Oranger Riese profitiert von seinem Finanzinsititut
Was wäre die Migros bloss ohne ihre Bank?

Die Migros Bank hat einen Gewinn von 276 Millionen Franken bekannt gegeben. Das ist wichtig für die ganze Migros-Gruppe. Die Abhängigkeit vom Gewinn ihres Finanzinstituts wird immer grösser, zeigt eine Analyse der letzten Jahre.
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Die Migros ist abhängig vom Gewinn ihrer Bank.
Foto: MICHAEL BUHOLZER

Darum gehts

  • Migros Bank erzielt 2025 Gewinn von 276 Millionen Franken
  • Der Gewinnbeitrag der Bank ist für Migros sehr wichtig
  • Experte: Nur dank Bank Preisoffensive möglich
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Das Aufatmen in der Migros-Konzernzentrale am Zürcher Limmatplatz dürfte gross sein: Die Migros-Bank hat geliefert – und damit dürfte der Gewinn der Migros-Gruppe auch für 2025 gesichert sein. Die Banktochter spricht von einem «starken Ergebnis in einem anspruchsvollen Umfeld». Konkret hat die Migros Bank im letzten Jahr einen Gewinn von 276 Millionen Franken erzielt. Etwas weniger zwar als im Jahr 2024, aber immer noch eine sehr gute Basis für den Gewinn der gesamten Migros-Gruppe, die Ende März ihre Zahlen der Öffentlichkeit präsentieren wird. 

CEO Manuel Kunzelmann (51) weiss um die Bedeutung seiner Bank für den orangen Riesen: «Wir als Migros Bank sind stolz, als eines von vier strategischen Geschäftsfeldern der Migros-Gruppe einen Beitrag zum nachhaltigen Erfolg der gesamten Migros-Familie leisten zu können.» Die Bank werde auch in den kommenden Jahren einen «wichtigen Gewinnbeitrag zur Migros-Gruppe leisten». 

Gewinngarantin Migros Bank

Die vier Geschäftsfelder, das sind der Food-Bereich mit den Supermärkten, der Non-Food-Bereich mit dem Onlinehändler Digitec Galaxus sowie die Bereiche Finanzwesen und Gesundheit.

Die Abhängigkeit vom Bankgewinn hat sich in den letzten Jahren noch verschärft. Knapp ein Drittel trug die Migros Bank schon 2015 zum Gewinn der Migros bei, weniger wurde es seither nie mehr, wie eine Auswertung der Geschäftsberichte zeigt. 

Im Gegenteil: 2023 hätte der Migros-Konzern ohne die Bank gar rote Zahlen geschrieben. Das erklärt die überproportionale Zahl von 179 Prozent Gewinnbeitrag des Finanzinstituts: Die Bank erzielte 2023 ein Rekordergebnis, das nicht nur den Migros-Verlust wettmachte, sondern insgesamt zu einem – wenn auch bescheidenen – Konzerngewinn führte. 2024 steuerte die Bank über zwei Drittel zum Gewinn der Migros bei! 

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Für Jörg Staudacher (50), Geschäftsführer des Schweizerischen Instituts für Vertrieb und Handel, ist deshalb klar: «Die Migros ist eine Bank mit Detailhändler.» Harte Worte – aber auch ohne Bank steht die Migros finanziell solide da, einfach die Gewinne sprudeln wie benötigt. 

Die Migros-Chefs wissen schon lange um die Bedeutung des Finanzinstituts. Ob die Abhängigkeit von der Migros Bank ein Klumpenrisiko für die Migros sei, fragte Blick im Frühling 2023. «Unsere Bank ist tatsächlich sehr wichtig für uns und wächst weiter», antwortete der damalige Migros-Boss Fabrice Zumbrunnen (56) vielsagend. 

Die Migros steckt im grössten Konzern-Umbau der Geschichte, will sich künftig auf das Kerngeschäft fokussieren, hat sich etwa vom Reiseanbieter Hotelplan oder von den Fachmärkten getrennt. Und verfolgt eine radikale Tiefpreisstrategie: «Auch 2026 bleibt der Preis zentral, da viele Haushalte auf ihr Budget schauen müssen», erklärte Migros-Chef Mario Irminger (60) Anfang Jahr gegenüber Blick

Es geht auch ohne Bank

Nur, die Migros kommt mit den tiefen Preisen nicht so richtig voran, kann keine Marktanteile zurückerobern, so Detailhandelsexperte Staudacher: «Die Preisoffensive der Migros, das können sie sich nur wegen der Bank leisten.» Im Moment geht das noch gut, allerdings warnt Staudacher: «Das ist extrem gefährlich. Nicht so sehr, dass die Migros Bank nicht performt.» Das Problem sei ein anderes: «Dass die Migros es in den kommenden drei Jahren nicht schafft, im Supermarktgeschäft wieder profitabel zu sein.» 

Wie es auch ohne Bank geht, zeigt Coop. Die grösste Konkurrentin der Migros begann um die Jahrtausendwende, sich aus dem Bankgeschäft zurückzuziehen, und verkaufte die letzten Anteile an der Bank Coop 2017 an die Basler Kantonalbank. Gestern wurde bekannt: Im Jahr 2025 steigerte Coop den Gewinn auf 606 Millionen Franken. 

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