Präsidentin findets nicht schlimm
Zürcher Gemeinde sucht «moderne Kopfgeldjäger» für Betreibungsamt

Die Gemeinde Zell ZH muss Jobs beim Betreibungsamt neu besetzen. Mit dem Stelleninserat sorgt sie nun für Empörung. Darin ist von «modernen Kopfgeldjägern» die Rede, man müsse Aufgaben mit «schwarzem Humor» meistern. Die Gemeindepräsidentin sieht darin kein Problem.
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Eine Stellenausschreibung der Gemeinde Zell ZH sorgt für Aufsehen.
Foto: Screenshot

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Zürcher Gemeinde Zell sucht drei neue Mitarbeitende für das Betreibungsamt
  • Das dafür veröffentlichte Inserat sorgt für Kritik
  • Formulierungen wie «moderner Kopfgeldjäger» und «schwarzer Humor» empfindet Blick-Leserin als respektlos
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Zell ZH sorgt mit einem Stelleninserat für Ärger. Die 6800 Einwohner grosse Gemeinde im Zürcher Tösstal sucht neue Mitarbeitende für das Betreibungsamt. Gleich drei Stellen will sie besetzen – und setzt dabei auf aussergewöhnliche Formulierungen, die nicht überall gut ankommen.

So heisst es im Inserat auf der Jobplattform Publicjobs, als Pfändungsbeamter habe man etwa «die Mission», als «moderner Kopfgeldjäger mit den bekannten Formularen zu jonglieren». Auch solle man bei «schwierigen Situationen» nicht nur mit Ruhe und Professionalität, sondern auch mit «gelegentlich schwarzem Humor» reagieren.

Diese Stellenausschreibung sorgt bei der Blick-Leserin für Kopfschütteln.
Foto: zVg

Weiter heisst es: Als Sachbearbeiterin müsse man «Zahlungsbefehle schneller als andere ihre Ferienpost» verschicken können oder «Schuldnern und Gläubigern freundlich aber bestimmt erklären, warum ‹Ich habe die Rechnung sicher bezahlt!› kein offizieller Rechtsbegriff ist». Im Gegenzug bietet das Betreibungsamt eine «abwechslungsreiche Arbeit zwischen Paragrafen, Menschen und kleinen Alltagsdramen».

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«Finde die Wortwahl völlig respektlos»

Das stösst Blick-Leserin Corinne K.* sauer auf. Sie habe das Inserat «mit grossem Befremden zur Kenntnis genommen», sagt sie zu Blick. Und weiter: «Im Betreibungswesen geht es nicht selten um die Existenz von Menschen», drückt sie ihren Frust aus. «Ich finde diese Wortwahl darum nicht nur unangemessen, sondern auch völlig respektlos.»

Gegenüber Blick erklärt sich Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann (61, EVP): «Wir haben bewusst keine gewöhnliche Stellenausschreibung erstellt», sagt sie zu Blick. Denn: «Die Chancen, dass wir die Stellen besetzen können, sind gleich null.» Grund dafür sei der Fachkräftemangel. Hinzu komme, dass beim Amt bald Umstrukturierungen anstehen und man deshalb nur vorübergehend Unterstützung benötige. «Die Stellen sind befristet. Deshalb war für uns klar: Wir müssen es anders machen, nicht so bünzlig», so die Gemeindepräsidentin.

Mit der Kritik konfrontiert, passt die Gemeinde das Stelleninserat an: Der «moderne Kopfgeldjäger» verschwindet und wird zum schlichten Jongleur «mit Zahlen und Formularen». Statt dem «schwarzen Humor», mit dem man schwierige Situationen meistern soll, steht noch: Humor. Auch die Breitseite gegen verzweifelte Verschuldete in Form des Zitats «Ich habe die Rechnung sicher bezahlt!» sucht man jetzt vergebens. Stattdessen solle man den Schuldnern freundlich aber bestimmt erklären, «wieso die rechtlichen Bestimmungen umzusetzen sind».

Ehrismann bereut die ursprünglichen Formulierungen in der Stellenanzeige derweil nicht: «Ich hätte mit dem Original leben können», sagt sie. Sie könne aber verstehen, dass Leute das Inserat unterschiedlich auffassen. «Die Meinungen gehen dort einfach auseinander.»

* Name geändert  

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