«TCS hat das Gefühl, die Rechnung gehe auf»
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Romano Koller (69):«TCS hat das Gefühl, die Rechnung gehe auf»

Tschüss günstige Ferien in Flims – TCS verbannt Dauercamper
«Uns bleibt nichts übrig, als unseren Wohnwagen zu verkaufen»

Romano Koller (69) hatte seit 26 Jahren in Flims GR seinen Wohnwagen stehen. Dank der günstigen Standmiete konnte er mit seiner Familie in die Skiferien – bis jetzt. Denn jetzt zieht der TCS einen Schlussstrich: Die Dauercamper sollen für immer weg!
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In diesem Wohnwagen verbrachte Romano Koller (69) seit 26 Jahren in Flims Ferien mit seiner Familie.
Foto: Beat Michel

Darum gehts

  • Romano Koller muss Wohnwagen bis August 2026 aus Flims räumen
  • TCS investiert 8,9 Millionen CHF in modernisierte Camping-Infrastruktur
  • Jährliche Kosten betrugen 4600 CHF plus Stromkosten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Beat MichelReporter

Seit Jahren brodelte die Gerüchteküche auf dem TCS-Campingplatz Flims GR – jetzt ist klar: Die 50 Dauercamper müssen weg. Betroffen ist auch Romano Koller (69). Seit 26 Jahren hat er seinen Wohnwagen auf dem TCS-Campingplatz am südlichen Rand von Flims stehen. «Mit der Kündigung ist es jetzt leider klar: Wir müssen definitiv gehen», sagt der pensionierte Automobilingenieur gegenüber Blick.

Für Koller kommt der Entscheid zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Dank der tiefen Standmiete konnten seine Kinder hier jeweils preiswerte Skiferien verbringen – und nun, da die Enkel gerade erst mit dem Schneesport beginnen, soll alles vorbei sein.

Konsequenzen für die ganze Familie

Besonders bitter: Seine Frau und er hatten ganz andere Pläne. Koller: «Meine Frau wird in diesem Jahr pensioniert. Wir hätten ab jetzt gerne mehr Zeit in Flims verbracht.» Doch: Ab April darf der Trailer nur noch aus Goodwill in Flims stehen. Ende August soll das Areal endgültig geräumt sein.

Das bringt den rüstigen Grosspapi fast zur Verzweiflung. «In der Schweiz gibt es in Wintersportorten praktisch keine Alternativen. Die wenigen Plätze sind auf Jahrzehnte ausgebucht», sagt Koller verzweifelt. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als unseren schönen Wohnwagen zu verkaufen.»

Die Konsequenzen spürt nicht nur Koller, sondern die ganze Familie. «Meine Kinder können sich das Skifahren in der Schweiz ohne Dauercampen nicht leisten», erklärt er. Und für ihn und seine Frau ist klar: «Als Kurzzeitcamper wollen wir auch nicht mehr kommen.»

Ein Wohnwagen mit viel Herzblut

Der Gedanke an das baldige Aus macht Romano Koller traurig. Wie viel er in den Trailer investiert hat, ist leicht zu erkennen: Das Vorzelt mit Ski- und Schuhkammer zum Beispiel hat er selbst entworfen und mit einem befreundeten Schreiner und einem Spengler realisiert. Obwohl der Bau gesetzeskonform nur an den Wohnwagen angelehnt ist, fühlt man sich wie in einem von Grund auf gebauten Ferienhaus. Der Wohnwagen kann per App vorgeheizt werden, es gibt Stromanschluss, und die Toilette ist an die Kanalisation angeschlossen.

Und: Das wunderbar heimelige Feriendomizil kostet pro Jahr nur 4600 Franken Standmiete, hinzu kommen die Stromkosten.

Er kann nicht verstehen, dass Flims den Kahlschlag gegen das Dauercampen zulässt. «Wir haben immer alles im Dorf eingekauft, auch die Skiausrüstung. Und wir sind oft im Restaurant essen gegangen.»

Ob das die Durchreisenden ebenfalls tun werden, bezweifelt Koller. «Die Plätze werden ein Vielfaches kosten», vermutet er. Und weiter: «Ausserdem können viel weniger Gäste übernachten als jetzt. Diese Aktion macht es dem Mittelstand unmöglich, hier Ferien zu machen.»

Der Traum auf Rädern endet

Der TCS bestätigt auf Anfrage, dass der Zeltplatz in Flims ab September erneuert wird. Sprecher Marco Wölfli schreibt: «Die Dauercamper wurden bereits vor mehreren Jahren von der Gemeinde informiert, dass es künftig keine Stellplätze für Dauercamper geben wird. Die Dauernutzung war bislang nie zonenkonform und wird im Rahmen des Vorhabens korrigiert.»

Das neue Konzept sei in enger Absprache mit der Gemeinde entstanden und entspreche der gestiegenen und veränderten Nachfrage nach touristischen Übernachtungen im Campingbereich, so Wölfli.

Laut TCS sind nebst der Erneuerung der Camping-Infrastruktur 20 Alpine Lodges geplant. Insgesamt investiere der TCS 8,9 Millionen Franken, «um einen modernen, zeitgemässen Campingplatz zu schaffen».

Käufer ist schon gefunden

Für die Dauercamper ist das jedoch kein Trost. «Für uns gibt es hier keinen Platz mehr. Wir haben am Samstag ein Gespräch mit einem potenziellen Käufer», sagt Dauercamper Koller. In Gedanken hat der Rentner bereits Abschied von seinem geliebten Wohnwagen genommen. Der neue Besitzer will Kollers Bijou in Griechenland vermieten.

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