Jetzt soll Parmelin schlichten
Raclette-Zoff mit der Migros eskaliert

Raclette Suisse wirbt für den Käse – nur die Migros will nicht in den Werbetopf einzahlen. Jetzt muss sich Bundesrat Guy Parmelin um den Streit kümmern.
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Zu verdanken ist das unter anderem dem Branchenverein Raclette Suisse.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Streit um Raclette-Käse: Migros und weitere Hersteller vs. Raclette Suisse, Bundesrat soll eingreifen
  • Migros produziert ein Drittel ihres Raclettes selbst, tritt Verein nicht bei
  • 82 Prozent der Hersteller bei Raclette Suisse, früher über 90 Prozent
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Robin BäniRedaktor

Wird es draussen kalt und nass, landet in vielen Haushalten der Käse im Pfännchen. Es ist eine friedliche Welt, ein Raclette-Plausch in den eigenen vier Wänden. Doch hinter dieser heimeligen Kulisse tobt ein Streit. Ein Käse-Knatsch, in dem sich die Migros mit der Branchenorganisation Raclette Suisse anlegt. Schlichten muss es am Ende wohl Bundesrat Guy Parmelin.

Wie so oft geht es ums Geld. Seit Jahren wächst der Appetit auf Raclette, die Verkaufszahlen ziehen deutlich an. Zu verdanken ist das unter anderem Raclette Suisse. Der Branchenverein kümmert sich ums Marketing und organisiert Werbekampagnen, etwa mit Mundartsänger Trauffer als Aushängeschild. Finanziert wird das über Mitgliederbeiträge. Lange flossen diese Einnahmen fast lückenlos. Weit über 90 Prozent aller Raclette-Produzenten gehörten dem Verein an. Doch das war einmal.

Vor drei Jahren übernahm die Migros eine Käserei im Berner Oberland. Früher hatte der orange Riese seinen Raclette-Käse ausschliesslich zugekauft. Nun aber begann er, ihn selbst zu produzieren. Heute stammt rund ein Drittel des Migros-Raclettes aus eigener Herstellung. Dem Branchenverein Raclette Suisse ist der Grossverteiler allerdings nie beigetreten. Als Folge vertritt der Verein heute nur noch 82 Prozent aller Raclette-Hersteller, da nebst der Migros auch weitere Produzenten nicht Teil von Raclette Suisse sind. Entsprechend fehlen dem Verein Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen.

Geschäftsführer Jürg Kriech ist darüber wenig erfreut. Werbemassnahmen kämen letztlich allen zugute, argumentiert der Vorsteher von Raclette Suisse. Wer sich nicht an den Kosten beteilige, verschaffe sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil. «Dadurch entsteht eine Preisspirale nach unten, die schlussendlich zulasten der Milchproduzenten und der Käsehersteller geht», lautet sein Fazit.

Migros wehrt sich

Die Migros sieht das naturgemäss anders. Auf Anfrage schreibt eine Medienverantwortliche, man lehne Zwangsabgaben an eine zentrale Marketingorganisation ab. «Dies verteuert die Produktion unnötig und schafft keinen direkten Mehrwert für Kundinnen und Kunden.» Statt Raclette Suisse beizutreten, wolle die Migros ihre Eigenmarke Raccard bewerben. «Wir investieren jährlich mehrere Millionen Franken in die Unterstützung von Schweizer Raclette», so die Sprecherin. Zusätzlich zahle die Migros indirekt mehrere Tausend Franken an Raclette Suisse über externe Lieferanten.

Raclette Suisse fordert allerdings eine direkte Kostenbeteiligung aller Raclette-Hersteller und somit auch von der Migros-Käserei im Berner Oberland. Entsprechend reichte der Verein ein Gesuch beim zuständigen Wirtschaftsminister Guy Parmelin ein. Mit dem Ziel, dass der Bundesrat alle Raclette-Produzenten zu einer Abgabe verpflichtet – egal ob Vereinsmitglied oder nicht.

Solche Pflichtbeiträge sind in der Schweizer Landwirtschaftspolitik nicht ungewöhnlich. Auch der Bauernverband kennt derartige Zwangsabgaben. Sie laufen unter dem Begriff «Selbsthilfemassnahmen» und sollen sicherstellen, dass eine Branche über die ganze Wertschöpfungskette – vom Bauer bis zum Detailhandel – faire Bedingungen schafft. Funktioniert das nicht, weil sich einzelne Hersteller entziehen, kann der Bundesrat auf Gesuch hin eingreifen und Beiträge für allgemeinverbindlich erklären. Auch für Nichtmitglieder.

Vorerst ist Raclette Suisse damit allerdings abgeblitzt. Im vergangenen Herbst entschied der Bundesrat, dass der Verein die rechtlichen Voraussetzungen für ein Gesuch nicht erfülle. Geschäftsführer Jürg Kriech will sich damit aber nicht geschlagen geben. Die Statuten würden derzeit überarbeitet, bis alle Vorgaben erfüllt seien. «Noch im Frühling 2026 wollen wir das neue Gesuch einreichen.» Der Käse-Knatsch geht damit in die nächste Runde.

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