Darum gehts
- Lauterbrunnen BE plant Eintritt für Weg zum Staubbachfall, Abstimmung Anfang 2027 geplant
- Geologisches Gutachten für benötigtes Schutznetz bereits beauftragt, genaue Gebühr noch offen
- Iseltwald BE generierte 2024 244'000 Franken durch Selfie-Gebühr am Brienzersee
Der Tourismus ist für das Berner Oberland die wichtigste Einnahmequelle. Das überrascht kaum: Die dortige Natur mit ihren sattgrünen Wiesen, den mächtigen Felsen und den malerischen Bergseen lockt jedes Jahr Ausländer wie auch Einheimische zu Tausenden in die Region. Mit der ruhigen Idylle ist es dann vorbei. Einige Besucher halten sich nicht an die Regeln, schlendern durch private Gärten oder hinterlassen Berge von Abfall – und verärgern damit die lokale Bevölkerung.
Mehrere Berner Gemeinden haben deshalb bereits Massnahmen ergriffen. Nun kommt eine weitere hinzu, wie das Portal «Plattform J» berichtet. Die Gemeinde Lauterbrunnen BE will für ihren legendären Staubbachfall Eintritt verlangen. Zumindest für jene, die den Wasserfall, der vom Staubbach rund 297 Meter in das Lauterbrunnental stürzt, aus der Nähe bestaunen wollen.
Eintrittsgebühr für Weg zum Staubbachhubel
Unmittelbar am Fuss des Staubbachfalls liegt der Staubbachhubel. Dieser gehört der Gemeinde, wie Gemeindepräsident Karl Näpflin (61) gegenüber dem Portal erklärt. Der Fels sei im Besitz des Kantons. Hinauf zum bekannten Wasserfall führt ein rund zehnminütiger Weg – und genau dieser Zutritt soll bald kostenpflichtig werden. Näpflin sagt, die Gemeinde habe bereits ein geologisches Gutachten für ein benötigtes Schutznetz an der Felswand in Auftrag gegeben. «Das Projekt läuft bereits. Sobald das Schutznetz installiert ist, kann Eintritt verlangt werden.» Läuft alles nach Plan, will der Gemeindepräsident das Geschäft Anfang 2027 zur Abstimmung bringen. Wie hoch die Gebühr ausfallen soll, ist noch nicht bekannt.
Ein Problem ist damit aber nicht gelöst: das der nervigen Selfie-Touristen. Es sei das Gästesegment, das der Gemeinde «nicht nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubert», so Näpflin. An einem besonders begehrten Foto-Hotspot mitten im Tal stehen sie scharenweise auf der Strasse und behindern so den Verkehr. Auch reisen sie oft gleich wieder ab, sobald der perfekte Schnappschuss für Instagram und Co. im Kasten ist. Einnahmen für die Gemeinde generieren die Selfie-Touris also praktisch keine. In einer Google-Bewertung zu besagter Stelle heisst es: «Es gibt eigentlich nur einen Ort, von dem aus man den malerischen Ausblick geniessen kann. Aber dort wird es extrem voll. Viele Leute bleiben sehr lange genau an dieser Stelle stehen, anstatt nur schnell ein Foto zu machen.»
Berner Oberländer Gemeinden gehen gegen Tourismusflut vor
Um die Touristenmassen besser zu steuern, reagierten die umliegenden Regionen bereits. Seit mehreren Jahren wird das nur wenige Kilometer entfernte Iseltwald BE vor allem von asiatischen Touristen überrannt. Auslöser war die koreanische Netflix-Serie «Crash Landing on You», in der eine dramatische Liebesszene 2019 auf einem Schiffssteg am Brienzersee gedreht wurde. Um den Ansturm zu bändigen, hat Iseltwald 2023 eine simple und lukrative Lösung gefunden: Ein Drehkreuz, bei dem man fünf Franken einwerfen muss, um den Steg zu betreten. 2024 spülte die Selfie-Gebühr dem 400-Seelen-Dörfchen satte 244'000 Franken in die Gemeindekasse.
Für eine andere Attraktion in der Nähe von Lauterbrunnen braucht es seit 2025 eine Reservierung: Wer mit der Gondelbahn ab Kandersteg BE zum Oeschinensee hochfahren will, muss einen Time-Slot buchen. Besucher müssen im Voraus angeben, wann sie zum Bergsee wollen – und wie lange sie verweilen möchten.