Schon bald heisst es für die über 100 Dauercamper auf dem Camping Riarena in Cugnasco TI Abschied nehmen. Bis zum 18. Oktober müssen sie ihre Parzellen samt Wohnwagen geräumt haben.
Stefan Berner (42), der den Campingplatz seit knapp zehn Jahren betreibt, lässt das nicht kalt. Er fühlt sich für seine langjährigen Gäste verantwortlich, wie er gegenüber Blick sagt – und stört sich an den Umständen der Räumung. Denn bald übernimmt eine neue Pächterin. Die Unternehmerin, die bereits einen anderen Campingplatz im Tessin führt, plant umfassende Sanierungen. Dafür müssen die Dauercamper weichen.
Die Arbeiten wären auch mit den Fix- und Saisongästen auf dem Platz möglich, ist Berner überzeugt. Man hätte sie «etappenweise durchführen» und den Betroffenen «so zumindest mehr Zeit geben können».
Neue Pächterin äussert sich bis Ablauf der Einsprachefrist nicht
Blick fragt beim Patriziat von Cugnasco nach, dem der Campingplatz gehört. Präsident Fabio Pifferini (56) erklärt dazu: «Wie die vorgesehenen Arbeiten ausgeführt werden, fällt in die Zuständigkeit und unternehmerische Strategie der neuen Pächterschaft.» Wie der Riarena künftig ausgestaltet werde, sei Sache der Betreiberin.
Diese möchte sich auf erneute Anfrage von Blick nicht äussern. Denn: Die Einsprachefrist für die Auftragsvergabe durch das Patriziat ist noch nicht verstrichen. Erst wenn diese abläuft, ist der Entscheid rechtskräftig. Bis es so weit ist, will sie schweigen.
Trotzdem steht fest: Das Patriziat hat ihr den Zuschlag erteilt. Sie setzte sich gegen zwei Mitbewerber durch – und damit offenbar auch gegen ein Schwergewicht der Branche: Laut Blick-Informationen hatte nebst einer weiteren Privatperson auch der Touring Club Schweiz (TCS) Interesse an einer Übernahme des Riarena. Das Patriziat will dazu keine detaillierten Angaben machen.
Auftragsvergabe bedarf für Berner einer Erklärung
Berner hegt derweil Zweifel an der Fairness der Vergabe. Auffällig findet er vor allem die Bewertung: Die Siegerin erhielt eine Spitzenbewertung von 5 Punkten, die beiden anderen Bewerber schnitten mit 2,65 und 2,81 Punkten deutlich schlechter ab. Das hält der Betreiber für «erklärungs- und prüfungsbedürftig».
Das Patriziat weist die Zweifel zurück. Ausschlaggebend seien unter anderem Berufserfahrung, finanzielle Solidität und das Betriebskonzept gewesen. «Aufgrund der Gesamtbewertung wurde die ausgewählte Bewerbung als die am besten geeignete beurteilt», sagt Pifferini. Das Verfahren sei ordnungsgemäss und nach den geltenden Bestimmungen durchgeführt worden. Die Bewertungsdifferenz gegenüber Blick darzulegen, erachtet Pifferini als «nicht angebracht».
Berner betont mehrmals: Ihm gehe es um «seine» 110 Fix- und Saisongäste. «Sie stehen für mich im Zentrum.» Doch wenn ihm so viel an ihnen liegt – warum macht er nicht selbst weiter und bewirbt sich erneut? Blick weiss: Dahinter steckt ein jahrelanger Streit mit dem Patriziat, der inzwischen auch die Gerichte beschäftigt.
Darum hat Berner genug
Der Knatsch habe schon bei seiner Übernahme 2017 begonnen, sagt Berner. So seien bei Kontrollen in den Jahren zuvor Elektroinstallationen auf dem Platz mehrfach massiv beanstandet worden. Trotzdem wurde ihm der Platz mit veralteten Stromkästen und -leitungen übergeben. Auch während Corona krachte es: 2020 sei ihm trotz weitgehendem Stillstand die volle Pacht verrechnet worden.
2024 eskalierte der Streit. Das Patriziat kündigte Berners Pachtvertrag ausserordentlich – «wegen Zahlungsverzug», wie Pifferini gegenüber Blick erklärt. Eine der drei jährlichen Pachtzahlungen sei nicht rechtzeitig eingegangen. Berner bestreitet, seine Pflichten verletzt zu haben. In einem E-Mail-Austausch, der Blick vorliegt, bestätigt Berners Bankberater, «dass die für die Ausführung der Zahlung erforderliche Liquidität auf dem Konto vorhanden war». Der Bankangestellte könne nicht sagen, weshalb die Zahlung, die korrekt erfasst worden war, nicht ausgeführt wurde. Berner focht die Kündigung an – und bekam zunächst Recht. Das Patriziat zog den Entscheid weiter.
Nun liegt der Fall beim Bundesgericht. Für Berner ist aber ohnehin klar: Er hat genug. Nach zehn Jahren verlässt er den Riarena. «Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung», sagt er. «Für mich ist es Zeit, dieses Kapitel zu beenden.»