbetriebs
- Zehn Mitarbeitende betroffen, viele erfuhren es während ihrer Ferien
Der letzte Krawattenmacher der Schweiz ist am Ende: Die Bachmann Krawatten AG meldete vor einer Woche Konkurs an. Ein harter Schritt für Inhaber Peter Bachmann, der das Zürcher Familienunternehmen in dritter Generation leitet. Sein Betrieb, den seine Grosseltern vor 70 Jahren gegründet haben, ist nun Geschichte. Nun verlieren er und seine zehn Angestellten ihren Job, wie der «Tages-Anzeiger» zuerst berichtet hat.
Das Aus kam für den Krawattenmacher nicht aus heiterem Himmel: «Die letzten zwei, drei Monate waren nicht gut», sagt Bachmann im Gespräch mit Blick. Die Entscheidung traf der Unternehmer im Familienkreis: «Vor zwei Wochen am Sonntag haben wir entschieden, wir hören auf», erzählt Bachmann.
Viele Angestellten erfuhren es in den Ferien
Für einige der Angestellten kam die Schock-Nachricht überraschend, aber nicht für alle: «Sie haben gemerkt, dass wir immer weniger zu tun haben und die Auslastung nicht mehr so ist wie früher», so Bachmann. Die schwierigste Aufgabe für ihn: Er musste das Aus seinen Mitarbeitenden während der Betriebsferien mitteilen. «Teilweise gingen sie schon Anfang oder Mitte Juli in die Ferien, die haben es natürlich während der Ferien erfahren», sagt er traurig. Ein kleiner Lichtblick: Einige Angestellte hätten nun zum Glück Stellenangebote von ehemaligen Kunden bekommen.
Unter dem Markennamen Papillon schufen Bachmann und seine zehn Mitarbeitenden die Krawatten, Fliegen und Foulards im eigenen Atelier, das zuletzt im Zürcher Örlikerhus angesiedelt war. Die Teuerung hat dem Traditionsbetrieb in den letzten zwei Jahren immer mehr belastet. Denn: «Die Beschaffung ist schwieriger geworden, und wir hatten auch immer weniger Kunden», so der Firmeninhaber. «Der Silberstreifen am Horizont ist nicht da für die Textilindustrie.»
«Von mir ist eine Last abgefallen»
Er habe so viel wie möglich getan, um das Familienunternehmen zu retten, sagt Bachmann. «Ein Jahr lang überlegten wir: Was können wir machen?» Sogar mit einem KI-Projekt versuchte der Unternehmer, seinen Betrieb zu retten – ohne Erfolg. Darum zog er jetzt die Reissleine «Wir hätten schon noch ein Jahr weitermachen können, aber es wäre einfach nicht besser geworden.»
Jetzt möchte sich Bachmann neu ausrichten. Er will von der Arbeitgeberseite wieder zu den Arbeitnehmern wechseln, sich auf Stellen bewerben. Für ihn bedeutete der lange Kampf um sein Unternehmen auch viel Druck. Darum ist die gefällte Entscheidung auch eine Erleichterung. «Von mir ist eine Last abgefallen», sagt Bachmann.