Darum gehts
- Dauercamper auf dem Campingplatz Riarena in Cugnasco TI müssen Parzellen bis 18. Oktober räumen
- Neue Betreiberin plant teure Renovationen, Saisonmieten steigen laut derzeitigem Pächter um 47 Prozent
- Pächter bleibt auf 350'000 Franken Inventarwert sitzen
Auf dem Campingplatz Riarena im Tessiner Dörfchen Cugnasco läuft die Sommersaison gerade auf Hochtouren. Wohnwagen stehen dicht an dicht, davor Sonnenschirme und Plastikstühle, wenige Meter entfernt die beiden Pools. Doch die Südschweizer Idylle trügt: Die Stimmung auf dem Platz ist gedrückt, Pächter Stefan Berner (42) ist mit den Nerven am Ende.
Es geht um «seine» 110 Dauercamper, die der gebürtige Aargauer bereits seit zehn Jahren auf dem Campingplatz begrüsst und betreut. «Einer von ihnen ist über 90 Jahre alt und kommt seit mehr als 60 Jahren hierher», erzählt Berner im Gespräch mit Blick. Nun müssen sie ihre Parzellen bis zum Ende der Saison am 18. Oktober geräumt haben. Der Grund: Berner hat entschieden, seinen Pachtvertrag nicht zu verlängern. Die neue Betreiberin plant derweil umfassende Renovationen. Restaurant und Rezeption sollen erneuert, neue Unterkünfte gebaut werden. Dafür soll das 32'000 Quadratmeter grosse Areal leer übergeben werden. Zuvor berichtete die Zeitung «LaRegione» über die Räumung.
Betreiber berichtet von Fragen, Sorgen und viel Frust
Für viele Dauercamper wird das zum Problem. «Manche Wohnwagen waren seit Jahren nicht mehr auf öffentlichen Strassen unterwegs, einige sind gar nicht fahrbar», sagt Berner. Wer keinen Abstellplatz als Zwischenlösung habe, müsse seinen Camper womöglich teuer abtransportieren und verschrotten lassen.
Anfang August informierte Berner seine Gäste über die Räumung. «Einfach wars nicht», erinnert er sich. Die neue Betreiberin habe ihn darum gebeten. «Seither werde ich von den Gästen täglich mit Fragen, Sorgen und auch Ärger konfrontiert.»
Berner schmerzt die Verunsicherung der Dauercamper – er fühle sich für sie verantwortlich, sagt er. Zur Sorge gesellt sich aber auch Wut: Gleich mehrere Dinge stossen dem Campingplatzbetreiber sauer auf. Aus seiner Sicht wären die Arbeiten auch ohne vollständige Räumung möglich: «Meines Erachtens hätte man einen Weg finden können, die Arbeiten etappenweise durchzuführen und den Gästen zumindest mehr Zeit zu geben», sagt er. «Aber das will die neue Betreiberin nicht. Für diese Leute interessiert sich niemand, die sollen einfach verschwinden. Dass Menschen, die teilweise seit Jahrzehnten hierherkommen, von heute auf morgen vor einer solchen Situation stehen, macht mich wütend.»
Neuer Campingplatz wird deutlich teurer
Zwar habe die neue Pächterin den Betroffenen eine mögliche Übergangslösung auf einem von ihr geführten Campingplatz und eine spätere Rückkehr nach Cugnasco in Aussicht gestellt. «Stand heute hat aber nach meinem Kenntnisstand kein einziger unserer Fix- oder Saisonplatzgäste ein verbindliches Angebot für einen zukünftigen Platz auf dem Riarena erhalten», so Berner. Auch für die Übergangslösung fehlten konkrete Offerten. Die künftige Pächterin war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Hinzu kommt: Eine Rückkehr auf den Riarena dürfte teuer werden. In einem E-Mail an Berner, das Blick vorliegt, schreibt die zukünftige Betreiberin, sie werde ein neues Reglement und ein Bewerbungsformular für die Saisonplätze ausarbeiten. Dieses werde «streng und restriktiv» sein, «um Ordnung und Sauberkeit zu gewährleisten». «Ausserdem wird es sicherlich eine Erhöhung der Kosten vorsehen», schreibt sie. Die Pächterin habe im persönlichen Gespräch mit Berner von einer Verteuerung der Saisonmiete um rund 2000 Franken oder 47 Prozent gesprochen.
Auch für Berner selbst wird der Abschied teuer. Die Nachfolgerin will den Platz geräumt übernehmen und sein Inventar nicht als Gesamtpaket kaufen. «Das ist selbstverständlich ihre unternehmerische Entscheidung», sagt er. Und doch: Den Wert von Einrichtungen, Bauten, Fahrzeugen und digitaler Infrastruktur beziffert er auf 350'000 Franken.
Nun versucht er, möglichst viel anderweitig zu verkaufen. «Ich bin schon froh, wenn ich die Restauranttische und -stühle nicht wegwerfen muss», sagt er. Für Berner ist das Kapitel damit nach zehn Jahren abgeschlossen. Für seine Dauercamper ist derweil noch völlig offen, ob ihres auf dem Riarena je weitergeht.