Darum gehts
- Greenpeace und Anwohner wehren sich gegen Geflügelschlachthof in Saint-Aubin FR
- In geplanter Anlage sollen jährlich über 30 Millionen Hühner geschlachtet werden
- Investition von 250 bis 300 Millionen Franken, 400 bis 500 Jobs
Der Widerstand gegen den Mega-Geflügelschlachthof von Fleischriese Micarna in Saint-Aubin FR bleibt ungebrochen. Greenpeace Schweiz, die Öko-NGO Ecotransition-La Broye sowie 30 Anwohnerinnen und Anwohner haben Beschwerde gegen die ausgestellte Baubewilligung eingereicht. Zuvor waren mehrere Einsprachen abgeblitzt.
«Im geplanten Gebäude sollen jährlich über 30 Millionen Hühner geschlachtet werden. Das Projekt verletzt geltende Gesetze, insbesondere im Gewässer-, Klima- und Naturschutz», heisst es zur Begründung in einer Medienmitteilung. Damit der Bau des Grosskomplexes nicht vor dem Urteil des Kantonsgerichts Freiburg beginnt, wurde zudem auch eine aufschiebende Wirkung beantragt. Heisst: Die Gegner des Schlachthofs der Migros-Tochter Micarna fordern einen sofortigen Baustopp.
«Projekt wird Region erheblich beeinträchtigen»
«Der Standort ist für eine Anlage dieser Art schlecht gewählt: Die Risiken wurden nicht ernsthaft geprüft und die Infrastruktur, etwa im Bereich Verkehr und Wasser, ist nicht bereit», erklärt Alaric Kohler, Präsident des Vereins Ecotransition-La Broye. Zudem würden verschiedene Vorgaben zum Klimaschutz ignoriert. «Der Bau dieses Schlachthofs ist mit den Klimazielen unvereinbar. Angesichts der damit verbundenen Mängel und Verstösse fordern wir, dass geltendes Recht eingehalten wird», sagt Sera Pantillon, Expertin für Konsum und Ernährung bei Greenpeace Schweiz.
Raphaël Mahaim, Anwalt der Beschwerdeführenden, ergänzt: «Dieses Projekt wird die Region erheblich beeinträchtigen. Die wirtschaftliche Entwicklung kann nicht alle Auswirkungen auf die Anwohner und alle Umweltschäden rechtfertigen. Nun ist es Aufgabe der Justiz, die Rechtskonformität des Projekts gründlich zu prüfen.»
Migros betont Einhaltung der Vorgaben
Der Kanton Freiburg verkaufte der Migros-Tochter für den Schlachthof im Oktober 2023 ein 95'000 Quadratmeter grosses Stück Land. Micarna will in St-Aubin zwischen 250 und 300 Millionen Franken investieren. Entstehen sollen vier Produktionslinien mit 400 bis 500 Arbeitsplätzen. Die Migros-Tochter will dort Fleisch, Nuggets und Katzenfutter produzieren.
Auf einer gemeinsamen Plattform im Internet zum Mega-Projekt betonen Migros und Micarna, dass die neue Fabrik deutlich umweltfreundlicher sei. «Es soll ein CO2-neutraler Betrieb aufgebaut werden, mit welchem die Kreislaufwirtschaft gefördert wird», heisst es dort. Und weiter: «In Sachen Tierwohl wird die Anlage die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen und verschiedene Verbesserungen bieten.» Auch die Gemeinde steht hinter dem Schlachthof: «Das Investment ist ein Katalysator für unsere lokale und regionale Entwicklung», sagte Gemeindepräsident Michael Willimann 2024 zu Blick.